forscher auch schon in anderen Landschaften bewährt und offenbar ein gedie-genes Rüstzeug zu einer derartigen Bestandsaufnahme mitgebracht. Um so mehrdeutet der zweite Band darauf hin, denn Ruth- Elisabeth Mohrmann geht in ihrenarchivalischen Forschungen zum„ Volksleben” ganz in den Spuren ihres LehrersKramer, der vor allem in seinem dreibändigen Frankenwerk ein Vorbild fürsolche Auswertungen geschaffen hat.
Die Bände erscheinen in einem schlichten Druckverfahren, das für dievermutlich kleinen Auflagen wohl genügen dürfte. Die Rißzeichnungen bei Bedalkommen jedenfalls in diesem Verfahren vorzüglich heraus. Über das eigentlichHauskundliche wird hier von anderer Seite noch zu berichten sein. Einstweilensoll auf die neue Reihe nur hingewiesen werden, auf die akkurate Ausführungder Arbeiten, die schöne Erschließung durch Anmerkungen, Literaturverzeich-nisse und Register. Sie stellen neben den„ Kieler Blättern zur Volkskunde" alsoein beachtliches Zeichen der fachlichen Regsamkeit des Kieler Institutes dar.Leopold Schmidt
Wilhelm Wisser, Wat Grootmoder vertellt. Plattdüütsche Geschich'n. Tosamen-sökt. Mit de scheunsten Biller vun Bernhard Winter- Oldenburg.160 Seiten mit 15 Abbildungen. Köln 1977, Eugen Diederichs Verlag.DM 16,80.
Mit diesem Buch des großen Holsteiner Märchensammlers Wilhelm Wisserhat einstmals die ganze Märchen- Veröffentlichung des Diederichs- Verlages ihrenAnfang genommen. Wisser sammelte von bäuerlichen Erzählern. Diese seineerste Ausgabe erschien zu Weihnachten 1903, es kamen mit den Jahren dreiHefte zustande. Aus ihnen wurde die Buchausgabe zusammengestellt, so daßdie ,, Neuausgabe" gleichzeitig als„ Auswahlband" bezeichnet werden muß. Die22 Märchen werden von einem Nachwort von Ulf Diederichs begleitet,zu jedem Märchen gibt eine Anmerkung an, wann, wo und von wem Wisser dieErzählung aufgezeichnet hat. Märchenkundliche Anmerkungen, wie in der großenDiederichs- Reihe üblich, werden dagegen nicht gegeben, obwohl das wohl nichtgeschadet hätte.
Ein besonderes Lob der Beigabe der alten Illustrationen. Diese gespenstig-schönen Zeichnungen von Bernhard Winter geben den Geist der Jahrhundert-wende wieder, erweisen sich als Proben von mehreren Stilversuchen und werdendie hauptsächlich als Leser dieses Buches gedachten Kinder gewiß anregen. Daßdie Ausgabe an den niederdeutschen Sprachbereich gebunden ist, setzt seinerVerbreitung eine deutliche Grenze. Man mag sich fragen, ob man bei der Neu-ausgabe nicht doch eine gute Übertragung hätte zugeben können. In der gegen-wärtigen Form wird doch eher die dokumentarische Absicht deutlich als derWille zur Aufschließung gegenüber einem größeren Kreis.
Leopold Schmidt
Alfred Cammann Alfred Karasek, Donauschwaben erzählen,Teil II(= Schriftenreihe der Kommission für ostdeutsche Volkskunde,Bd. 16). 536 Seiten mit 75 Abbildungen und einer Karte. Marburg an derLahn 1977. N. G. Elwert Verlag. DM 32,-.
Der zweite, umfangreichere Band ist dem I. Band, der hier schon ange-zeigt werden konnte, rasch gefolgt. Es ist der eigentliche Stoff- Band mit denErzählungen aus den vielen alphabetisch angeordneten Orten, wo heute nochDeutsche wohnen, oder von wo Erzähler stammen, die heute in der Bundes-republik ihre neue Heimat gefunden haben.
Die Sammlung geht also zunächst auf die Bestände der Sammlung Karasekzurück, in der sich viele Aufzeichnungen aus den dreißiger Jahren, beispiels-
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