Jahrgang 
79 (1976) / N.S. 30
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strickten Weste auf einem prächtigen Bild zu sehen, wie die Verfasserin aufeinem weiteren ebenfalls, mit gestrickten Strümpfen selbstverständlich. Ansonstenbietet das Buch eine reiche Auswahl an Strickmustern, deren Vorlagen aus Privat-besitz, aber auch aus verschiedenen Museen stammen. Es steht jeweils ein vor-züglich aufgenommenes Bild eines Musters neben der Strickanweisung, das Buchist also direkt für den praktischen Gebrauch gedacht. Bei einem so aufwendig imZweifarbendruck hergestellten Buch, das ja auch nicht billig ist, einigermaßenzu verwundern. Aber uns, das heißt den Benützern in den Museen beispielsweise,die Textilien zu betreuen haben, wird der Band sicherlich willkommen sein, daer den Vergleich von Mustern ermöglicht. Die Muster haben übrigens auchNamen gehabt, aber davon ist hier bei dieser fleißigen bayerischen Aufzeich-nungsarbeit nicht mehr die Rede. Für die Art und Weise, wie Lisl Fanderl dasGebiet aufgearbeitet hat, waren solche Überlieferungszüge wohl nicht mehr vonBedeutung. Dieser ganze ästhetisch artikulierte Folklorismus lebt ja doch in einereigenen Welt.Leopold Schmidt

Volkstänze aus dem Schwarzwald. Gesammelt und aufgezeichnet von Her-mann Jülg, Bearbeitung und Satz von Hermann Ruck. Musik-verlag Josef Preissler, München 1967. 20 Seiten. DM 8,-.

In den fünfziger Jahren sammelte Hermann Jülg im Schwarzwald Volks-tänze, von welchen nun eine Auswahl vorgestellt wird. Die Veröffentlichungwendet sich besonders an Musikanten und Volksmusikgruppen. Für sie wurdendie Melodien im 3- und 4stimmigen Satz gebracht, der manchmal das Tänzerischezugunsten des Wohlklanges zurücktreten läßt.

Ein beträchtlicher Teil sind Rundtänze( Walzer, Polka), zwei, Heuberger"sind Belege für das westlichste Vorkommen der Zwiefachen. Die Tanzbeschrei-bungen auf der Innenseite des Umschlags sind etwas dürftig und mehr als Erinne-rungshilfe für Kenner zu werten.

Wenn auch als Copyright- Jahr 1967 angegeben ist, so liegt dieses Heft erstseit kurzem vor; oder sollte es 1976 heißen?Karl Horak

zum a po-

Leopold Kretzenbacher, Südost- Überlieferungenkryphen, Traum Mariens"(= Bayerische Akademie der Wissen-schaften, Phil.- Hist. Klasse. Sitzungsberichte Jg. 1975, Heft I), 170 Seiten,10 Abb. auf Tafeln. München, Verlag der Bayerischen Akademie derWissenschaften 1975.

Die Texte der lateinischen Messe sind und bleiben geheimnisvoll, sowohlihrer Herkunft und Entstehung nach wie ihrem Nachhall entsprechend, also dem,was die Gläubigen in den verschiedenen Epochen daraus hörten und verstanden.Gleich die erste Anrufung der lateinischen Messe ist bekanntermaßen griechisch Kyrie eleison!" ,, Herr, erbarme dich unser!", und sie hat als griechischerEinsatz der lateinischen Messe den frühmittelalterlichen deutschen Volksgesang,und nicht nur diesen, maßgebend bestimmt. Im 14. Jahrhundert, als infolge derimmer fortschreitenden Bedrängung von Konstantinopel auch im Westen mancheGriechischsprechende, Griechischkundige die lateinische Messe anhörten, mögenso manche unter ihnen gemeint haben, der erste mächtige Anruf an den, Herrn",an den ,, Kyrios", habe irgend etwas mit dem vor einem Jahrtausend so mächtigengewesenen großen Herrn des Vorderen Orients Glossar ::: zum Glossareintrag  Orients, mit Kyros dem Großen zu tun.Damals muß sich, vielleicht in Oberitalien, die legendäre Vorstellung heraus-gebildet haben, Christus sei der neugeborene Kyros, seine Mutter Maria dieneue Mandane, und diese hatte ihrem Vater Astyages ihren ungeheuren Traumerzählt: Wie aus ihrem Leib ein gewaltiger Baum aufgewachsen sei, den dieTraumdeuter dann als den kommenden Herrn" Kyros bezeichneten. Damals

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