die mehr wissen wollen" gesagt wird: es ,, lag bereits eine beachtliche Sagen-sammlung vor, weshalb man uns wohl auch nicht allzu viel Zeit zum Durch-sehen gab, weil ja offenbar ohnehin alles fertig zu sein schien"( S. 351). Derherausgebende Verein hätte mehr„ Zeit zum Durchsehen" und den Redaktorendas kritische Sagenbuch" ermöglichen sollen, das in ihrer Absicht lag( S. 354).Die ungewöhnlich reiche, mit großem Aufwand gedruckte Sammlung vonWolfram wird ihren Weg machen. Für die wünschenswerte zweite Auflage stehtdas Motto im Nachwort:„, Nicht einfach hinnehmen, sondern nachdenken, damitwir manches in Zukunft besser machen, besser verstehen können"( S. 354).Richard Beitl, Berlin- Schruns
Hasso Hohmann, Giebelluckn und Stadlgitter. Kunstvolle Ziegel-gitter an Wirtschaftsgebäuden der Steiermark. Graz 1975- Verlag fürSammler. 33 Seiten, 2 Karten, 242 Abbildungen( Zeichnungen und Fotos).ISBN 3 85365 020-1.
Das gut ausgestattete Buch befaßt sich ausschließlich mit den Ziegel-setzungen in Lüftungsöffnungen ländlicher Wirtschaftsgebäude der Steiermarkund Kärntens. Diese haben bisher in der Hausforschung kaum eine nähereUntersuchung erfahren. Das Buch füllt daher eine seit langem verspürte Lückeund behandelt ein Baudetail, das namentlich für die späte, nachbiedermeierlicheBauentwicklung im gesamten südalpinen Raum und in dessen Vorländern charak-teristisch ist, sich aber vor allem in der Mittelsteiermark besonders entfaltet unddas gelegentlich doch auch einige Beachtung gefunden hat ¹).
Hasso Hohmann behandelt das von ihm gesammelte reiche Material alsBautechniker und Architekt. Es geht ihm also zuvörderst um die„ Gestaltungder Ziegelgitter" und um deren„, technische Eigenschaften". Er bespricht dasdabei verwendete Material( Mauerziegel, Flachziegel, Formziegel), die ver-schiedenen Gefügearten( mit mindestens 4 Gefügegrundtypen) sowie die Funktiondieses Ziegelwerks, nämlich die Belüftung des Gebäudeinneren. Von den Vor-formen im Holzbau her müßte man hier freilich„ Luckn", d. h. Fensteröffnungen,wie solche selbst an Blockbauspeichern vorkommen, und„ Ziegelgitter", d. h.Wandfüllungen besser auseinanderhalten, die letztlich auf die Jochteilung undAusfachung der ursprünglich besonders im Scheunenbau gebräuchlichen Holz-ständerwerke oder luftig gefügten Blockwände zurückzuführen sind. Dazukommen dann noch Einflüsse von der zeitgenössischen Baukunst, etwa derNeogotik u. ä., im Formalen. Gewiß mit Recht bezeichnet Hohmann die Er-scheinung selbst als„ in ihrem ganzen Charakter bodenständige und echteVolkskunst"( S. 12). Er ist bemüht, deren„, christlichen" und„, außerchristlichen"Symbolgehalt aufzuzeigen, der sich in ihrem„ vielfältigen Musterkatalog" mit,, virtuosen Beispielen der Mauerwerkskunst" denn auch unschwer feststellenläßt. Deren Erklärung allerdings nur als„ Abwehrzeichen", soweit es sichdabei um deutlich lesbare und sinnhafte Zeichen oder Figuren handeltwomöglich gegen das Eindringen des Feuerteufels'"( S. 13)-, sieht dieDinge doch zu kurz und vereinfacht sie wohl zu sehr. Der Verfasser übersiehtdabei die Vielschichtigkeit der Traditionszusammenhänge und vor allem diewechselnden Sinnbezüge einer solchen späten, volkstümlichen Bilder- undZeichenwelt zwischen echter Besegnung und spielerischer Manier. Es müßteweiter bedacht werden, daß es sich dabei ja um( vielfach auch spontane)
1) Über die Ziegelwerkstadel vgl. Oskar Moser, Ländliche Siedelfor-men. In: Planungsatlas Lavanttal I, Klagenfurt 1958, S. 107 f.+ Karte 25( Scheunenformen). Hübsche Aufnahmen von solchen„ Kärntner Stadeln" bringtneuerdings das schöne Buch von Franz Hubmann, Heimliches Österreich.Wien( 1975), S. 159-168.
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