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gedacht hätte. Die Bilder und Konstruktionsskizzen sind überzeugend. Einvon ihm schon behandeltes Thema greift Wilhelm Neu nochmals auf,nämlich„ Getreidekästen in der Umgebung von Wessobrunn und ihre Zimmer-meister". Bei der Erfassung von etwa 350 Getreidekästen im Gebiet zwischenIsar und Lech haben sich einige Zimmerleute des 17. Jahrhunderts einwandfreinachweisen lassen. Schließlich berichtet Volker Liedke über„ Die Leberer.Eine bäuerliche Künstlerfamilie des 19. Jahrhunderts". Die Georg und GenerosusLeberer haben vor allem Haustüren, Hennentürln und verwandtes geschaffen.Die Leberer haben auch Grabkreuze geschmiedet und angeblich auch Freskengemalt, aber davon werden keine Beispiele gezeigt. Von den bemerkenswertenHaustüren dagegen, deren einige auch in den Kunsthandel abgewandert sind,werden sehr gute Beispiele geboten. Die Leberer haben sich von allen möglichenVorbildern anregen lassen und sind dadurch schließlich auch zu einer Artvolkstümlicher Neugotik gekommen, für die es ja sonst sehr selten Beispiele
gibt.
Der wertvolle Band zeigt wieder einmal, welche enge Verbindungen esgelegentlich zwischen Volkskunde und Denkmalpflege geben kann.
Leopold Schmidt
Raimund Schuster, Volkskunst im Bayerischen Wald. Hinter-glasbilder der Neukirchener Schule. 2. Aufl. Herausge-geben vom Kultur- und Presseausschuß des Bayerischen Waldvereins.107 Seiten, davon 30 Farbtafeln, 22 Abb. schwarzweiß auf Tafeln.Grafenau, Verlag Morsak 1975.
Es gibt Gebiete der älteren Volkskultur, auf denen sich immer nochbeachtlich nachernten läßt. Auch die Hinterglasmalerei, die in den letztenJahren viel Beachtung gefunden hat, ist ein solches Gebiet. Ein landschaft-licher Kenner wie Raimund Schuster in Zwiesel konnte, wie schon bei derersten Auflage dieses schönen Buches festzustellen war, für sein Gebiet nochbedeutende Nachlese halten, und die nunmehr vorliegende zweite Auflagezeigt, was sich inzwischen wiederum an neuen Funden ergeben hat. Sie geltenvor allem den Daten der Hinterglasmalerfamilien Wittmann in Neukirchen beiHl. Blut und Stoiber in Haibühl. Aber auch Bilder und Risse haben sichwieder finden und zuordnen lassen, und erfreulicherweise konnten wiederummehrere solche Neufunde auch in guten Farbbildern wiedergegeben werden.Für die Zusammenarbeit der Hinterglasbilderforscher gibt die Tatsache einschönes Zeugnis, daß einige dieser Bilder von Primarius Dr. Hans Jessererstammen, dem bekannten Wiener Hinterglasbildsammler.
Raimund Schuster hat einige seiner Ergebnisse in der Zwischenzeit auchin Zeitschriftenartikeln niedergelegt, auf die bei dieser Gelegenheit auch hin-gewiesen werden soll. Es handelt sich einmal um einen von Schuster eindring-lich verfolgten Maler:„ Die Passauer Jahre des Winklarner HinterglasmalersKarl Josef Ruff. Ein Beitrag zur Erforschung der Hinterglasmalerei im Baye-rischen und Oberpfälzer Wald", mit 12 Abbildungen. Schuster hat Ruff vorallem in seinem Büchlein„, Auf Glas gemalt. Hinterglasmalerei aus Winklarn",Regensburg 1973, eingehend behandelt. Eine zweite Arbeit gilt den wallfahrtlichmotivierten Hinterglasbildern:, Wallfahrtsmotive im Hinterglasbild des Baye-rischen und Oberpfälzer Waldes"( Bayerwald, 1975, H. 4, 16 Seiten mit 14 Abb.)Raimundsreuther, Neukirchner und Winklarner Bilder mit den jeweiligen Gna-denbildern sind hier behandelt. Abb. 12( Riß für Votivbild aus dem Ruff'schenNachlaẞ) stellt offenbar die schöne Maria von Wessobrunn dar. Der Riß aufAbb. 15 zeigt wohl nicht die hl. Ursula, sondern die hl. Theresia von Avila.Bemerkenswert ist, daß auch späte Wallfahrten wie Lourdes bereits in den
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