Jahrgang 
79 (1976) / N.S. 30
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Der Einfluß des Fernsehens auf diebäuerliche Wohnkultur des Obdacherlandes

Von Elfie Lukas

Erfuhr der Tagesablauf im ländlichen Alltag durch Jahrhundertenur relativ geringfügigen Wandel, so scheinen in unserem Jahrhundertdie technischen Errungenschaften gewaltige Veränderungen mit sichgebracht zu haben.

Einen der umwälzendsten Einschnitte ins bäuerliche Lebenbrachte die Erfindung der Kohlenfadenlampe durch Edison 1879 mitsich. Auch die vielfach erst von der Elektrizität abhängige Einbürge-rung des Radioapparates stellte einen bedeutenden Wendepunkt dar;und mit der Lawine, die die Elektrifizierung über die Menschheit rol-len ließ, wurde ihr auch um 1930 eines ihrer Kinder geboren, das denvielleicht größten Siegeszug um die Welt machte: das Fernsehen.

Erst nach Ende des zweiten Weltkrieges, genauer nach derErfindung der Bildröhre, konnte das Fernsehen zum Massenartikelwerden. Doch es ist kein Zufall, daß es heute, noch keine 30 Jahre alt,das Familienleben in Stadt und Land beherrscht. Karl Veit Riedl weistin einem Artikel über Fernsehen und Volkskultur ¹) darauf hin, daßim Gegensatz zu anderen Massenmedien wie z. B. der Film dasFernsehen gleich von Anbeginn an im Brennpunkt der wissenschaft-lichen Forschung gestanden habe und die Frage nach Einfluß undFunktion dieses Kommunikationsmediums sowie nach seiner Stellungim Volksleben und dem Grund für seine Volkstümlichkeit die Sozio-logen und Pädagogen beschäftigt hat.

Was bisher offenbar noch keine gesonderte Beachtung gefundenhat, ist die Tatsache, daß mit der Existenz eines solchen magischenGuckkastens auf einem Bauernhof die Funktion der Wohnräume einemWandel unterworfen scheint. War bislang die Küche meist Zentrumdes bäuerlichen Lebens, so gewinnt nunmehr die, Stubn", die häufigals Raum für feierliche Gelegenheiten gedacht war und das Jahr übergrößtenteils leer stand, mehr und mehr an Bedeutung zurück.

1) Karl Veit Riedl, Fernsehen und Volkskultur.( Beiträge zur deutschenVolks- und Altertumskunde, Hamburg 1965, S. 23 ff.)

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