Jahrgang 
80 (1977) / N.S. 31
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Im Geräteregister, wo man zweifellos zuerst sucht, findet man auf S. 411 einereiche Zahlenangabe, die sich aber nicht auf den Text oder die Abbildungenbezieht, sondern auf die ungarische Geräteliteratur, die mit 361 Nummern hieraufgeschlüsselt erscheint. Das hilft freilich nur weiter, wenn man in einer Biblio-thek sitzt, welche diese ungarische Spezialliteratur auch besitzt, was ja extraHungariam doch eher selten der Fall sein dürfte.

Man sieht, diese Werke sind von zwei Forschern und ihren zeichnerischenund photographischen Mitarbeitern mit ganz engem und internem Blick auf dieörtlichen Verhältnisse gemacht. Wer sich damit abgibt, muß jeweils die einzel-nen Gerätemonographien" genau lesen und kann sich vor allem an den auf-schlußreichen dritten Teil des Gerätebandes halten, der Kulturelle und sozialeBedeutung der Geräte" behandelt. Es ist das doch von Richard Weiß, dem Patrondieses Werkes, auch immer betonte Verhältnis ,, Mensch und Gerät", das hierbehandelt wird, wobei das positive Verhältnis, nicht etwa das vermutlich auchvorhandene spekulative oder symbolische Verhältnis gemeint ist. Diese Art vonVerhältnis stellen auch die Photos dar, die in reicher Fülle womöglich jedenHandgriff am Gerät, mit dem Gerät zeigen. Es ist ungemein erfreulich, daß dieDänische Akademie der Wissenschaft so ohne weiteres diese 300 Aufnahmenvorzüglich hat reproduzieren lassen, wobei der Druck übrigens in Ungarnerfolgt ist.

Diese abschließenden Veröffentlichungen der beiden bedeutenden unga-rischen Kollegen stellt also ein wahres Denkmal einer Art von edlem Positivis-mus" dar, wie man es gewiß respektvoll anerkennen wird. Daß es daneben auchandere Wege zur Erkenntnis im Bereich der Volkskunde gibt, sei aber immerhindoch auch noch einmal festgestellt.Leopold Schmidt

Lázló Dám, A Nagy- Sárrét népi építészete( Die Volks-architektur des Groß- Sárrét)(- Müveltség és hagyamány.Studia ethnologica Hungariae et centralis ac orientalis Europae XVII).Debrecen 1975. 180 Seiten mit 112 Abbildungen, Zeichnungen und Karto-grammen( deutsche Zusammenfassung).

In der bekannten, von Béla Gunda geleiteten Jahrbuch- Reihe, Müveltségés Hagyomány"( Kultur und Tradition) des Ethnologischen Instituts der Univer-sität Debrecen sind bereits mehrere wichtige Arbeiten zur Siedlungs- und Haus-forschung Ungarns erschienen. Der vorliegende XVII. Band enthält eine Mono-graphie von László Dám über Siedlung und Hausbau des Gebietes von Groß-Sárrét, eines der größten ehemaligen Marschländer am Ostrande des kleinenAlföld. Es erstreckt sich im Süden von Debrecen zwischen Püspökladány undBerettyóújfalu hart südlich der heutigen E15, die von Budapest über Szolnoknach Groẞwardein( jetzt rumänisch Oradea) führt. Hier hat L. Dám zwölf Sied-lungen in ihrer Entwicklung seit dem 18. Jahrhundert genauer untersucht, undzwar sowohl nach deren Strukturveränderungen im ganzen wie auch nach denHofanlagen und der baulichen Substanz der Wohn- und Wirtschaftsgebäude.

Wie man schon aus der ausführlichen deutschen Zusammenfassung unddem aufschlußreichen Bildmaterial entnehmen kann, behandelt der Verfasser dieSiedlungs- und Gehöftformen, die wichtigsten bautechnischen Gegebenheiten( Baustoffe, Wandbau, Dachkonstruktionen und-formen, Hausanlagen, Türen undFenster) nicht nach der älteren Manier der Architekten, sondern durchwegs nachvolkskundlichen und entwicklungsgeschichtlichen Grundsätzen, wobei er gleich-zeitig durch Beigabe von Querschnittkartogrammen auch die räumlichen Dif-ferenzierungen seiner Gegenstände gut herausarbeitet. Das ergibt somit hier wieauch in den folgenden Kapiteln über das Wohnhaus, dessen Feuerstätten undHeizeinrichtungen sowie seine Raumeinteilung( S. 99-128), dann über die ver-schiedenen Wirtschaftsgebäude zur Viehhaltung, Fruchtspeicherung sowie der

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