unermüdlich wiedererworben; es ist erstaunlich, was Heidi Müller nun alles exaktvorzuführen vermag. Sie tut es landschaftlich, beginnt mit Bayern und endet mitPommern. Österreichs Möbel sind mit Stücken aus Oberösterreich, Salzburg,Tirol und Steiermark vertreten.- Dann behandeln in ähnlicher Art IngolfBauer und Paul Stieber( inzwischen verstorben) die Keramik. Zu 200 altenStücken kommen hier etwa 1700 Neuerwerbungen dazu. Gegliedert ist nachSchwarzgeschirr, Steinzeug, hochgebrannte Irdenware, Bunzlauer Geschirr, Irden-ware mit Aufgliederung nach den Landschaften, schließlich Fayançe, Steingut undPorzellan. Weiters schildert Rotraut Sutter die Bestände an Tracht. DieSammlung war reich, die Lücken, die der Krieg riß, waren groß. Aber es ist auchauf diesem Gebiet wieder viel nacherworben worden, auch von Außenland-schaften wie Siebenbürgen. Wenn man bedenkt, daß das Museum heute wiederbeispielsweise 553 Frauenhauben, 299 Schulter- und Halstücher, 253 Frauen-jacken, 251 Frauenschürzen besitzt, so muß man vor dieser Nacherwerbungs-tätigkeit schon große Hochachtung empfinden.- Der nächste Beitrag gilt denTextilien und stammt von Justus Kutschmann, der auch nur einen geringenRest des einstmals bedeutenden Bestandes vorfand. So blieben von den Tisch-decken nur 7 erhalten, aber es kamen 57 neu dazu, von den Wandbehängen er-hielt sich ein einziger, aber 15 konnten neu erworben werden. Das schöne Gebietist, wie auch die Abbildungen zeigen, durch bedeutende Stücke, bespielsweiseeinen Wandteppich zum Reformationstag 1667, angereichert worden.― Imnächsten Beitrag zeigt Edgar Harvolk, was sich im Berliner Museum allesan altem Arbeitsgerät angesammelt hat. Ihm kommt ebenso wie Heidi Müllerund Ingolf Bauer die Schulung bei Torsten Gebhard in München zugute. Harvolkbringt Beispiele an wesentlichen Neuerwerbungen, für die er nicht zuletzt inÖsterreich Angaben gesammelt hat. Das beginnt mit einer Schaubkluppe für dasStrohdachdecken aus Oberösterreich, führt zu einer Breinstampfe aus Nieder-bayern, einer Breche aus Baden und ihrem Gegenstück aus Südtirol, zu einerSchwingmaschine aus Niederbayern, und erweist schließlich in den Anmerkungen,daß auch dieses spröde Gebiet des Arbeitsgerätes doch seine gute Spezialliteraturbesitzt. Direktor Theodor Kohlmann stellt dann sein Spezialgebiet, die volks-tümliche Graphik, vor. Mit über 5000 Blättern ist seine Sammlung die zahlen-mäßig größte des Museums, und umfaßt weltliche wie religiöse Graphik, vonden Kupferstichen bis zu den Öldrucken, Oblaten und Weihnachtsbriefen.
An diese Berichte aus den einzelnen Abteilungen schließt eine Darstellungvon Gertrud Weinhold„ Das Evangelium in den Wohnungen der Völker"an. Die bedeutende Sammlerin, die sich um die Krippe wie um das Osterei an-genommen hat, bietet hier einen Überblick über ihre„ komparative volkskund-liche und ökumenische Sammlung".Leopold Schmidt
Frankfurter Wörterbuch, auf Grund des von Johann Joseph Oppel und HansLudwig Rauh gesammelten Materials herausgegeben im Auftrag derFrankfurter Historischen Kommission in Verbindung mit dem Institut fürVolkskunde der Universität Frankfurt am Main von Wolfgang Brück-ner. 5. Lieferung bearbeitet von Rosemarie Schanze( Gediftel bis gut-willig). Frankfurt am Main 1975, Verlag Waldemar Kramer. S. 817-1016.DM 32,
Das Frankfurter Wörterbuch, ein Wörterbuch einer bedeutenden Stadt-Umgangssprache mehr als etwa nur einer Stadt- Mundart, wächst im bisherigenTempo weiter. Die vorliegende Lieferung ist wieder reich auch an volkskundlichbemerkenswertem Material, wenn man hier auf sprachlichem Gebiet überhaupttrennen will. Besonders reich erscheinen mir die großen Artikel wie etwa Geld,Gesicht, Gewitter, Gickel, Glück, Gold, Gott und gut. Bei„ Gickelschmiẞ" mußman sich anmerken: So heißt dort das Hahnenschlagen. Solche brauchtümliche
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