Jahrgang 
79 (1976) / N.S. 30
Einzelbild herunterladen
 

_

langgestreckt, unbesiedelt und weitgehend bewaldet, eine einigermaßenreale kulturelle Trennungslinie darbieten. Das ist also, im Osten begin-nend, die Linie Hirschensprung Gemeindewald Matzener WaldIm Greut Wartberg Traunwald Hochleiten und dann,jenseits der Talmulde des Rußbachs, die Linie Donaubrunnsteig Tradenberg Kronawettberg Bisamberg.

-

Rinner-

Innerhalb dieses Raumes sind die Kultmale keineswegs gleich-mäßig verteilt, sie spiegeln vielmehr, verständlicherweise, die allgemei-nen Besiedlungsverhältnisse wieder( siehe Karte I). Wir erkennen eineZone besonders dichter Häufung am Nordrand des Marchfeldes, längsdes großen Wagrams also, wo sich, perlschnurartig dicht gereiht, diegroßen Ortschaften von Großebersdorf und Wolkersdorf im Westen bisWeikendorf und Angern im Osten hinziehen. Eine zweite, freilich vielweniger dicht besetzte Zone zieht sich nördlich der Donau und westlichder March hin. Der weiter nördlich bzw. westlich anschließende mitt-lere Teil des Marchfeldes ist dagegen arm an Kultmalen ¹).

Es soll gleich vorweg genommen werden, daß unser Unter-suchungsgebiet bezüglich seiner Bildstöcke" und Wegkreuze" sichin keiner Weise vom übrigen südöstlichen Weinviertel, also von seinernördlichen und nordwestlichen Nachbarschaft, aber auch von demGebiet des Wiener Beckens im Süden jenseits der Donau wesentlichunterscheidet. Mit anderen Worten: es gibt keinen für das Marchfeldallein kennzeichnenden und auf dieses beschränkten Kultmal- Typus.Wohl finden wir einzelne Stücke von eigenwilliger Form, wie dasPresovskykreuz bei Untersiebenbrunn oder der barocke Pfeiler bei derEisenbahnstation Schönfeld- Lassee, aber solche Formen sind auchinnerhalb des Marchfeldes einmalige Besonderheiten und können dahernicht als ,, kennzeichnende Typen" verallgemeinert werden.

Außer Betracht gelassen wurden einerseits die Kapellen wobeials ,, Kapelle" jedes Bauwerk verstanden sein soll, das einen, wennauch noch so kleinen, betretbaren Innenraum entwickelt, andererseitsdie Nepomukstandbilder und andere mehr oder weniger lebensgroßebarocke Figuren auf niedrigem Sockel. Unberücksichtigt blieben fernerdie Produkte der neueren fabriksmäßigen Konfektion, also die leidigen

1) Geologisch- bodenkundlich bedeutet dies: die Schwarzerdezone im Nordenist sehr reich, die Alluvionenzone im Süden und Osten mäßig reich, die Schotter-und Flugsandzone in der Mitte ist arm an Kultmalen.- Klöster oder Wallfahrts-kirchen, die sonst oft als Ballungszentren für Kultmale in Erscheinung treten,fehlen im Marchfeld. Hier wäre allenfalls das Mariabrünnl bei Groißenbrunn zuerwähnen; dieses bildete vor allem ein Wallfahrtsziel für die Slowaken, welchebei dem uralten Marchübergang von Marchegg herüber gekommen sind. InKultmalen hat diese Wallfahrt und der verhältnismäßig kurze Anmarschweg aber,zumindest soweit heute festzustellen ist, keinerlei Niederschlag gefunden.( Nachfreundlicher Mitteilung von Herrn Dr. Schneeweis.)

4