Speichergruben und Brunnen( S. 129-149) ein sehr aufschlußreiches Bild vomgesamten bäuerlichen Hauswesen, wie es unter den dortigen durchaus wechsel-vollen Gegebenheiten, Betriebsumstellungen u. dgl. vorauszusetzen ist. In ihrerder mitteleuropäischen Hausforschung weitgehend angenäherten Methode scheintmit L. Dáms Darstellung besonders für die vergleichende Hausforschung wert-voll zu sein, zumal sie auch für viele Einzelheiten wie Baustoffe, Konstruktions-weisen, Giebelbildungen, Laubengänge räumlich- zeitliche Schnittbilder zu gebenvermag und für die historisch schwerer faẞbaren Inneneinrichtungen mit Schlot-küche, Herd und Ofen vortreffliche Sachbeschreibungen liefert. Besonders dank-bar wird man ferner für die ebenso kenntnisreiche Darstellung der verschie-denen Wirtschaftsgebäude sein, unter denen Kleinviehställe, Grubenspeicher,Stützelspeicher( ungarisch szuszik, siehe Abb. 107), Scheunen u. ä. hervorgehoben
seien.
Es spricht für Beobachtungsschärfe und Umsicht des Verfassers, wenn damanches unmittelbar zur Diskussion anregt: die Verzimmerung des Gebälks inder Dachfußzone etwa( Abb. 42), wobei es in der deutschen Beschreibung besser„ gerader bzw. schräger Stoẞ" statt„ Anblattung"( Fig. a, b),„ Verkämmung"statt ,, Versatzung bzw. Verzapfung"( Fig. c, d, f) heißen sollte. Höchst wertvollist auch die klare Unterscheidung im Gefüge der Dachkonstruktionen( Abb. 43)deren westliche ursprünglichere Typen ganz offensichtlich alte Jochbalkendächer( Scherenjochdächer mit und ohne Beifirste bzw. Sochadächer) sind, währendsich im Osten gegen die siebenbürgische Grenze zum Bihargebirge hin der starkeEinfluß des Sparrendaches im Übergang vom Schersparrendach zum reinen Kehl-balkendach mit den für das östliche Mitteleuropa so kennzeichnenden über-stehenden Bundbalken geltend macht. Die von L. Dám als„ Pfettendach mitverkürzter Firstsäule" determinierten Gefüge( Abb. 44 und 46) wird man rich-tiger unter die Jochbalkendächer einreihen, deren Ausgangsform sicher noch dasosteuropäische Sochadach war. Dafür spricht hier schon die rundwälzige Formdes Firstbalkens und seine Kerben- Lagerung auf der Firststütze. Bei dem Wohn-haus aus Bakonszeg im Komitat Hajdú- Bihar( Abb. 53) handelt es sich nicht umein„ Strohdach" mit aufgebundenen Scharen oder Schauben, sondern um dasfür die Karpatenländer typische Wirrstroh- oder Stampfstrohdach, an dessenStelle sonst freilich schon das gestrählte und gebundene Ret- oder Schilfdachtritt.Oskar Moser, Graz
Guglielmo Cappelletti( Hrsg.), Civiltă rurale di una valle veneta:La Val Leogra. Vicenza, Accademia Olimpica, 1976. Geb., Gr.- Okt,924 Seiten, 394 Photographien, 308 Zeichnungen( im Text), 6 topographierteKarten, 71 Musikbeispiele, 1 Recorderkassette von 60 Minuten Laufzeit mit30 Volksliedern.
Ein Sammelwerk ganz besonderer Art über die Gebirgslandschaft der ValLeogra, mitten im Dreieck von Trient, Verona und Vicenza rund um den Kern-ort des Tales Schio als eigenartige Rodungs- und Siedlungslandschaft über dieHöhen und Hänge gebreitet, bietet als einen bibliophil ausgestatteten Großbanddie Accademia Olimpica zu Vicenza. Nicht weniger als 25 Fachgelehrte ver-einen, eingeleitet vom Akademie- Vizepräsidenten G. Cappelletti, ihr Geschichts-und Archivwissen wie ihre Feldforschungsergebnisse zur Darstellung von Lebens-weise und sich wandelnden Formen der Daseinsbewältigung in einem der kargenNatur mühsam abgetrotzten Lebensraum von genügsamen Menschen vorwiegendagrarbäuerlicher Erwerbstätigkeit im gegenwärtigen Wandel zwischen Entvöl-kerung durch Höhen- und Landflucht und Zuwendung zu einer industriell bedingt,, erleichterten" Lebensweise unserer so vieles umprägenden neuen Zeit undGesellschaft. Zu den Fachgelehrten vieler Disziplinen treten in großer Anzahldie( S. 731 namentlich genannten) Mitarbeiter aus dem Leogra- Tale alsGewährsleute, Sammler, Sänger usw.
352