Jahrgang 
80 (1977) / N.S. 31
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die beigegebene Faltkarte am Schluß, die der Ortsfindung und Orientierungdienen soll, wären zweckmäßigerweise auch die Namen der verschiedenen Tal-schaften( zumindest im Sopraceneri) einzusetzen gewesen. Sie bilden sowohl erd-räumlich wie hauskundlich wichtige Ordnungsbegriffe, die im Buch laufend ver-wendet werden, jedoch nicht jedermann hinreichend vertraut oder unverwechsel-bar sein dürften. Als eine der hausbaukundlich vermutlich ausgeprägtesten undeigenwilligsten Regionen in den Südalpen im Spannungsfeld zwischen alpin-arktischer und mediterraner Natur werden auf solche Weise die wechselvollenHausbauverhältnisse dieses südlichsten Kantons der Schweiz in ihren handwerk-lich- technischen, baukünstlerischen und wohnungsmäßigen Eigenarten anschau-lich beschrieben und dargestellt. Sie erscheinen in diesen drei Bereichen so klarherausgearbeitet, daß schon dieser erste Band nicht nur für das Tessin selbstund für die Schweiz in einem weiteren Sinne, sondern auch für die vergleichendeeuropäische Hausforschung ein Quellenbuch ersten Ranges ergibt. Alle an dessenHerausgabe Beteiligten, zuvörderst aber der Verfasser und seine Mitarbeiter,können daher ob seines Gelingens und seiner Fertigstellung des Dankes und derBewunderung auch von fachlich- wissenschaftlicher Seite versichert sein.Oskar Moser, Graz

Paul Zinsli, Walser Volkstum in der Schweiz, in Vorarl-berg, Liechtenstein und Piemont. 4., durchgesehene underweiterte Auflage. 559 Seiten mit 110 Abbildungen auf Tafeln und 10 Kar-ten. Frauenfeld, Schweiz 1976, Verlag Huber und Co. DM 50,-.

Wir haben 1968 beim ersten Erscheinen dieses schönen stattlichen Buchesdie Leistung des Berner Germanisten und Volkskundlers Paul Zinsli mit Bewun-derung begrüßt. Wir freuen uns, feststellen zu können, daß das Buch in denvergangenen zehn Jahren vier Auflagen erlebt hat und daß die vorliegende4. Auflage wieder ganz auf den Stand der gegenwärtigen Forschung gebrachtwurde. Zinsli ist dem Phänomen der Hirtenbauern aus dem Wallis allenthalbennachgegangen, hat, immer von der sprachlichen Basis ausgehend, Geschichteund Verbreitung dieser hochalpinen Siedler verfolgt. Das ist sehr lebendiggeschehen, in den Text sind unzählige Stellen eingearbeitet, die auf die ganzpersönliche Erwanderung der Siedlungen, der Sprachreste, der Persönlichkeitenund ihrer Leistung zurückgehen. Das macht das umfangreiche Buch ungemeinlesbar, es bleibt bis in die umfangreichen Anmerkungen hinein erlebt, erwan-dert. Freilich nicht im Sinn von Reisejournalistik, sondern eher in dem desExplorators volkskundlicher und sprachwissenschaftlicher Atlasunternehmungen.Auch die österreichischen Walsersiedlungen, die heute zum Teil ungemein fre-quentierte Fremdenverkehrslandschaften geworden sind, hat Zinsli persönlicherwandert und dort wie überall den raschen Kulturwandel in unseren Jahrenfeststellen können. Dabei bleibt Zinsli den älteren Arbeiten gegenüber kritisch,wie sich das auch gehört: Das Ethnographische" hat bei dieser Art von Betrach-tung weitgehend ausgedient, man spürt den Zug der Gegenwartsvolkskunde",ob man nun diesen Namen verwenden will oder nicht. Alles in allem eine blei-bende Leistung.Leopold Schmidt

Klaus Thinius, Vergessene Dächer zwischen St. Gotthard undFlorenz. Karlsruhe- Bruderverlag( 1977). 113 Seiten mit zahlreichenFotos und Zeichnungen.

Ungewohnt ist für uns nicht nur der Aufhänger des Titels, sondern auchder statisch- funktionelle Ansatz, unter dem hier Hausforschung an einem dochwohl bekannten Baubestand betrieben wird. Gleichwohl möchte man diese mitinstruktivem Bildmaterial hübsch und reich ausgestattete Schrift der volkskund-lichen Hausforschung mit einigem Nachdruck zum Studium empfehlen. Hier

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