Ein Innviertler Mahnbild- Fresko zu Polling
Von Leopold Kretzenbacher
( Mit 4 Abbildungen)
Nur wenige Kilometer östlich von Altheim liegt an der Straßevon Braunau am Inn nach Ried im Innkreis das kleine HaufendorfPolling mit seiner urkundlich schon 903 erwähnten PfarrkircheSt. Andreas. Der gotische Bau aus Tuffsteinquadern trägt an derAußenseite des Dreiachtel- Chorschlusses ein laut Inschrift im Jahre1500 von Hanns Taller gestiftetes polychromiertes, flaches Stein-relief ,, Christus mit den schlafenden Jüngern vor dem Kelchbringer-engel auf dem Ölberge" und dazu ein„ 1948 stark restauriertesgotisches Fresko" 1). Dessen ikonographische Aussage läßt sich un-schwer als ein Mahnbild des Themenkreises„ Das gute und dasschlechte Gebet” bestimmen. Trotz mancherlei Schäden am Fresko,das stellenweise nur mit nicht konturierten Farbflecken grob übermalt,keinesfalls im vollen Wortsinne restauriert oder aber nach den Paralle-len zu seinem ikonographischen Thema rekonstruiert wurde, neuer-dings( letzter Besuch Okt. 1975) auch zusätzliche Farbschichtaus-bröckelungen am unteren Bildrande erlitt, läßt sich die Bildszenegut erkennen. Sie zeigt den Gekreuzigten in der Bildmitte, offenkundigals Crucifixus aufgerichtet in einem Kirchenraum vor graugrünerbzw. rechts im Bilde graubrauner Wand mit den schwarzen Strichenihrer Quaderung. Der Heiland hängt mit drei Nägeln ans braune Holzgenagelt. Seine Augen sind im Tode geschlossen. Das Haupt ist geneigt.Um Leibesmitte und Beine wallt ein großes verknotetes weißes Len-dentuch. Beidseits des Erlösers knien je ein, soweit erkennbar, nochjugendlicher Mann mit zum Gebet gefalteten Händen. Der eine mitdem dunklen Haupthaar links im Bilde, dessen Hände einen geradenoch erkennbaren Rosenkranz umschließen, trägt ein rotbraunes,seitlich aufgeschlitztes kurzes Wams, mit dunklem Stehkragen besetzt;dazu eng anliegende ockergelbe Strumpfhosen und schwarzes Schuh-werk. Zu seinem Haupte, dessen Antlitz auf den Beschauer und nicht
1) E. Hainisch, Die Kunstdenkmäler Österreichs. Dehio- Handbuch,Oberösterreich, neu bearbeitet von K. Woisetschläger, Wien, 4. Aufl. 1956,S. 240.
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