János Tóth, Az Örségek népi építészete( Die Volksarchitektur desÖrség- Gebietes). Budapest, Müszaki Könyvkiadó 1975, 155 Seiten, 328 Ab-bildungen, Pläne, Zeichnungen( engl.- deutsch- russ. Zusammenfassung).
Wenigstens kurz und ohne die Möglichkeiten zu näherem Studium desungarischen Buchtextes darf auf dieses Werk zur Hausforschung West- Ungarnshingewiesen werden. Der Verfasser ist Architekt und um die Hausforschung inUngarn hochverdient, zugleich einer der Vorkämpfer für die Einrichtung vonFreilichtmuseen zur Erhaltung historischer dörflicher Bauwerke. In dem vor-liegenden Buch behandelt er das Hauswesen des Örség- Gebietes im westlichemKomitat Vas, schließt also unmittelbar an das Burgenland an und bezieht diesogen. ,, Oberwart" entlang des Pinkalaufes( Pinkafeld, Oberschützen, Ober- undUnterwart, Sziget in der Wart und Jabing) mit ein. Zusammen mit dem Bauern-haus des Göcsej im Komitat Zala, das J. Toth übrigens 1965 in einem eigenenBand behandelt hat ¹), und mit den ,, Pannonischen Häusern" Nordost- Sloweniens 2)bildet diese Region eine für uns wichtige Hauslandschaft durchaus eigenen undvielfach altertümlichen Gepräges.
Für die vergleichende Hausforschung ist da zunächst die Tatsache inter-essant, daß man auch in der westungarischen Hausforschung von einer Altschichtdes Hauses ausgeht, das aus einer Rauchstube( Füstös szoba, füstös konyha,lakókonyha) mit Vorderladerofen und Herdbank bestand, die zugleich Wohn-raum und Küche war und sich mit ihrem Laubenraum( pitvor) erst sekundär zurspäteren Wohnküche( lakókonyha)( Abb. 51) oder Flurküche( Abb. 54) differen-zierte, sei es durch Zubauten, sei es durch Raumteilung. Die Grundrißentwick-lung, wie sie János Tóth in Abb. 51 und 54 an Beispielen ausweist, müßte freilichnoch speziell etwa auch auf Grund des Gefüges von Wand und Dach untersuchtwerden.
Der Verf. bringt weiter interessante Beispiele für die Haken-, Drei- undVierseitbildung von Hofanlagen( Abb. 67-85), befaßt sich eingehend mit Trauf-lauben( Tornác), Rauchabzug und Entwicklung der Rauchfänge im Haus( Abb. 162-170). Eine Besonderheit dieser Hauslandschaft sind die prächtig ver-zierten, beschnitzten oder bemalten Giebelbrüstungen, von denen eine Anzahlbesonders aus Heghátszentpéter abgebildet werden( Abb. 106-129). Die Stuck-zier an den gemauerten Giebeln erinnert dagegen an die späte Hausverprächti-gung der mittleren und südlichen Steiermark( Abb. 130-134). Es folgen Haus-einrichtung und Möbel mit wichtigen Vergleichsbeispielen, das Kapitel Öfen undHerde und die durchaus interessanten Wirtschaftsgebäude, vor allem die Dresch-scheunen( Cséplö pajta). Schließlich behandelt der Verf. die Baukonstruktionen,darunter auch den Blockbau( Abb. 171-173) und sehr eingehend die Gerüst-formen des hier noch generell gebräuchlichen Scherenjochdaches und deren Ent-wicklung, wobei gleich neun Varianten in der Ausbildung des Dachfußes darge-stellt werden( Abb. 198-202). Je ein eigenes Kapitel widmet sich den Blockbau-speichern( Kásté)( S. 80-82) und den sonstigen Kleinbauten( Pressen, Mühlen,Brunnen, Schweineställe, Taubenhäuser). Es folgen die dörflichen Sakralbauten,darunter die charakteristischen Glockentürme( Abb. 252-266, ungarisch:haranglá), Kapellen und Flurkreuze. Kapitel III und IV berichten ausführlichüber die Bemühungen um die regionalen Freilichtmuseen in Szombathely( Steinamanger) und Zalaegerszeg sowie um Pläne und Reservate für die Denk-mäler dieser hauskundlich ohne Frage sehr traditionsreichen und beachtens-werten Landschaft im westlichen Ungarn.
1) Tóth János, Göcsej népi építésete( Die Volksarchitektur im Göcsej-Gebiet). Budapest 1965. 155 Seiten, 278 Abb.
2) Vgl. u. a. M. Maučec, Kmečka hiša in njena funkcija v Prekmurju.In: Etnografija Pomurja, Murska Sobota 1967, p. 20-35.
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