Die Abfasung verläuft gelegentlich noch, wie bei den ursprüng-lichen gotischen Pfeilern, an den beiden Enden bogig oder schräg indie Kante des Pfeilers( Fig. 32-37, 39, 40, 62, 64), oft ist sie abereinfach waagrecht abgeschnitten( Fig. 29-31, 38, 63, 65-67, 69,70); die kennzeichnenden, von der Holzbearbeitung her zu verstehen-den dreieckigen Zwickel in den Enden der Abfasung sind bei den ge-mauerten Pfeilern außerordentlich selten geworden( Fig. 67).
Nun können ferner bei einem unabgefasten quadratischen Pfeiler,barocken oder klassizistischen Stilmoden folgend, die Seitenflächennach Art von Tür- oder Möbelfüllungen etwas vertieft werden( Tafel1/ J) bzw., in seltenen Fällen, auch etwas erhöht( Tafel 1/ I). Die ver-tieften Flächenteile können verschiedene Formen haben; meist sindes lange schmale Rechtecke( Fig. 71, 72), die auch oben bis an dasTabernakel und unten bis an die Basis durchlaufen können( Fig. 73,74) und, wenn sie kräftig entwickelt sind, einen quadratischen Pfeilermit im Grundriß quadratisch verstärkt vorspringenden Kanten entste-hen lassen( Tafel 1/ L). Gelegentlich sind die vertieften Rechtecke anden vier Ecken durch einspringende Viertelkreise belebt oder siegehen an den Schmalseiten in Halbkreise über, an beiden Enden( Fig. 75) oder nur am oberen( Fig. 76). Nicht selten sind auch Recht-ecke mit an beiden Enden oder bloß am Oberende angefügten schmä-leren Halbkreisen( Fig. 77-79). Als erhöhte Pfeilerflächen- Füllungenfinden wir ausnahmslos nur schwach angedeutete schmale Rechtecke( Fig. 80).
Mengenmäßig verteilen sich die verschiedenen Kantenformen beiden gemauerten Vierkantpfeilern des Marchfeldes wie folgt:
schräg abgefast
quadratisch ausgefurcht
unabgefast
unabgefast, mit vertieften Flächen
( Alle übrigen Formtypen treten nur vereinzelt auf.)
23 Prozent
8 Prozent50 Prozent
15 Prozent
Neben dieser vielfältigen, miteinander aber durchaus in ein mor-phologisch- entwicklungsgeschichtliches System zu bringenden Formen-fülle der Pfeilergrundrisse findeen wir dann noch als ganz seltene Aus-nahmen jeweils in unserem Gebiet nur durch ein Exemplar belegtKultmale mit regelmäßig- dreieckigem( Tafel 1/ M) und solche mitkreisrundem Querschnitt( Tafel 1/ N). Dreikantig ist der hübscheBlockpfeiler an der Kreuzung der Straßen von Obersdorf nachSeyring und von Eibesbrunn nach Pillichsdorf( Fig. 81), kreisrund-säulenförmig der nicht minder reizvolle an der Straße von Zwern-dorf nach Angern( Fig. 62). Diese Blocksäule ist zweifellos beeinflußtdurch die in den beiden vorhergegangenen Abschnitten behandelten
38