Jahrgang 
79 (1976) / N.S. 30
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Die vergleichende Forschung wird aus den vortrefflichen Maßplänen undZeichnungen sowie aus dem guten Bildmaterial allein schon viel Nutzen ziehenkönnen. Vielleicht entschließt man sich aber doch auch zu einer Übersetzung ineine der geläufigeren Sprachen; dieses Buch von Tóth sowie auch das über dasBauernhaus des Göcsej ließen es als international besonders wünschenswerterscheinen.Oskar Moser, Graz

Alberto Mario Cirese, Enrica Delitala, Chiarella Rapollo, Giulio Angioni,Plastica effimera in Sardegna. I pani. Grafica di TonioCasula. Cagliari( 1974), Stabilimento Tipolitografica Editoriale Fossataro,Viale Emas 154. Querformat, 72 Seiten, 48 Tafeln.

Volkskunst aus vergänglichem Material, das ist ein großes, unerschöpflichesThema. Das Kapitel der Gebildgebäcke, ein wichtiges Teilgebiet davon, wird amehesten immer wieder behandelt. In diesem Fall haben sich die Vertreter dersardinischen Volkskunde vom Institut in Cagliari zusammengetan, um diesardinischen Gebildbrote umfassend und systematisch zu behandeln, auf Grundder bisherigen gar nicht so unansehnlichen Literatur, sowie auf Grund neuerAufnahmen, die auch mit einem Fragebogen fundiert wurden. Es ist ein sehrschönes Buch daraus geworden, das durch seine vorzüglichen, auch schön dar-gebotenen Photos besonders besticht. Die Textbeiträge sind zum Teil aus älterenVeröffentlichungen, so von Alberto La Marmora, Grazia Deledda und anderenentnommen. Auch der große deutsche Erforscher von Sprache und VolkskulturSardiniens, Max Leopold Wagner, findet sich mit einem Abschnitt( Nomi eforme del pane in Sardegna") herangezogen. Enrica Delitala hat die Fragebogen-aktion durchgeführt und kommentiert sie. Die köstlichen Bilder zeigen all diepflanzlichen und tierischen Formen des Gebäcks, könnerisch stilisiert, wie siezu Weihnachten, zu Ostern, zur Hochzeit und anderen Gelegenheiten gebackenwerden. Das Buch ist ein wahrer Schatz.

Bei dieser Gelegenheit soll darauf hingewiesen werden, daß das Institut inCagliari auch eine Zeitschrift herausgibt, deren Obertitel Brads abgekürzt,, Bolletino del Repertorio e dell'Atlante demologico Sardo" bedeutet. AlbertoCirese und Enrica Delitala leiten auch diese Publikation. Für uns nicht uninter-essant, beispielsweise im 5. Heft S. 63 ff. einen Beitrag von Riccardo Virdis überdie ,, Nenneri zum Johannesfest in Ogliastra zu finden, da diese Nenneri be-kanntlich das direkte Gegenstück zu unserem Barbara- und Luciaweizen sind,nur daẞ in Sardinien diese Enkel der Adonisgärtchen mit großem Pomp inUmzügen herumgetragen werden, wogegen unsere Teller mit der Luziensaatbescheiden am häuslichen Herd stehen. Die Bergmannsvolkskunde wird inter-essieren, daß Maria Chiara Cerina im gleichen Heft über die Bergmannsliederauf Sardinien schreibt, die Liedtexte immer sardisch und italienisch. Im ganzenalso ein bemerkenswerter Zuwachs im Bereich der europäischen Volkskunde-zeitschriften.Leopold Schmidt

Märchen der Weltliteratur:Harri Meier und Dieter Woll, Portugiesische Märchen. 280 Seiten.Hans- Jürgen Zaborowski, Märchen aus Korea. 272 Seiten. Düsseldorf-Köln 1975, Verlag Eugen Diederichs. Je DM 24,-.

Die lange, so erfolgreiche Märchensammlung des Diederichs- Verlages istabermals durch zwei schöne Bände verlängert worden. Die Portugiesi-schen Märchen", von zwei Romanisten der Universität Bonn herausgege-ben, sind sehr willkommen, da es Märchen aus Portugal fast nie in deutschenÜbersetzungen gibt, wogegen die bedeutenden portugiesischen Ausgaben wohlauch ab und zu in unseren Bibliotheken stehen, gewiß aber nicht zu oft benutzt

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