Bezahlung für das„, Fuhrwerk” arbeiten, das sie von„ ,, ihrem Bauern"zur Bearbeitung ihres kleinen Besitzes benötigten. Jeder Bauer hatteeine Anzahl von ihm abhängiger Taglöhner. Der Bindhocker gehörtein Hausbrunn nicht zum Besitz des großen Hofes( vgl. unten Alt-lichtenwarth), sondern zum Bestand des kleinen Hauses. Jeder Tag-löhner brachte sein Arbeitsgerät, darunter auch den einbeinigen Stuhl,mit in den Weingarten.
Leopold Schmidt hat eine ähnliche Situation für den einbeinigenMelkschemel dargestellt. Er wurde nur von Männern benützt 7) undwar persönliches Eigentum des Berufsmelkers 8). Sein Hauptverbrei-tungsgebiet waren die alemannischen Länder. Am weitesten nordwest-lich lag wahrscheinlich das Vorkommen von Waldersbach im Steintalin den Vogesen, welches durch ein Exemplar aus der Oberlin- Samm-lung im Elsässischen Museum in Straßburg belegt ist( vgl. Abb. 2).
Die Ostgrenze der geschlossenen Verbreitung des einbeinigenMelkschemels deckt sich nach Schmidt mit der Ostgrenze der römi-schen Provinz Rätien: In Vorarlberg, Tirol, Salzburg, den westlichenTeilen der Steiermark und Kärntens sind diese Arbeitssitze auf öster-reichischem Gebiet zu finden 9). Wie kommt nun der einbeinigeArbeitsstuhl so weit in den Osten, und warum tritt er hier nur insel-artig auf?
Die eben angeführte rätische Grenze kann natürlich leicht über-schritten werden, besonders wenn Leute aus diesem Gebiet mit ihremArbeitssitz wandern. So verwenden Franz und Martha Kerschdorferauf dem Sterzhof, Gemeinde Gilgenberg im Innviertel, einbeinige Melk-stühle, während alle anderen Bauern im Ort vierbeinige benutzen. Dasläßt sich leicht erklären, wenn man weiß, daß das besagte Bauernpaaraus Zell am Ziller in Tirol stammt und die Schemel von zu Hause mit-brachte. Einer dieser Stühle könnte übrigens als Paradebeispiel fürHolzgerät in seinen Urformen dienen. Der länglich- viereckige Sitzwurde nämlich aus einem Fichtenstamm herausgesägt, der darauswach-sende Ast dient als Bein.
Nach übereinstimmenden Aussagen der Hausbrunner gebe esaußerhalb ihres Ortes im Weinviertel keine Bindhocker oder Bind-stühle, diese seien vielmehr eine Spezialität von Hausbrunn. Allerdingskann man diesen Lokalstolz nicht bestätigen. Das Heimatmuseum desNachbarortes Hohenau besitzt einen einbeinigen Arbeitsstuhl. Er istetwas grob hergestellt, mit unregelmäßig rechteckigem Sitz mit abge-rundeten Kanten und einem nach unten ausgeschweiften Bein. Die
7) L. Schmidt: Der einbeinige Melkstuhl in den österreichischen Alpen-ländern, S. 138.
3) W. o., S. 139.9) W. o., S. 136.
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