Hinweise gibt es ebenso wie selbstverständlich und in reichem Ausmaß Redens-arten, Sprichwörter, Rätsel, Kinderreime, Neujahrsverse und ähnliches. Mankann sich für jedes Interessengebiet bestimmte Artikel vornehmen und wirdeiniges darin finden: So etwa für die Musik: Geige, Gelächter( hölzernes-),Hackbrett( bei Gelärm), Getrommel, Getute, Gitarre. In manchen Fällen würdeman die Bearbeiterin gern etwas fragen. So etwa bei der„ Gemperlein" genanntenkleinen Glocke des Frankfurter Domes, ob die„ Freiherren von Gemperlein"von Maria Ebner- Eschenbach irgend etwas damit zu tun haben. Oder ob,, Pathornbohne" gleich„ Domturmbohnern" etwa dem Wiener„ Stephansturm-reiben" gleichzusetzen sein mag. Oder bei„ Gewürzel", ob hier nicht die lustigeRedaktionsfigur des„ Baltzer Gewerzelkopp" der alten„ Frankfurter Zeitung"hergehört hätte, und ob seine einstmals sehr aktuellen Artikel eigentlich exzerpiertwurden. Das sind aber nur Fragen am Rande einer großen fleißigen Leistung,der man viel Anerkennung zollen darf.Leopold Schmidtunserer Zeit(= Schriften
Wolfgang Mieder, Das Sprichwort indes Deutschschweizerischen Sprachvereins, Heft Nr. 8), 116 Seiten.Frauenfeld, 1975, Verlag Huber& Co. AG.
Ein Spezialist der Sprichwortforschung, der sich gerade auch mit der Sprich-wortverwendung durch Dichter der Gegenwart beschäftigt hat, versucht hier zuzeigen, in welchem Ausmaß sprichwörtliche Fügungen, entweder ganz oder teil-weise, ernsthaft oder parodiert, heute verwendet werden, nicht zuletzt im öffent-lich geschriebenen Deutsch, also in den Zeitungen. Den Großteil seiner Belegehat er der amerikanischen Ausgabe der„ Zeit" entnommen, ein schöner Beweisübrigens dafür, daß auch andere Leute mit dem unübersehbar umfangreichenund wichtigen Material der Zeitungen zu arbeiten verstehen. Ob es sich umpolitische oder um Wirtschafts- Sprache handelt, um die Sprache der Karikaturin den Illustrierten, Mieder versteht sein Thema zu gliedern und zu variieren.Daher auch sein Verständnis für„ zeitgemäße Sprichwortvariationen" und fürdas sicherlich auch bedenkenswerte„ Infragestellen altüberlieferter Sprichwörter".Für die Gegenwartsvolkskunde also entschieden von Bedeutung.
Leopold Schmidt
Heinz Rölleke( Hg.), Die älteste Märchensammlung derBrüder Grimm, Synopse der handschriftlichen Urfassung von 1810und der Erstdrucke von 1812(= Bibliotheca Bodmeriana, Reihe TexteBd. I), 403 Seiten, mit 4Tafeln. Fondation Martin Bodmer, Cologny- Genève1975. DM 58,-.
Seit 1807 hatten die Brüder Grimm Märchen zu sammeln begonnen. AlsClemens Brentano die Herausgabe einer Märchensammlung plante, schickten sieihm 1810 ihre Handschrift. Brentano gab sie nie heraus, sie verscholl, war aberdoch vorhanden, nämlich in der Abtei Ölenberg im Elsaß. Dort fand sie derhochverdiente Elsässer Germanist Joseph Lefftz und gab sie 1927 heraus. DasBuch ist längst sehr selten geworden. Die Handschrift wurde inzwischen nachAmerika verkauft, ist aber von Martin Bodmer dort erworben und so in seinerSammlung für Europa gerettet worden. Aus diesem Anlaß veranstaltet nunmehrRölleke diese genaue Ausgabe, welche die Fassungen der Ölenberger Handschriftden gedruckten Fassungen der Ausgabe von 1812 gegenüberstellt, mit allen Be-merkungen auch in den Handexemplaren der Brüder Grimm.
Die luxuriös gedruckte Ausgabe, in der mangels des einen oder des anderenTextes viele Seiten leer bleiben, läßt also das Werden der Textfassungen derGrimmschen Märchen gut erkennen. Genaue Erläuterungen bringen alles, was zuden Fassungen zu sagen ist, mit allen erforderlichen Literaturangaben. Eine aus-gezeichnete Leistung der Grimm- Philologie, nach der man sich in allen hiereinschlägigen Fragen wird richten müssen.Leopold Schmidt
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