durch Bayern den Bayerischen Wald mit dem Pfaffenwinkel, mit Oberammergauverbunden hat, würde sich wohl klären lassen. Die Verbindungen der Holzver-arbeiter zwischen dem Alpenwinkel und dem Bayerischen Wald sind uns an sichgut bekannt( vgl. ÖZV Bd. XX/ 69, 1966, S. 310), sie sind aber doch bisher kaumzur Aufschließung von volkskulturellen Bereichen wie dem hier behandeltenherangezogen worden.
Auch solche Erscheinungen versteht Kretzenbacher in größere Zusammen-hänge einzuspannen, sei es der von dem Mit- Leiden, der„ Compassio" Mariensmit ihrem Sohn, sei es jener von der mehrfach wichtig gewordenen Vorstellungdes ,, Kind- Königs", der ja der„ Kyrios" mitunter auch sein kann, wie eben schonder jugendliche Kyros einstmals auch. Die Zeit der Gegenreformation hat dieverschiedensten Anklänge auszugestalten verstanden, hat Motive ausgeformt, dieman bei flüchtiger Betrachtung gewiß leicht den Urbildern der Jungschen Psycho-analyse zuweisen würde, wenn man nicht wüßte, daß zuerst und vor allem dochdie möglichen wirklichen Zusammenhänge zwischen den jeweiligen Verkörperun-gen solcher Vorstellungen gesucht werden müssen und gefunden werden können.Man sieht, Kretzenbachers neues Buch läẞt trotz seiner gewaltigen Material-fülle auch noch nach verschiedenen Seiten weiterdenken. Man hätte es sich des-halb vielleicht gewünscht, wenn eine zusammenfassende, über die Einzelheitenhinausblickende Einleitung diese in die größeren Zusammenhänge gestellt hätte.Man wird gewiß durch die reichhaltigen Anmerkungen, durch die Bildbeilagenund durch das nützliche Register gut geführt, aber zu einem Lesbarmachen derkomplizierten Zusammenhänge wäre eine Zusammenfassung vor oder nach denEinzeluntersuchungen sicherlich erwünscht gewesen. So muß man einstweilen,wie bei so vielen intensiven Studien Kretzenbachers, sich die möglichen weiterenErgebnisse selbst erarbeiten, kann über die Texte, die aus den verschiedenstenQuellen erarbeitet und übersetzt sind, nicht hinweglesen. Das werden die mitKretzenbachers Arbeiten besonders vertrauten Slawisten und Byzantinistenvielleicht in höherem Ausmaß tun als die engeren volkskundlichen Fachgenossen,welche die gewaltigen Bereicherungen, die sich aus diesen Studien ergebenkönnten, vielleicht noch nicht in gebührendem Ausmaß zur Kenntnis nehmen.Aber auch sie werden sicherlich das gewaltige Maß an Arbeit, nicht zuletzt auchan Feldforschung, an erwanderten Sammelergebnissen und an weit ausgreifenderLiteraturkenntnis gebührend anzuerkennen wissen. Leopold Schmidt
Lebendiges Gestern. Erwerbungen von 1959 bis 1974(= Schriftendes Museums für Deutsche Volkskunde, Berlin, Bd. 1), Berlin 1975, Museumfür Deutsche Volkskunde. 257 Seiten, mit zahlr. Abb. und Tafeln.
1964 feierte die Osthälfte des Museums für deutsche Volkskunde in Berlindas 75. Jahr des Bestehens dieser wichtigen Einrichtung unseres Faches miteiner Festschrift. Nunmehr tut die Westhälfte so ungefähr das gleiche, und derBand dient zugleich als Festgabe zum 65. Geburtstag von Lothar Pretzell,dem Direktor dieses wiedergegründeten Museums, das es nunmehr endlich auchzu einem eigenen Gebäude gebracht hat. Diese Festschrift bezeugt das interneLeben dieses Berliner Museums in den genau geplanten und erfreulich zielsichergestalteten Beiträgen seiner im wesentlichen jungen Mitarbeiter.
Der schöne Band wird vom jetzigen Direktor des Hauses, Theodor Kohl-mann, eingeleitet, der das so fruchtbare Wirken von Pretzell schildert und zumAbschluß bereits ein Bild des Neubaues in Berlin- Dahlem, Im Winkel 6/8, bringenkann. Dann folgte Heidi Müller, durch ihre wertvolle Dissertation über dieMöbel in Nordschwaben wohlbekannt, mit einer Gesamtdarstellung der Möbeldes Berliner Museums. Dem traditionsreichen Haus sind im 2. Weltkrieg428 Katalognummern Möbel verbrannt, ein ungeheurer Verlust. Aber Pretzel hat
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