Weihnachtsausstellungen des Österreichischen Museums für Volkskunde 1975 imWiener Rathaus und im Museum Hollabrunn
Das Österreichische Museum für Volkskunde in Wien hat auch Ende desvergangenen und Anfang dieses Jahres mit umfangreichen Leihgaben aus seinengroßen Depotbeständen zwei Weihnachtsausstellungen außerhalb des Hauses ge-staltet. Eine Folge von weihnachtlichen Darstellungen vom 17. bis zum 20. Jahr-hundert, die aus verschiedenen Gebieten der ehemaligen österreichisch- ungari-schen Monarchie stammen, wurden in der Zeit vom 29. November 1975 bis2. Februar 1976 in der Ausstellung„ Alte volkstümliche Weihnachtskunst" imNeuen Museum„ Alte Hofmühle” zu Hollabrunn gezeigt. Schon im letzten Jahrhatte die gleichfalls vom Wiener Volkskundemuseum gestaltete Krippenausstel-lung große Bevölkerungskreise in und um Hollabrunn angesprochen. Die dies-jährige Darstellung von verschiedenen Motiven des Weihnachtsgeschehens, wiesie im Mittelalter, nach der Reformation und der Gegenreformation ausgebildetworden sind, gewährt eine Vertiefung der Anschauung. Zur Ausstellung ist einkleiner vierseitiger Führer erschienen mit einem Text von Leopold Schmidt.—In Wien ist im November 1975 der traditionelle Wiener Christkindlmarkt erst-malig auf den Platz vor dem Wiener Rathaus übersiedelt, wo er vielleicht nunseinen endgültigen Standort haben wird. Im Rahmen dieser beliebten vorweih-nachtlichen Veranstaltung hat das Kulturamt der Stadt Wien in der Volkshalledes Rathauses vom 3. Dezember 1975 bis 2. Jänner 1976 eine Weihnachtsausstel-lung eingerichtet, in deren Mittelpunkt historische Krippen aus Sammlungs-beständen des Österreichischen Museums für Volkskunde standen: Die beidenGroßkrippen des Simon Jaufenthaler aus Vill bei Innsbruck als erlesenes Beispielder spätbarocken Tiroler Krippenkunst und des Gasthauses Kern in Ebensee, dieals Schöpfung der dreißiger und vierziger Jahre dieses Jahrhunderts ein Zeugnisder kräftig weiterlebenden Krippenkunst des Salzkammergutes gibt. Figuren-reiche Kastenkrippen ergänzen den vorwiegend auf das Schaumäßige eingestelltenQuerschnitt durch die volkstümliche Krippenkunst in Österreich ab. Der Zuspruchzu dieser Krippenschau war demgemäß groß: In den ersten zehn Ausstellungstagenkonnten bereits 60.000 Besucher gezählt werden. Beide Ausstellungen wurden,das sei nochmals betont, mit dauernd deponierten Sammlungsgegenständen desWiener Volkskundemuseums ausgestattet, was nicht nur den Hinweis auf dieerfreuliche Fülle an Museumsgut, sondern auch auf die in der Öffentlichkeitimmer wieder vorgetragene, bis heute noch nicht gelöste Raumnot dieses Kultur-institutes bedeutet.Klaus Beitl
Georg Spyridakis+
Am 29. Juni 1975 ist Prof. Georg Spyridakis( 17. XII. 1906-29. VI. 1975)nach achtmonatigem schweren Leiden im 69. Lebensjahr verschieden. Mit ihmhat nicht nur die griechische Volkskunde, sondern auch die vergleichende Volks-kunde Südost- Europas eine Stimme verloren, die in den letzten zwanzig Jahrenimmer wieder zu hören war, nicht nur auf Kongressen und Tagungen, sondernauch in einer Fülle von Studien und Abhandlungen in allen europäischen Lite-ratursprachen sowie in seiner Muttersprache, dem Griechischen. Zentrum undAusgangspunkt des wissenschaftlichen Bemühens des Verstorbenen war die Volks-kultur des Byzantinischen Reiches, so wie sie uns aus den gelehrten Schrift-quellen und dem kontinuierlich überlieferten Traditionsgut der rezenten helleno-phonen Volkskultur entgegentritt. Von dieser Basis griff Sp. sowohl in diehellenische Antike als auch in die Volkskulturen der slawophonen Nachbarvölkeraus. Als methodische Leithypothese blieb bei allen seinen vielseitigen Studienimmer die ungebrochene Kontinuität griechischer Volkskultur präsent. Diese
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