Jahrgang 
80 (1977) / N.S. 31
Einzelbild herunterladen
 

zitiert dementsprechend hier die ganze, recht umfangreiche Literatur zu demPhänomen, das seit drei Jahrhunderten auch bildlich festgehalten wurde undwird. Die Wort- und Bildzeugnisse zusammen ergeben ein sehr eindrucksvollesBild dieser altertümlichen Einrichtung, an denen das Weiterleben alten Zere-moniells, alter Bildgebärden nicht weniger interessiert als die verschiedenen Ent-wicklungs- und wohl auch Auflösungserscheinungen in der Gegenwart.

Leopold Schmidt

Louis Carlen( Hg.), Das Holz im Oberwallis(= Geschichte, Kulturund Wirtschaft, Bd. IV). 220 Seiten mit zahlreichen Abbildungen. Visp 1975.Die Zuweisung dieses schönen und aparten Buches durch den Rechts-historiker Louis Carlen verdanken wir sicher der Tatsache, daß die von ihm indiesem Band behandelten Holzurkunden"( S. 66 ff.), die Tesseln", in unseremMuseum schon früh gesammelt wurden. Diese von Eugenie Goldstern erwor-benen Rechtshölzer haben das Interesse von Carlen schon mehrfach angezogen,und so finden wir sie nun auch hier wieder ausgewertet, diesmal im Zusammen-hang mit allen anderen aus Holz gefertigten Volkskunstwerken des Oberwallis.Zahlreiche Beiträge von örtlichen Forschern beschäftigen sich etwa mit dem,, Holz in Religion und in der Kirche" oder mit dem Holz als Handelsware".Besonders wichtig ist Das Holzhaus im Walliser Dorf" von RaymundWirthner oder Holzbrücken im Oberwallis" von Peter Bumann. Vor-zügliche Abbildungen unterstützen die Abhandlungen von Wilhelm Egloff,,, Alte Konstruktionen im Holzhandwerk", von Camill Schmid, Der Bauerund seine Holzgeräte", oder von Ludwig Imesch, Aus Holz werden Kübelund Gebsen". Den Möbeln sind verschiedene Einzelbeiträge gewidmet, so denalten Truhen durch Albert von Wolff und Walter Trachsler. Aber dar-über kommen die Schnitzer in den Beiträgen von Odilo Schmidt, WernerImseng und Roman Weissen nicht zu kurz. Mit den Oberwalliser Volks-instrumenten" hat sich selbstverständlich Brigitte Geiser beschäftigt undFelix Schmid schreibt schließlich über den Wald im Volkslied", ähnlichwie Reinhard Eyer über, Wald und Holz in den Walliser Sagen". Die starkeIndividualisierung wird noch durch ein Firmenverzeichnis ,, Sie arbeiten im Ober-wallis mit Holz" betont. Im ganzen ein ebenso schönes wie wertvolles Buch.Leopold Schmidt

Max Gschwend( Sandro Bianconi), La casa rurale nel CantonTicinoDie Bauernhäuser des Kantons Tessin.Band I: Der Hausbau. Herausgegeben von der Schweizerischen Gesellschaftfür Volkskunde( der ganzen Reihe vierter Band). Basel 1976, VerlagG. Krebs, in Kommission bei R. Habelt Verlag, Bonn. 192 Seiten mit583 Abbildungen und Karten, eine Farbtafel.

In der Reihe Die Bauernhäuser der Schweiz" ist kürzlich dieser Band Tessin I" erschienen. Ihm sind vor zehn Jahren in gleicher Aufmachung dieBände ,, Graubünden I/ II" von Chr. Simonett vorangegangen 1). Als Autor undHauptredakteur zeichnet diesmal Max Gschwend, der langjährige Leiter der,, Aktion Bauernhausforschung in der Schweiz", unter Heranziehung von Vor-arbeiten des um die Haus- und Kunstforschung im Tessin außerordentlich ver-dienten Giovanni Bianconi und dessen Sohnes Sandro Bianconi, der die Über-setzung des deutschen Textes in einen durchgehenden italienischen Paralleltextbesorgte. Die Ausarbeitung lag also zweifellos in berufensten Händen, zumalinfolge der relativ beschränkten Mittel" schon bei der Bestandsaufnahme einesorgfältige Auswahl der zu untersuchenden Siedlungen zu treffen war und nicht

1) S. ÖZV XX/ 69( 1966), S. 64–68.

343