Verständlicherweise dominiert das( übrigens durchwegs sehr anschaulich)Beschreibende als Primärerfassung, indes die( wohl auch kaum nennenswert vor-handene) Regionalliteratur( etwa das vor kurzem erst erschienene Volksliedwerkvon V. Paiola und R. Leydi, Canti popolari vicentini, Vicenza 1975) spärlichverzeichnet wird. Die Anordnung der Einzelkapitel richtet sich nach den bewähr-ten Prinzipien landes- und volkskundlicher Regionalerfassung als„, summa". Vorallem ist besonderes Augenmerk auf die Wiedergabe der Mundarttermini in einersehr gut lesbaren Dialekt- Transkription gelegt, ein reichhaltiges Dialektvokabular( S. 735-758) beigegeben, an das sich auch noch ein gerade auch die Mundart-wörter besonders berücksichtigender Analytischer Index( S. 759-789) schließt.Zudem enthält der Text 308 meist sehr gute Zeichnungen von Möbeln, Gefäßen,Geräten darunter zum Teil mit den unmittelbar anschaulich beigefügten Dialekt-namen, wie z. B. für die Teile des Rinderjoches( S. 108), des Pferdegeschirres( S. 111), des Transportwagens( S. 115). Einprägsam sind Wallfahrtstermine undZiele, Bitt- und Dankprozessionen ex voto besonders in den Nahzielen der ValLeogra beschrieben und im Bild erfaßt( Farbbilder S 383-388; Bildteil S. 85bis 89). Sprichwörter,„ storie” und Legenden vielerlei Thematik bis hin zu einemerstaunlich reich vertretenen Volksliederbestand( S. 656-710) sind ebenso auf-genommen wie Reste des Magie- Glaubens und des Nachbarschaftsspottes.
Diese Tal- Monographie der venetischen Val Leogra gibt den Versuch, dieGanzheit bäuerlichen Lebens zwischen Halbvergangenheit und Gegenwart inihren Realien wie im„ Geistigen" zu erfassen. Das ist fern allem billigen, auf,, Show" gerichteten Folklorismus allzuvieler Bilderbücher, die mit vordringlicherFremdenverkehrswerbung das Wesen einer Landschaft darzustellen vorgeben.Hier ist es die würdevoll und fachkundig gezeichnete Wirklichkeit einer vorunseren Augen sich notgedrungen wandelnden bäuerlichen Kultur, die bildlichund in lebensnaher und nicht nur für die Wissenschafter gut lesbarer Beschrei-bung erfaßt ist als eine durchaus„, unromantisch" gewollte„ testimonianza precisae documentazione rigorosa". Mithin bietet diese Monographie genau das, wasVolkskunde als„, die Wissenschaft vom Leben in überlieferten Ordnungen" auf-zeigen und im Einzelfall darstellen will zur tieferen Erkenntnis des Wesens desMenschlichen, darüber hinaus als„ stimolo per una dimensione più umana delvivere”.Leopold Kretzenbacher
Malaiische Chronik. Hang Tuah. Aus dem Malaiischen übersetzt von Hans F.Overbeck. Herausgegeben und eingeleitet von Otto Karow. Köln 1976,Eugen Diederichs Verlag. 352 Seiten, gebunden in original- malaiischemBatist. DM 46,-.
Der Diederichs- Verlag setzt sein einstmals geplantes, aber nie verwirklich-tes Reihenwerk„ Insulinde", das er mit den„ Malaiischen Geschichten" voreiniger Zeit eingeleitet hat, mit diesem stattlichen Band fort. Wieder handelt essich um Arbeiten des 1942 bei einem Schiffsunglück ums Leben gekommenendeutschen Exportkaufmannes Hans F. Overbeck, dessen Leistungen auf dieseWeise sehr spät, aber eben doch noch zugänglich gemacht werden. Da seineÜbersetzungen für die Volkserzählforschung von Wichtigkeit sind, muß auchauf diesen Band aufmerksam gemacht werden. Die einstmals schon gedruckte„ Sejarah Melayu"(= Chronik der Malaien) ist hier im Reprodruck wieder-gegeben und vollständig, wogegen aus dem für die Erzählforschung wichtigerenHikayat Hang Tuah nur ausgewählte Kapitel mitgeteilt werden. Freilich dürfteso mancher Erzählforscher in diesem Fall die Originalausgabe besitzen, die 1922in München in zwei Bänden erschienen ist, in der Serie„ Meisterwerke orienta-lischer Glossar ::: zum Glossareintrag lischer Literatur in deutschen Originalübersetzungen", die bis heute ihren hohenWert behalten hat. Über den Kreis der speziellen Kenner wird auch die vor-liegende Ausgabe kaum hinaus verbreitet werden, zumal sie in einer begrenztenAuflage von 2000 Exemplaren hergestellt wurde. Leopold Schmidt
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