Jahrgang 
79 (1976) / N.S. 30
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Bild des Mittelalters spricht, um das es in unserer Wissenschaft wie in dieserAusstellung und in ihrem mit Literaturhinweisen und Übersichttabellen gutausgestatteten Katalog geht. Leopold Kretzenbacher, München

Die Sagen des Bezirkes Scheibbs. Vollständige Sammlung aller bisher bekanntenSagen, Legenden, Schwänke und anderer Volksberichte(= Heimatkundedes Bezirkes Scheibbs, 1. Bd.). Herausg.: Heimatkundliche Arbeitsgemein-schaft des Bezirkes Scheibbs. Redigiert von Hannelore und Hel-mut Fielhauer. 358 S., 57 Abb. Verlag Rudolf und Fritz Radinger,Scheibbs 1975.

Die oben genannte Arbeitsgemeinschaft kündigt für die Jahre bis 1984eine, Bezirksheimatkunde Scheibbs" an, die Volksmusik und Volksgesang,Volkslyrik und Mundart, einen Bildband Topographie, bedeutende Persönlich-keiten aus Vergangenheit und Gegenwart und eine allgemeine Volkskunde desBezirkes umfassen soll. Wenn in diesem Plan auch einige Gebiete des Volks-lebens und der Heimatlandschaft übergangen scheinen, so ist mit den Sagenjedenfalls ein beachtlicher Anfang gemacht. Die letzte umfassende Beschreibungdes Bezirkes Scheibbs liegt mehr als hundert Jahre zurück. Nach dem Ötscher-buch von Becker aus dem Jahre 1859 war einem neuen Versuch des Heimat-kundlichen Vereins" 1895 kein Erfolg beschieden. Nur zwölf Schulleitungensandten damals Beiträge. Aus der Leistung eines einzelnen hauptsächlich er-wuchs das vorliegende Buch. Inspektionsrat Alois M. Wolfram( Scheibbs)zeichnete in zwanzig Jahren das Erzählgut der Bevölkerung auf, unermüdlich,, ab Bahn- oder Postautostation zu Fuß" und mit großer Genauigkeit, wennauch manches erst aus dem Gedächtnis oder nach knappen Notizen zu Papiergebracht wurde. Der Vollständigkeit halber wurden alle bisher bekannten undgedruckten Sagen dieser Sagensammlung eingefügt, so daß in diesem Band alleSagen des Bezirkes Scheibbs enthalten sind, soweit sie bisher aufspürbarwaren"( Vorwort S. 7). Es ist die Frage, ob dieser verständliche und doch nieerfüllbare Wunsch nach Vollständigkeit" nicht die Einheitlichkeit des Werkesgemindert hat.

Die Berichte, manchmal mehrere Seiten, manchmal nur 2 bis 3 Zeilenumfassend, sind durchnumeriert( bis 960) und durchweg mit der Angabe desGewährsmannes, seines Wohnortes und von Jahr, Monat und Tag der Aufnahmeversehen. Für die zahlreichen Kapitel und Untergruppen hätte man sich eingesonderes Inhaltsverzeichnis gewünscht, umso mehr, als der Kreis der Sagenaußerordentlich weit und reich gegliedert ist. Das Buch beginnt eindrucksvollmit den Berichten über Besondere Leute", die diese Sagenlandschaft starkprägen: Der Groß- Hans"( mit Familienphoto!), die ungewöhnliche Lebens-geschichte" des alten Thalbauers, Der große Karl", Der Geramichl" u. a.Den großen Zauberern sind die Hexen" angereiht. Zahlreiche Untergruppen sindals ,, Unheimliche Begegnungen" zusammengefaßt, darunter Sagen vom Geister-schimmel"( Schimmelbild in einer Kapelle, S. 87), von der Jogd", von Riesen, Bergmanderln" und Wildfrauen Glossar ::: zum Glossareintrag  Wildfrauen". Die Sage von der Kümmernis" ist nurnoch dem Heimatlesebuch für den Bezirk Scheibbs zu entnehmen. Kapelle undBild sind leider vor wenigen Jahren dem Straßenneubau zum Opfer gefallen"( S. 277), nicht anders als etwa die Nepomukbilder an drei Brücken in Schruns-Tschagguns( Montafon). Versäumter Denkmalschutz! Den Beschluß machenGeschichtssagen, in denen auch die im westlichen Österreich unbekanntenTürken erscheinen. Das gleiche gilt von Thomaszoll", Percht" und Rauh-nacht". Es ist einzusehen, daß der vielschichtige Stoff sich jeder strengenGliederung widersetzt, doch hätten die über 50 Gruppen durch konsequentere

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