Schließlich ist noch die seltsame Bekrönung eines Schmiedeeisen-kreuzes auf einem Stock westlich von Wittau zu erwähnen, die einenDoppelschlüssel darstellt, von der Art, daß aus einem quadratischenGriffstück zwei unter 90 Grad auseinanderstrebende Schäfte mit ein-fachen Bärten wachsen( Fig. 138). Hier liegt einwandfrei das Wappen-bild des Stiftes Melk vor, durchaus erklärbar, war doch fast das ganzemittlere und östliche Marchfeld, mit dem Mittelpunkt in Weikendorf,pfarrlich dem Stift Melk unterstellt( vgl. Wolf, 1955, S. 328 ff.).
Wie schon festgestellt, ist eine Datierung bei den bekrönendenschmiedeeisernen Kreuzen ebenso schwierig, ja im allgemeinen unmög-lich wie bei den ganzen gemauerten Kultmalen. Manches( Fig. 98, 99,102) mutet mehr oder weniger barock an, ohne daß damit eine chrono-logische Festlegung versucht werden soll.
Große Holzkreuze
Wie schon erwähnt, sollen die Fabrikserzeugnisse des späten19. und des 20. Jahrhunderts, die Gußeisen- und Kunststeinmale, unbe-rücksichtigt bleiben, ebenso auch die, meist kleineren, neueren Holz-kreuze mit guẞeisernem Corpus oder irgendwelchen, meist unter Glasgelegten, Heiligen- Farbdrucken. Sie mögen, von der Motivierung hergesehen, für die Volkskunde gelegentlich interessant sein, als Volks-kunst kann man sie nicht mehr bezeichnen, und daher fallen sie ausdem Rahmen der hier angestrebten morphologisch- kunstgeschichtlich-volkskundlichen Betrachtung.
Hingegen verdient eine andere Gruppe von Kultmalen unsere Auf-merksamkeit: die mächtigen Holzkreuze, die im Marchfeld sehr zahl-reich und für die Landschaft geradezu kennzeichnend sind. Ihr Ver-breitungsbild( Karte II) ist recht auffällig: während das südlicheMarchfeld wenige und das mittlere überhaupt nur ganz vereinzelteKreuze besitzt, sind sie in der nördlichen Zone auffällig gedrängt, undzwar besonders im nordwestlichen Gebiet( um Wolkersdorf), währenddas nordöstliche( um Matzen) etwas lockerer besetzt erscheint 12).Gelegentlich stehen solche Kreuze auch auf Friedhöfen oder neben denKirchen; südwestlich von Pillichsdorf bildet eines, auf einem aus derEbene aufragenden Tumulus stehend, zwischen den lebensgroßen Voll-plastiken zweier trauernder Frauen, eine eindrucksvolle Kalvarienberg-gruppe. In der Regel tragen diese Kreuze ein annähernd lebensgroẞesCorpus Christi, aus starkem Eisenblech handwerklich ausgeschnittenund ursprünglich mit Ölfarbe bunt bemalt, meist freilich im Lauf der
12) Diese Verteilung ist sicher nicht bloß vom Material her zu verstehen,denn verwendbares Holz würden auch die Auwälder längs der Donau und Marchsowie die Föhrenwälder im Zentrum der Ebene in hinreichender Menge gelieferthaben.
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