Motivschatz der Hinterglasmaler von Winklarn aufgenommen erscheinen. DieArbeiten von Raimund Schuster sind also wie gesagt eine schöne Bereicherungunseres Wissens um die Hinterglasmalerei, wie das auch Gislind M. Ritz inihrem Geleitwort zu diesem Buch wieder betont. Leopold Schmidt
Eduard Stemplinger's Immerwährender Bayerischer Kalender.Rund 1517 wahre Anekdoten und Schmankerl, Bauernbrauch und Weis-heit für jeden Tag. 392 Seiten, mit 100 Illustrationen von Paul Neu und465 Vignetten. Rosenheim 1975, Rosenheimer Verlagshaus Alfred Förg.DM 28,80.
Eduard Stemplinger, von Beruf klassischer Philologe, hat seinerzeit fürdie Volkskunde einiges bedeutet. Besonders sein„ Antiker Aberglaube in mo-dernen Ausstrahlungen" ist vor einem halben Jahrhundert ein vielbenütztesBuch gewesen. Stemplinger ist 1964 im hohen Alter von 94 Jahren gestorben.In seinem Nachlaß fanden sich Plan und Materialien zu diesem„ Immer-währenden Kalender", den nunmehr der rührige Rosenheimer Verlag alsstattlichen Band vorlegt. Zu jedem Tag sind Kalenderangaben, Schwänke,Sprüche, Anekdoten zusammengestellt, mit Bayern als dem Mittelpunkt dieserWelt, in der sonst nur noch Ludwig Thoma, Josef Hofmiller und wenigeandere als tatsächlich wichtige Menschen anerkannt wurden.
Das unpaginierte Buch liest sich für jeden Benützer gut, für den Interes-senten an Schwank und Anekdote wohl am besten, der zu manchem bekanntenauch einigen unbekannten Stoff vorfinden wird. Da Stemplinger den Band nichtselbst abgeschlossen hat, steht ab und zu ein kleiner Irrtum drin, manchmalauch eine Wort- oder Sachdeutung, die er wohl in jüngeren Jahren nichthätte durchgehen lassen. Als Philolog hätte er beispielsweise wohl„ Knödel"nicht von lat.„ nodus" abgeleitet, oder„ Batzen" von einem mittellat.„ bacius"( 7. und 10. X.). Auch geschichtlich- sprachliche Hinweise sind manchmal irre-führend, so etwa, daß bei den Ungarneinfällen von 907 noch Hunnen undAwaren beteiligt gewesen seien( 18. VIII.) Manchmal ist auch noch germanoma-nischer Unsinn anzutreffen, bei„ Thor" am 4. VIII., bei„ Freya" am 19. X.Und den Roß- Aderlaß als Ersatz für ein Pferdeopfer anzusehen( 26. XII.)wird heute auch schwerfallen. Dagegen sind kleinere Druckfehler wie„ Schuld-thurn"( 25. XI.) für Schildthurn unbedeutend, und die Verlegung von Gaming( 30. XI.) nach Steiermark statt nach Niederösterreich. Die Liste ließe sichverlängern. Aber das Buch bleibt dennoch ein ganz vergnüglicher Lesestoff.Leopold Schmidt
Museen in Baden- Württemberg. Herausgegeben vom Württembergischen Mu-seumsverband e. V. Stuttgart mit Unterstützung des LandesdenkmalamtesBaden- Württemberg. 254 Seiten, 95 Abb. auf Tafeln, Stuttgart und Aalen1976, Konrad Theiß- Verlag. DM 19,80.
Das südwestdeutsche Doppel- Land Baden- Württemberg hat hiermit einenMuseumsführer bekommen, der sich als ebenso inhaltsreich und nützlich er-weist wie seine Gegenstücke in Bayern und in Hessen, aber auch, um ganzeLänder zu nennen, in Österreich und in der Schweiz. Bei den deutschenBundesländern ist die Erstellung solcher Verzeichnisse infolge der guten Orga-nisation ihrer Landesdenkmalämter und ihrer Musealvereinigungen sicherlicheinfacher als anderswo. Dennoch weiß der Kenner des Heimatmuseumswesens,daß es nicht leicht ist, über wirklich alle Sammlungen Aufschluß zu bekommen.Es sind doch in diesem Fall nicht weniger als 346 Museen, vom großenWürttembergischen Landesmuseum bis zum Vogtsbauernhof oder zum Fürsten-berghof in Zell am Harmersbach. Der Band ist umso notwendiger geworden,
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