Jahrgang 
79 (1976) / N.S. 30
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die er so intensiv skizziert hat, daß er später ein großartiges Gemälde danachschaffen konnte. Sachlich wird man die Skizzenblätter, auf denen er nochGegenstands- und Farbangaben eigens notiert hat, mit besonderem Interessebesehen, etwa die Ruderer im Boot über den Wolfgangsee oder die Teilnehmeran einer Frühmesse in einer Kirche in Passau oder in Linz. Tegernseer Bauern-möbel finden sich bei ihm ebenso wie Burschen in Tracht in Berchtesgaden,und immer wieder bäuerliche Häuser. Auch die berühmte Zeichnung von einem,, Bauerntheater" bei Kufstein von 1859 findet sich wieder( Abb. 93), wobei essich doch wahrscheinlich um Kiefersfelden handelt. Je öfter man den Banddurchblättert, desto reicher erscheint er einem, und man bewundert immerwieder die Intensität des Beobachters Menzel, der graphisch notieren konnte,was er sah und was uns heute noch so sehr interessiert.

Leopold Schmidt

Viktor Herbert Pöttler, Alte Volksarchitektur. Graz/ Wien/ Köln,Verlag Styria( 1975). 143 Seiten, 56 z. T. farbige Bilder, Zeichnungen imText.

Der bekannte Grazer Verlag hat an diesem Großquartband wahrlich keineKosten gescheut und- offenbar der Mode unserer Tage folgend einenansehnlichen Bildband geschaffen, zu dem V. Herbert Pöttler, der Direktor desÖsterreichischen Freilichtmuseums in Stübing bei Graz, die Texte und Bild-vorlagen erstellt hat. Eines tritt dabei freilich ungewollt auf: auch die teuerstenFarbwiedergaben und Formate finden in der Wiederholung ihre Grenzen. Dasgilt irgendwo aber auch für Textdarstellungen.

Im Vorliegenden gliedern sich diese in vier sehr anspruchsvolle Kapitel,befassen sich also mit den Ersten menschlichen Wohnstätten in urgeschichtlicherZeit..."( offenbar im Hinblick auf Niederösterreichs Urgeschichtliches Freilicht-museum in Asparn a. d. Zaya), ferner mit, Entwicklung und Konstruktionsformender Volksarchitektur...", mit Haus- und Hofformen..."( in Österreich undin Süddeutschland) sowie mit den Bemühungen um eine Bewahrung der AltenVolksarchitektur..." in freiem Gelände.

Das alles wird nun freilich von einem Praktiker der Hausforschung", wiesich der Verf. einmal selbst nennt, ziemlich apodiktisch abgehandelt. Übermanches wie den, homo aedificans" oder das Schlagwort von der Alten Volks-architektur" wird der Leser nicht ohne weiteres hinwegkommen können; dieAuffassung vom Tod der alten Kultur des Bauernhauses" könnte miẞverstandenwerden und klingt zu sehr nach einem Alibi für den Museumsmann; anderes,wie die Darstellung der Dachbauweisen, hat Mängel und Unrichtigkeiten. Dazuläßt der Verf. die ganze tiefere Problematik und die vielen noch offenen Fragenzu wenig deutlich werden, die doch mit jedem dieser großen Sachbereiche nuneinmal zwangsläufig verbunden sind. Gut und trefflich und von Pöttler nichtdas erste Mal mit Sachkenntnis beschrieben, scheinen mir hier dagegen die,, Hauslandschaften" Österreichs von ehedem. Von derlei immerhin möglichenEinwendungen und Ansprüchen kann sich der Verf. aber nicht einfach dadurchlossprechen, daß er von vorneherein( S. 7) erklärt: Dem Fachmann hat diesesBuch keine wissenschaftlichen Neuigkeiten zu bieten." Oder indem er jeglichesBemühen in solcher Richtung am Ende denunziert und mit dem lakonischenSatz abtut: ,, Das Werk will kein Lehrbuch ersetzen, dazu fehlt ihm die Ent-faltungsmöglichkeit für lehrhafte Systematik!" Der ernsthafte Leser erwartetvon einem solchen Buch sicher weder das eine noch das andere. Er wünschtsich jedoch auch keine blanken Behauptungen oder Indoktrinationen an derOberfläche, die paradoxerweise gerade den Lehrer verraten, und braucht eherAufklärung und zuverlässige Information.

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