Jahrgang 
79 (1976) / N.S. 30
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Paul Ernst Rattelmüller, Das große Leben Christi, gezeigt ander Jahreskrippe des Fürstbischofs von Brixen. Mün-chen 1975. Süddeutscher Verlag- Buchverlag. 121 Seiten mit 23 einge-klebten Farbbildern und 22 Bleistiftzeichnungen des Herausgebers. DM 48,-.Die große Propst- Krippe im Brixener Diözesanmuseum ist der Krippen-forschung vor allem durch die Arbeiten von Josef Ringler bekannt. DieBrüder Propst aus Sterzing haben für den Brixener Fürstbischof Graf Lodron inden neunziger Jahren des 18. Jahrhunderts diese riesige Jahreskrippe mit ihrenetwa 4000 Figürchen geschaffen. Sie stand im Vorzimmer zum Salon des Fürst-bischofs und wird deshalb auch im Vorwort Die Salonkrippe des Fürstbischofs"genannt. Der Betreuer nicht nur dieser Krippe, sondern des ganzen BrixenerDiözesanmuseums, Alois Wolfsgruber, hat dieses kundige Vorwort ver-faßt, nach dem Rattelmüller, eigentlich Heimatpfleger von Oberbayern, Bilderaus der Krippe den Texten des Evangeliums( nach der Mainzer Bibel von 1740)und Legendenstellen( aus dem Großen Leben Christi" von Martin von Cochem,1697) gegenüberstellt. Zusammen ergibt sich also ein eindrucksvoller Band, schönzum Lesen und zum Anschauen, wobei die zarten Bleistiftzeichnungen Rattel-müllers seine vorzüglichen Farbaufnahmen ergänzen und vielleicht auch etwaserläutern. Die gestrichenen und lackierten kleinen Figuren( 6-8 cm) lassen sichnämlich in den Farbaufnahmen, vor ihren Hintergründen, gar nicht so leichterkennen, das Herauszeichnen läßt sie etwas härter erscheinen als sie in Wirk-lichkeit geformt sind, doch prägen sich die ikonographisch bedeutsamen Zügedabei vielleicht stärker ein. Das Buch gibt selbstverständlich auch Gelegenheitzum Vergleich mit älteren und gleichzeitigen Krippen aus Tirol, die Passions-szenen dieser Salonkrippe", besonders mit den entsprechenden Szenen derTiroler Fastenkrippen und deren theatralischen Aufbau. Auch für die Krippen-forschung also von Bedeutung.Leopold Schmidt

Irmgard Gierl, Stickereien in Bauernstuben. Alte Kreuzstich-muster aus Bauernhäusern und Museen. 164 Seiten, 8 Seiten Schwarzweiß-fotos, 12 Farbtafeln, 150 Strickmuster und Motive. Rosenheim 1975. Rosen-heimer Verlagshaus Alfred Förg. DM 33,--.

Die in der Renaissance zu einer weit verbreiteten Volkskunst gewordeneKreuzstickerei hat bis ins 19. Jahrhundert fortgelebt, die bestickten Tücher habenvielfach brauchtümliche Funktionen gehabt. Mit Gründerzeit und Historismusversank die Freude am Kreuzstich. In den Schulen, zumal den Klosterschulen,wurde der Kreuzstich wohl weitergepflegt, aber erst die verschiedenen Heimat-pflege- Bewegungen haben sich dann seiner wieder stärker angenommen. Undwährend früher die Muster für Kreuzstickereien von den Handarbeitsgeschäftenausgegeben wurden, nahmen sich nun die Heimatwerke und verwandten Institu-tionen der Pflege einer in traditionellen Bahnen verharrenden Frauenkunst an.In Österreich haben in den vergangenen Jahren fast alle Bundesländer ihreeigenen Kreuzstich- Vorlagen bekommen ¹). Zum Teil waren es volkskundlichvorgebildete Fachleute, die sich damit befaßten, und das Material stammtenicht selten aus den Museen, die ja meist reiche, im allgemeinen nicht ausge-stellte Bestände an Kreuzsticharbeiten besitzen.

Ein umfangreicheres Zeugnis dieser Bestrebungen wird nunmehr von Irm-gard Gierl in Bayern vorgelegt, die sich schon vielfach mit Tracht und Schmuck

1) Soeben ist die neueste Mappe dieser Art erschienen: KärntnerKreuzstich mappe. Mit Vorwort von Franz Koschier. 24 BlattKreuzstichmuster in Mappe. Klagenfurt, Kärntner Handwerk, 1976.

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