Jahrgang 
79 (1976) / N.S. 30
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technischer, sozialer und ökologischer Problematik man hier doch einigeserfährt. Es ist nur schade, daß der Verfasser dabei seinen kuriosen Darstellungs-stil beibehält, so daß die vielen und bemerkenswerten Feststellungen, Fakten,und Angaben der eigentlichen Unterlagen entbehren und zu wenig effizientwerden. Er verzichtet ja auch sonst auf eine Verdeutlichung durch Graphiken,Pläne oder Zahlenaufstellungen, und bei den zahlreichen Textfotos leider auchauf nähere Orts- oder Sachangaben. Hamböck hat damit für diese wichtigenund inhaltsreichen Abschnitte zur Bautätigkeit in der Gegenwart neben seinensicher nützlichen abwägenden und wertenden Stellungnahmen vielleicht dochdie Möglichkeiten einer tiefer wirkenden Offenlegung und Dokumentation dieserVorgänge leichtlich vergeben.Oskar Moser, Graz

Torsten Gebhard, Der Bauernhof in Bayern. München, SüddeutscherVerlag( 1975). 168 Seiten mit 265 Fotografien und 44 Zeichnungen undPlänen. ISBN 3-7991-5764-6.

Im Gegensatz zu manchen anderen Ländern verfügt Bayern über eineHausforschung, die bis weit ins vorige Jahrhundert zurückreicht und die durchnamhafte Ansätze sowohl örtlich wie gesamtlandschaftlich fundiert ist. Zu ihrzählt seit langem auch der Verfasser dieses neuen Buches, nicht nur als Denk-malpfleger, Generalkonservator und vielseitig erfahrener Kenner des Landes,auch als nüchterner, gewiegter Beurteiler der Dinge und als Moderator, Rat-geber und Forscher, als der er sich immer wieder mit gewichtigen Beiträgenzum Wort meldet. Torsten Gebhard geht es dabei nicht um Architektur, umrein ästhetische Maßstäbe, sondern immer ums Ganze des Lebens, auch umWirtschaft, Arbeit und Produktion, Nutzwert und Lebensqualitäten im länd-lichen Dasein. So hat er stets zu einer durchaus eigenständigen_ beinahemöchte man sagen eigenwilligen Betrachtungsweise gefunden, die vonbilligen Verallgemeinerungen entschieden abrückt und die zu den historischenWirklichkeiten des landwirtschaftlichen Bauwesens" hinführt, wie er sie siehtund verstanden wissen will.

Man wird daher dieses Buch nicht bloß, wie der Verfasser selbst meint,als einen Ergebnisbericht" und Versuch" betrachten, der das seit über 40 Jah-ren gesammelte Material am Institut für Volkskunde der Kommission fürBayerische Landesgeschichte an der Bayerischen Akademie der Wissenschaftenüberprüft und auswertet, sondern als einen neuartigen Aufriß der historischenEntwicklungen im bäuerlichen Hofwesen der sechs wichtigsten Stammes- bzw.Großlandschaften in Bayern. Als solcher aber faßt er nicht nur bisheriges anEinsichten und Erkenntnissen bündig zusammen, sondern wirft eine ganzeReihe grundlegender Fragen neu auf, heiße Fragen" könnte man sagen, diefür Bayerns Hauslandschaften ein völlig neues und ungewohntes Entwicklungs-relief und Ausgangsbild bedeuten.

Da wären zunächst die grundsätzlichen Überlegungen, die Gebhard ZurEinführung" einer solchen Betrachtung anstellt: Über Qualität und Quantitätendes Ausgangsmaterials, über die zeitliche Abgrenzung und den Bauten- Umsatz,die variabeln Größen, die eigentlich mehr besagen als die konstanten, über,, Formstörungen und Formprovinzen", über Umstellungszwang, Betriebsände-rungen und die wechselnden Größen der Hausgemeinschaften, kurz über alldie Nutzungsprobleme eines bäuerlichen Anwesens überhaupt.

Hauptteil des schönen Buches ist die landschaftliche Darstellung". Aus-gewählte Marginalzeichnungen am Kopf der Seiten und ein selbständigerAbbildungsteil erläutern sie Abschnitt für Abschnitt. Ein Literaturverzeichnis,eine lange Liste mit, Sachworterklärungen" und Register zu Personen und Ortenersetzen Fußnoten im Text.

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