Grundriß und der Eintiefung. Diese beiden Elemente hat es seit dem Mittelaltergegeben und die Voraussetzungen für den Bau solcher Erdkaten waren also seit-dem latent vorhanden, um bei Bedarf aufgegriffen zu werden. Möglicherweisefanden sich schon recht früh vereinzelte Exemplare, aber die Frequenz dieserBauten zeigt eine klare Parallelität zur Expansion des ländlichen Proletariats."Es liegt auf der Hand, daß Tomas Jönssons vorbildlich gearbeitete Mono-graphie in mehrfacher Hinsicht für die Siedlungs- und Hausforschung in Zentral-europa Anregungen bietet. So zunächst im Absehen auf ähnliche Erdbauformenhier, wie sie beispielsweise Jenö Cholnoky in Ungarn schon am Beginn derdreißiger Jahre mehrfach ausgewiesen und untersucht hat und wie sie neuerdingsauch in den Kellerbauten des niederösterreichischen Weinviertels entsprechendstärker beachtet worden sind. Dann aber auch unter Bedachtnahme auf denländlichen Siedlungszuwachs überhaupt, der bei uns in der Neuzeit praktischnur noch aus dem Wohnwesen der nichtbäuerlichen Landbevölkerung erfolgt istund um dessen Kategorisierung und eigentliche Entwicklung sich die Volkskundeschließlich mehr noch als bisher wird annehmen müssen.
Oskar Moser, Graz
Edit Fél und Tamás Hofer, Bäuerliche Denkweise in Wirtschaftund Haushalt. Eine ethnographische Untersuchung über das unga-rische Dorf Átány(= Veröffentlichungen des Instituts für mitteleuropäischeVolksforschung an der Philipps- Universität Marburg an der Lahn, Bd. 7).Göttingen 1972. Verlag Otto Schwarz& Co. XVIII und 551 Seiten,139 Abbildungen auf Tafeln.
Edit Fél und Tamás Hofer, Geräte der Atányer Bauern(= Kom-mission der Königlich Dänischen Akademie der Wissenschaften zur Erfor-schung der Geschichte der Ackerbaugeräte und der Feldstrukturen, Bd. 2).Kopenhagen 1974. 515 Seiten mit 671 Zeichnungen im Text und 300 Abbil-dungen auf Tafeln.
Auf die großen darstellenden Monographien von Fél und Hofer über dasDorf Atány war in unserer Zeitschrift bereits hinzuweisen. Nunmehr sindzwei weitere Bände in deutscher Sprache erschienen, die wieder besonders anzu-kündigen sind. Der in Marburg erschienene Textband schließt an die„ ProperPessants" von 1969 an, es ist zweifellos gut, daß diese vorzüglichen Schilderun-gen nunmehr auch leicht zugänglich in deutscher Sprache weiterbekunden, wasdie beiden Forscher an Ort und Stelle erkunden konnten. Frau Fél hat ja an die20 Jahre diese besondere Art der Aufzeichnung angewendet, mit der stets dieAufsammlung für das Ungarische Volkskundemuseum verbunden war, das aufdiese Weise zu einer gewaltigen Kollektion des Arbeitsgerätes allein aus diesemeinen Dorf gekommen ist.
Maßgebend erscheint, daß es sich bei diesen Aufzeichnungen nicht nur umEinzelbeobachtungen handelt, sondern um vollständige Aufschreibungen allesdessen, was die Leute selbst zu ihrer Arbeit erzählt haben. Das ,, Tägliche Leben"mit seinen ungezählten erworbenen, erlernten Kenntnissen, am ehesten derSelbstverständlichkeit der Arbeit der Hausfrauen zu vergleichen, ist der eigent-liche Gegenstand dieser Aufzeichnungen und nicht etwa die kulturhistorischeEinordnung von Einzelheiten. Wer sich mit Einzelstücken beispielsweise auf demGerätewesen beschäftigt, wird die konkrete Aufzeichnung gewiß finden. Alsobeispielsweise eine Stichprobe nach dem Stachelhalsband des Hirtenhundes: Inder„, Bäuerlichen Denkweise" steht auf S. 144 von den früheren Hütehunden:,, Sie hatten Stachelhalsbänder und nahmen es mit den Wölfen auf." Im Geräte-band wird man dann ein Exemplar des„ kutyanyakörv" gezeichnet finden, mitden Inventarangaben des Ungarischen Volkskundemuseums( Abb. 343 auf S. 469).
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