Vergleicht man so Zug um Zug die verschiedenen Details dieser Holzbau-weise, so dürften Bedeutung und Wert dieser fundierten Sachdarstellungunschwer abzuschätzen sein, die im übrigen durchwegs mit großer Fachkenntnisund Sorgfalt gearbeitet erscheint. Sie zeigt zudem einmal mehr, was auf diesemGebiet auch bei uns an einem rasch dahinschwindenden Denkmälerbestand nochalles zu tun notwendig wäre, um zu derartig bündigen Aufschlüssen und zu ähn-lich sachgerechten Beurteilungen zu gelangen, wie sie nun in dieser seiner Ver-öffentlichung Karl- Olov Arnstberg für Schweden bereitgestellt hat.Oskar Moser, Graz
Tomas Jönsson, Jordstugor i Sydsverige. Den ingravda bostadensutbredning, form, funktion och konstruktion( Die Erdkaten in Südschweden)(= Skrifter fran Folklivsarkivet i Lund Nr 18). Folklivsarkivet i Lund-CWK Gleerup 1976. 82 Seiten, 33 Abbildungen, Zeichnungen bzw. Karten( ausführliche deutsche Zusammenfassung).
In der schwedischen Fachsprache bezeichnet„ Jordstuga"( neben einerReihe anderer örtlicher Benennungen!)„ ein in einen Hang teilweise eingegra-benes Haus, dessen Hauptfunktion es ist, als permanente Wohnstätte zu dienen"( S. 69). Jönsson macht deutlich, daß diese Erdhütten einen speziell südschwe-dischen Bautyp darstellen, dessen Verbreitung, Anlage und Bauweisen, Funktionund Konstruktion im einzelnen zu erforschen er sich vornimmt. Ihr Verbrei-tungsgebiet beschränkt sich auf Nordschonen, Blekinge, Halland, Süd- und Mit-telsmåland, das südliche Västergötland sowie Südbohuslän. Es handelte sichdabei vornehmlich um Einzelgebäude in der Außengemarkung der Dörfer, dieals Behausung der Ärmsten ohne eigenen Grundbesitz oder auch der Alten dien-ten. Die Bewohner waren häufig wohl Eigentümer der Katen, pachteten jedochden umliegenden Boden gegen Lohndienst oder Bargeld. Die meist nur zurHälfte in den Boden eingetieften kleineren Häuser dieser Art hatten reine Woh-nungsfunktion; anders in Nordschonen, wo ein größerer, mehrräumiger Typ sol-cher Erdhäuser eine differenziertere Funktion( auch als Stall und Lagerraum)zuließ( S. 70).
Die vorliegende Monographie Tomas Jönssons ist aus einem bei Nils- ArvidBringéus am Folkslivsarkivet der Universität Lund ausgearbeiteten Seminar von1975 hervorgegangen und darf wohl als Musterbeispiel für die skandinavischeSachforschung der Gegenwart angesehen werden. Sie behandelt im übrigen einenGegenstand von besonderem sozialhistorischen Interesse, ohne indessen die struk-turellen Aspekte der Siedlungstechnik, der traditionellen Bauweisen und dervolkskundlichen Wohnforschung aus dem Auge zu verlieren. T. Jönsson arbeitetfünf landschaftliche Prototypen heraus und diskutiert abschließend in sehransprechender Weise die Frage, ob es sich dabei um eine Art Rückbildung( schwedisch Fattigdomsform) oder um eine Relikterscheinung von Bauweisenhandle, deren Altertümlichkeit von Anfang an auf der Hand lag. Soweit dieQuellen sprechen, handelt es sich bei den meisten dieser außerdörflichen Erd-hütten ja um Unterkünfte von Taglöhnern, Landproletariern oder Handwerkern,wie sie zwischen 1750 und 1900, also in der Ära der neuzeitlichen Liberalisierungund Frühindustrialisierung unter dem Einfluß starker Bevölkerungszunahmenund wachsender Baustoffpreise durch die Holzbewirtschaftung seit 1830 entstan-den sind( S. 66). Entgegen den Auffassungen der älteren schwedischen Forschung( Hyltén- Cavallius, M. Mandelgren, Artur Hazelius u. a.) urteilt die jüngere For-schergeneration( Jönsson, S. Erixon) hinsichtlich des Herkommens dieser Erd-bauten erheblich realistischer und hält sie für eine auf sozialen und späten öko-nomischen Faktoren beruhende junge„ Innovation". Der Verfasser selbst meint( S. 73), daß man bei der Analyse des Ursprungs der Erdkaten von ihrenam stärksten hervortretenden Charakteristika ausgehen muß, und zwar dem
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