während die Ledige davor warten muß, bis der Priester sie holt( Nr. 30) ¹²).
Veränderung eines relativ geringfügigen Elements im Zusammen-hang mit der Aussegnungsstelle ist der Wegfall des Schemels( Nr. 42),der vielen Erwähnungen zufolge bei der einführenden Segnung am Ein-gang, in der Vorhalle oder in der Sakristei für die Wöchnerin bereit-gestellt wird. Allerdings darf man wohl die Wirkung gerade dieses Zugsdie Ledige muß auf dem Boden knien nicht unterschätzen.
Für lokale Differenzierung außerhalb der Kirche ist nur ein Beleganzuführen. Er kommt aus einem Gebiet, für das im ADV- Materialinsgesamt acht Angaben vorliegen, denen zufolge die Wöchnerin imHaus ausgesegnet wird ¹³), obwohl dies eigentlich dem römischen Rituswiderspricht, der in seinem ersten Teil eine introductio in ecclesiamvorsieht 14. In Hotting/ Tirol( Nr. 12) darf die ledige Wöchnerin nichtim Haus ausgesegnet werden, sondern muß ins Pfarrhaus gehen, daswie hier auch sonst Ort der Vermahnung ist.
Außer bei den Aussegnungsstätten setzt bewertende Differenzie-rung auch bei anderen Elementen an, die zum Modus des Geschehens-ablaufes gehören. So betreffen zwölf Angaben die Kerze, die die Wöch-nerin trägt. Die Kerze, Verbindung von Licht und Feuer, ist als Sinn-bild des Göttlichen ein im Ritus vorgeschriebener, unabdingbarerBestandteil der Messe und bei der Spendung der meisten Sakramente,insbesondere der Taufe, aber auch bei vielen anderen kirchlichen Zere-monien 15). Die Wöchnerin trägt eine brennende Kerze bei der Ein-führung als Zeichen ,,, daß sie in der Taufe Licht in Christo gewordensei und daß Christus, rex gloriae, in ihr wohne" 16). Eine Verbindungbesonderer Art mag sich auch daraus ergeben, daß zu Mariae Licht-meẞ, entsprechend Lukas 2, 22 ff., dem Tag der Purificatio BeataeMariae Virginis, schon seit dem 10. Jahrhundert eine Kerzenweihestattfand. Damit ist aber auch eine Beziehung hergestellt zum Volks-glauben vom Licht als Lustrationsmittel, das in der Kerze Gestaltgewinnt 17), und daraus resultierenden Bräuchen, geweihte Kerzen undgeweihtes Wachs im häuslichen Leben zu verwenden, Bräuche, die, wiedas ADV- Material zu Frage 155 18) ergibt, etwa zwischen Isar und
12) In Prien, Oberbayern( Nr. 4), ist Einführung von der Sakristei oder vomKircheneingang üblich. Wahrscheinlich wird hier für die Verheiratete die ersteSegnung beschrieben.
13) Lustenau, Vorarlberg; Hard, Vorarlberg; Wolfurt, Vorarlberg; Thürin-gerberg, Vorarlberg; Zams, Tirol; Jenbach, Tirol; Hötting, Tirol; Heiligenblut,Kärnten.
14) Wetzer und Welte's Kirchenlexikon, Bd. 1( 1882), 1713.15) Ebenda, Bd. 7( 1891), 395 ff.
16) Ebenda, Bd. 1( 1882), 1712.
17) HDA IV, 1243 ff.
18) ADV- NF, Karten 66-69, im Ausdruck.
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