es aber immerhin Geschichten gibt. Daß alle berühmten Berge seiner Gegend,der Arber wie der Rachel, der Osser wie der Lusen ihre eigenen Geister haben,ist beinahe selbstverständlich, wenn es sich manchmal fast nur um Namens-deutungen zu handeln scheint wie beim Dreisesselberg. Paul Friedl legt in seinenAusführungen einen gewissen Wert darauf, daß seine Gewährleute an dieseGestalten geglaubt haben, und bettet ihre Äußerungen in ein etwas ungreifbaresGespinst von„ Seltsam und unerklärlich" ein, das man mit einem schriftstelleri-schen Leben wir mit Geistern?", wie die Einleitung betitelt ist, überschreibenkann. Das ist für lesefreundliche Besucher des Bayerischen Waldes gedacht, dieauf diese Weise ein bißchen in die Stimmung hineinkommen mögen, wie siedort einstmals vor der Zeit des großen Fremdenverkehrs geherrscht haben mag.Wir sind für die schlicht erzählten Geschichten dankbar, auch wenn sie ganzunkommentiert vorgebracht werden. Den Kommentar, die eventuellen Parallelenin bisherigen Veröffentlichungen, muß man sich selbst dazumachen, und wirddabei wohl auch ein bißchen die Mundartschreibung korrigieren, die nicht immersachdeutlich ist. Aber dafür sind die Aufzeichnungen bis in die Gegenwart fort-geführt, es tritt sogar noch die Schwarze Frau" von der Autobahn auf, vonder 1975 in einigen Zeitungen viel die Rede war, und deren Spuren man nunmehrhöchstens im Z- Archiv unseres Institutes für Gegenwartsvolkskunde finden kann.All das macht das Büchlein ungemein lebendig.Leopold Schmidt
Ludwig Merkle, Himmlisches Blumengärtlein. Erbauliches ausalten Andachts- und Gebetsbüchern. München 1975. Süddeutscher Verlag.160 Seiten, mit 18 Illustrationen. DM 12,80.
Wer die Seitensammlungen der Volkskundemuseen kennt, diese Samm-lungen von volkstümlichen Handschriften und Drucken, von Andachtsbildernund Gebetbüchern, der wird stets davon beeindruckt sein, wieviel sich eigentlichnormalerweise ausstellungsmäßig nicht zeigen läßt. Nur wenn man ab und zubeispielsweise Haussegen oder handgeschriebene Liederbücher ausstellt, kommenauch solche Bestände wenigstens in Proben zur Geltung. Sonst sind es auf demweiten Gebiet der religiösen Volkskunde vor allem doch vorzugsweise dieBereiche von„ Bildern und Zeichen", wie ein Buch von Lenz Kriss- Rettenbecküber ein Teilgebiet der Sammlung Kriss heißt.
Die anderen, also kaum je zu sehenden Bestände werden in einer Proben-sammlung wie der vorliegenden etwas nähergebracht. Ein Außenseiter hat sichmit dem Gebiet offenbar eingehender befaßt, sein Literaturverzeichnis weistnicht weniger als 85 derartiger barocke und aufklärerische Gebetbücher undverwandte gedruckte Sammlungen auf, mit Martin von Cochem und FriedrichMibes ebenso wie mit manchen anonymen Veröffentlichungen. Daraus hat erbemerkenswerte Stellen ausgehoben und in eine lose Reihenfolge gebracht, dievor allem barocker Geisteshaltung entsprechen mag, also vom„ SündlichenFleisch" über den„ Sanfften Liebeswind" und dem„ Ich Sündenaas" der Herrn-huter bis zu„, Teufeln mit eisernen Gabeln" und den„ Geistlichen Mißgeburten",wie man in der Aufklärungszeit die barocken Gebetbücher bezeichnete. DieseGebete in Versen und in Prosa werden durch einige wohlbekannte Andachtsbildererläutert, also Darstellungen der kindhaften 14 Nothelfer etwa, oder der„ WahrenLänge Christi" und ähnlichen Verbildlichungen alter Verehrung. Ob das Büch-lein für eine größere Öffentlichkeit irgendeinen Zweck hat, weiß ich nicht. Füruns ist es vor allem bibliographisch brauchbar, und ansonst wohl ein Zeichendafür, was man gegenwärtig alles als neudruckwürdig befindet.
Leopold Schmidt
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