Jahrgang 
79 (1976) / N.S. 30
Einzelbild herunterladen
 

rich I., der Sachse, gewesen sei, ergeben wahrscheinlich keine Lösungs-möglichkeiten 37). Die Babenberger werden darum gewußt haben, aberkeine Quelle erzählt uns, was sie davon hielten.

Der schwarze Hund bei Konrad II., der Schwarze Mönch beiHeinrich III., sie leiten unwillkürlich zu dem Steinrelief über dem Por-tal der Pantaleonskapelle von Mödling zurück, weil man doch in demPferd, auf dem der Jäger sitzt, lange Zeit jenes schwarze Pferd haterkennen wollen, auf dem Theoderich von Ravenna, Dietrich von Bern,in die Hölle geritten sei 38). Diese Sage kannte der Babenberger Ottovon Freising 39). Ob aber das Relief in Mödling gerade dieses Motivdarstellen sollte, ist völlig fraglich. Es handelt sich um ein Jagdmotivan einer Totenkapelle, und dieser Zusammenhang ist oft genuggegeben, die Totenjagd oder wie man es nennen will, ist ein altes, viel-fach bezeugtes Motiv 40).

Da es sich um Tiere, um Pferd und Hirsch und die Hunde aufdem Relief handelt, mag man sich zunächst fragen, ob die Leute hierim Osten von Niederösterreich solche Bildmotive kannten, von denenman sich immer wieder erzählt haben mag. Aus älterer Zeit ist eingroßartiges Bildzeugnis gerade dafür erhalten, nämlich das Relief ander Kirche von Weigelsdorf 41). Es zeigt Tiere der, drei Reiche, näm-lich Pferd, Vogel und Drache, um eine Rosette, welche die Sonne seinmag, und im Kampf um einen Ball, der auch der Mond sein könnte.Kein christliches Zeichen schmückt das Relief, das vielleicht lango-bardisch, vielleicht karolingisch sein mag und jedenfalls zeigt, woranman in dieser Landschaft bildhaft dachte. Gejagte, kämpfende Tierekönnen mit Weltuntergangsstimmungen, mit Jenseitsvisionen zu tunhaben. Auch die Geschichte vom Höllenritt Dietrichs von Bern gehtja auf eine Vision zurück, freilich auf die eines Einsiedlers auf denLiparischen Inseln, wie Gregor der Große in seinen Dialogi" er-

37) Heinrich Leßmann, Die Kyrossage in Europa.(= WissenschaftlicheBeilage zum Jahresbericht über die Städtische Realschule zu Charlottenburg,Ostern 1906. S. 25 f.)

38) Wolfgang Stammler, Wort und Bild. Studien zu den Wechsel-beziehungen zwischen Schrifttum und Bildkunst im Mittelalter. Berlin 1962.S. 45 ff.

39) Ernst Friedrich Ohly, Sage und Legende in der Kaiserchronik, S. 223.40) Zum Relief am Karner von Kirchschlag vgl. Franz Merschl, Kirch-schlag in der Buckligen Welt(= Christliche Kunststätten Österreich, Nr. 48),Salzburg 1964.

41) Maria Capra, Das Relief von Weigelsdorf( in: Festschrift für JosefStrzygowski zum 70. Geburtstag. Klagenfurt 1932. S. 27 f.)

Emerich Schaffran, Die Kunst der Langobarden in Italien. Jena 1941.S. 166, 189.

197