weise von Grete Horak, finden. Dazu kommen die Aufzeichnungen vonCammann, der auf vielen Autofahrten sich das Land erschlossen hat, von einemErzähler zum anderen weiterempfohlen, und mit nachdrücklicher Förderung vonungarischer Seite her. Also ganz im Gegensatz zu den Sammlern in den dreißigerJahren, denen nicht selten der Gendarm folgte. Cammann bedankt sich ent-sprechend bei den Ungarn wie bei seinen vielen Gewährsleuten, von denen ermanche Aufzeichnungen auch schriftlich erhalten hat. Da die Sammlung nunnach Orten vorgelegt erscheint, ist sie inhaltlich sehr bunt und man wechseltbeim Lesen ununterbrochen zwischen Sagen, Märchen oder Märchenbruch-stücken, Schwänken, Witzen, Raubersgeschichten, die offenbar aus den vielenHeimatblättern, Kalendern usw. stammen, auf die Cammann auch in einemeigenen kurzen Kapitel Volkslesestoffe"( S. 26 ff.) hinweist. Es ist schwer zusagen, was man eigentlich von dieser bunten Fülle hätte wirklich bringen undwas man ruhig hätte weglassen, zumindest archivieren können. Geschichten vomSchinderhannes, die eindeutig aus„, Bücheln" stammen, oder alte Witze, die offen-bar in der„, Muskete" gestanden sein müssen, stehen neben Ortssagen, die amehesten ihre Bedeutung behalten. Daß da Geschichtchen erzählt werden, die vorwenigen Jahren„ von Marburg der Professor", der auch einmal dort war, seiner-seits erzählt hatte( S. 224), das kommt vor und ist vielleicht für die ganze Situa-tion dieser Nachlese in unseren Jahren bezeichnend. Ein Motivregister wirdsich wiederum jeder Benützer selber machen müssen. Leopold Schmidt
Karl Winter, Wia'r uns da Schnóbl gwóchsn is. Mundartkundlichesaus dem Böhmerwald mit heiteren Reimereien. Reutlingen 1975, VerlagDie fünfblättrige Rose. 207 Seiten. DM 23,--.
Auf dieses inhaltsreiche, originell gestaltete Mundartwerk des aus demmittleren Böhmerwald stammenden Verfassers muß hier hingewiesen werden,weil es verhältnismäßig viel an gut beobachtetem mundartlichen Volksgut ent-hält. Sicherlich stehen zunächst die Einteilung der Mundarten des Böhmerwaldes,die Laute und die Wörter im Vordergrund. Aber der Abschnitt„ Die Rede"bringt dann ein eigenes kleines Kapitel„ ,, Redensarten" und ein weiteres„ Sprich-wörter", und im Kapitel„ Volksdichtung" sind Schnaderhüpfln und Reimspieleenthalten. Bei den Redensarten sind Einwürfe und stehende Floskeln festgehal-ten, dann aber auch stehende Redensarten, von denen Beispiele gebracht werden,die jeweils ein einziges Wort umspielen. Für„ Hand, Hände" also beispielsweisenicht weniger als 47 Beispiele. Auch für das Wort„ Herz" hat Winter eine solchekleine Reihe angelegt, mit 34 Beispielen. Andere Redensarten erscheinen jeweilsin einem Schwank oder einer gereimten Beispielerzählung verpackt. Für 35 Reiz-wörter wie ,, Familie" oder„ Freundschaft" sind jeweils vier Sprichwörter zusam-mengestellt, wobei es sich aber auch da oft um Redensarten handelt. Da sichdieser mit kleinen Gedichten durchsetzte Text schlecht aufgliedern läßt, hilftein Inhaltsverzeichnis, das nach den Titeln der Mundartverse und-texte geord-net ist, und stellt ein willkommenes Hilfsmittel dar. Freunde des alten mund-artlichen Sprachgutes werden viele bemerkenswerte Hinweise in dem Bandfinden.Leopold Schmidt
Sigurd Graf von Pfeil, Schützenwesen und Schützenfeste inNiedersachsen. Verlag Otto Schwartz& Co., Göttingen 1975,290 Seiten, 19 Abbildungen(= Schriften zur Niederdeutschen Volkskunde,Bd. 7).
Spätestens seit der kartographischen Darstellung im Atlas der DeutschenVolkskunde ist bekannt, daß die Schützenfeste nicht wie in unseren Breitengerne angenommen im süddeutsch- österreichischen Bereich, sondern in Nord-deutschland ihren Schwerpunkt haben. Diese ungleiche Gewichtung mag zwar
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