Handhabung des Groß- und Kleindruckes der Überschriften an Übersichtlichkeitgewinnen können. Wie so viele Sagen geben auch die vorliegenden erwünschteAufschlüsse über den Jahresbrauch( Ostern, Sonnwende, Alpabtrieb, Thomastag,Rauhnächte, Weihnachten, Dreikönig u. a.). Ein Sonderverzeichnis mit Seiten-angabe wäre auch für die Photos- seltener Zeichnungen- zu empfehlen,die eine Bereicherung, oft eine unmittelbare Ergänzung der Berichte darstellen.Unter den 57 Abbildungen sind wirkliche Funde auch für den volkskundlichenDenkmalforscher( Bildstöcke, Grenz- und Kreuzsteine; besonders merkwürdig der„ Steinursch"( S. 160). Ein eigenartiges Sagenzeugnis ist„ Das Meßgewand vonGramatsberg"( S. 267), das durch Furcht wie Ehrfurcht erhalten blieb. NähereBeschreibung wäre bei den farbigen Abbildungen 3-6( S. 35) nützlich, die zuden Wandmalereien in der Stube des Thalbauernhauses, datiert 1859, gehören.So erfreulich diese Beispiele guter Volkskunst sind, so ist doch zweifelhaft, obder überlebensgroße„, Türsteher" in fürstlicher Livree aus dem gleichen Zyklusals Umschlagbild des Buches die rechte Einstimmung gibt. Mit Sage hat das ansich wirkungsvolle Bild gar nichts zu tun. Immerhin würde man gern mehrerfahren von Leben und Arbeit einer bemerkenswerten Frau:„ ,, Mein Ähnl hatoft erzählt, daß die Stube auf dem Thalbauernhof, a oanhandlats Weibl' aus-gmaln hat. Die hat nur die linke Hand gehabt, und mit der hats gmaln. Die wara Malerin und ist umanondzogn und hat gmalt"( S. 22).
Wie erwähnt, sind die Aufzeichnungen von Wolfram durch literarischeQuellen ergänzt, die man gerne sammelhaft und unter Hinweis auf die Sagen-nummer am Ende des Bandes verzeichnet sähe. Die Arbeiten von LeopoldSchmidt und Maria Kundegraber von 1962 und 1966 sind berücksichtigt. Nebenetwas einförmigen Niederschriften von Schulkindern( z. B. von 1949) sindHeimat- und Lesebücher, außerdem auch Romane und Versdichtungen heran-gezogen. Da hätte es der Hand des Herausgebers bedurft, um jeweils denSagenkern herauszulösen. Es entspringt wohl eher dem poetischen Gemüt derSchriftstellerin als der kargen Darstellungsweise des Volkes, wenn es in derlangen Geschichte( S. 220-222) von der Wetterliese u. a. heißt:„ Das Gewitterhatte ausgetobt, und ein milder Abend war über die Gegend gelagert. Der Mondhatte die letzten Wolken zerrissen und leuchtete weithin über die Wälder undFluren, von denen es frisch heraufduftete; alles atmete Ruhe und Frieden"( nach J. Pöttinger, Niederöst. Volkssagen. Wien 1950, S. 127 ff). Es schafftklarere Verhältnisse, wenn eine Bearbeitung in Versform voll erhalten bleibtwie in dem flotten Gedicht von Fritz Apeldauer( Lehrer in Wieselburg),, Der Lindwurm"( S. 225 f), in dem bei allem( fast germanischem) Sagenernstetwas vom Stil und Humor eines Wilhelm Busch mitklingt:
Droben auf der Ochsenhaldeeine Birke stand inmitten;
Da schon hohl ihr Stamm gewesen,sie gehörte umgeschnitten.
Und der Bauer mit dem Sohnenahm die Hacke drum, die Säge,rüstig stiegen dann die beidenaufwärts auf dem steilen Wege.
Schon von fern die Birke grüßte,als sie zu der Halde kamen,und sie zauderten nicht langerasch zur Hand die Säge nahmen.
Sohn und Vater guckten spähend,um den Inhalt zu erproben.
Sieh, der Baumstrunk war mit trübemWasser angefüllt bis oben.
Plötzlich hatten etwas Schwarzessie mit Grauen wahrgenommen:Weh! da ist ein junger Lindwurmdrohend drin umhergeschwommen.
Wie sie rannten da, die beiden,um dem Untier zu entrinnen,und sie mußten sich auf einmaleiner alten Mär entsinnen:
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