Volkskundler von Bedeutung. Es betrifft die sicherlich stilisierte, über für denEinzelpunkt nicht„ erfundene" Wiedergabe von Wohnanlagen und ihren großenWirtschaftsbereichen mit vielerlei Einzelheiten wie Blockbauten mit Stroh-bedachung, mit großen, auf hohen Pfosten errichteten( Mais-?) Speichern( Bl. 26,Brunnsee), mit vielerlei Mühlen, aber auch mit den heute noch kennzeichnendengroßen Taubenschlägen(„ Kogel" in der südl. Steiermark benannt; vgl. Bl. 43,127, 141, 243, 366, viell. auch 288), mit Storchennestern auf den Rauchfängen,mit Wellrad- oder auch Stangen- Ziehbrunnen, mit belebenden Einzelheiten ausder Flößerei auf Mur und Drau und mit der charakteristischen Felder-, aberauch Wege- Begrenzung durch Hecken sowie der Palisadeneinzäunung von Riedenund Höfen wie Fahrwegen. Mitunter wird abseits vom Wohnhaus ein Einzelbauausdrücklich als„ Das Baad"( Bl. 38) bestimmt. Auch aus dem Sakralbereichist manches bemerkenswert: Calvarienberge, Bildstöcke( 77, 93 et passim), Wetter-hähne auf Kirchtürmen, das große Christophorusfresko auf dem Wehrturm zuBaierdorf bei Schöder( 20); die den St. Pauler Benediktinern unterstehendeWallfahrt Maria in der Wüste( slowen. Puščava) in einem Seitengraben desuntersteirischen Drautales( Bl. 251) mit der Kirche( auch Innenansicht, Bl. 252),mit den Pilgergasthäusern, an zweien das„ Ausg'steckt"-Kranzel, und darübersogar in Wolken ein„ Gnaden:/ reiches/ Mirackl/ Bild alda". Ein riesiges armaChristi- Kreuz zwischen Wehrmauer und Klosterbau zu Rann( Brežice) an derSave( 328); ein„ Hl. Grab"-Sonderbau bei St. Johann bei Herberstein, Oststmk.( 376). Offenkundig besonders gut( oder fristgerecht!) honorierte Bilder zeigenOrte wie die Riegersburg von vier Seiten mit Grundriß und( gesonderter)„ Be-schreibung" auf sechs Blättern( 340 ff.).
Ein weiteres Verdienst des Bearbeiters A. L. Schuller neben der müh-seligen Feststellung der Häufigkeit des Wandels der Besitzverhältnisse( und damitder Datierungsfragen vieler Stiche; vgl. S. 38 ff. und Kupferstich- Konkordanz)ist das Miterfassen der historischen wie der gegenwärtigen, im abgetrenntenLandesteil auch der heute gültigen slowenischen Ortsnamen zur Erleichterungder auch dem Rezensenten so oft viel Mühe( und Ärger beim Fehlen geeigneterHilfsmittel!) bereitenden Identifizierung von Landschaften, Siedlungen undEinzelbauwerken in ihrer einstigen wie jetzigen Zugehörigkeit zur politischenVerwaltung.
Ob der eine als Freund alter Bilddokumente der Heimat im barockenÖsterreich hier blättert oder der andere für Topographisches oder Themati-sches eine„ neue" Quelle sucht, für beide birgt dieses„ Steirische Schlösserbuch"eine willkommene Fülle, von Bearbeiter und Verlag als bibliophil ausgestattetesQuellenwerk dargeboten.Leopold Kretzenbacher
Peter Rosegger, Die Welt ist gut genug. Betrachtungen und Plaudereienaus dem„, Heimgarten", herausgegeben von Walter Zitzenbacher.144 Seiten, mit 22 Zeichnungen des Verfassers. Rosenheim 1975, Rosen-heimer Verlagshaus Alfred Förg. DM 16,80.
Rosegger war eine ungemein bemerkenswerte Gestalt im Literatur- undGeistesleben nicht nur der Steiermark, sondern weit darüber hinaus. Von seinemumfangreichen literarischen Werk sind einige Romane und Geschichten lebendiggeblieben. Das Beiwerk, die viele schriftstellerische Arbeit aus mehreren Jahr-zehnten, ist versunken. Der„ Heimgarten" hat seiner Zeit gedient, eine längereLebensdauer war ihm nicht bestimmt.
Es steht aber in diesem„ Heimgarten" viel drin, was man heute nochdurchaus lesen kann. Rosegger selbst hat viel an Überlegungen und Bedenkensich dort vom Herzen geschrieben. Walter Zitzenbacher hat daraus eine klugeAuswahl getroffen, die hier nun vorliegt. Gewiß, auch von diesen ausgewählten
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