Vertretern der Volkskunde. Aber es sind eben doch Monographien erschienen,zunächst über Köln, dann über Mainz, über Aachen, späterhin über München,über Kassel und so manche andere Städte, die man aus der älteren Literaturgar nicht als Fastnachtsstädte hätte erkennen können.
Nunmehr hat auch Frankfurt am Main einen solchen Band erhalten undwieder ist kein Fachmann in unserem engeren Sinn daran beteiligt gewesen. erist auch in keiner Schriftenreihe des Faches erschienen, sondern von der Stadt-sparkasse Frankfurt herausgebracht worden, der man dafür aber sicherlich Dankwissen wird. Freilich hat es in der reichen Frankfurter Lokalliteratur schonVorarbeiten gegeben. Manche wichtige Quellenbelege hat man sich schon seit1882 in dem profunden Werk von Elisabeth Mentzel über die Geschichte derSchauspielkunst in Frankfurt suchen können. Linke hat sie jetzt jedenfalls zusam-mengestellt und in kurzen Kapiteln zunächst die frühen Formen der FrankfurterFastnacht im Mittelalter, mit den Festmählern der Patrizier wie mit den Schwert-tänzen der Handwerker und den ersten Fastnachtsspielen dargestellt. Was zuvorüber Ursprung und Frühzeit der Fastnachtsbräuche geschrieben steht, wird manvielleicht überblättern; echte Zusammenhänge mit römischen Saturnalien undgermanischen Feuerbräuchen lassen sich ja doch nicht herstellen. Dafür sind dieHinweise auf die barocken Stilisierungen in der frühen Neuzeit wichtig, ein-schließlich des Festbrauches der Binder, des„ Bendertanzes" auf dem Main.Nach den französisch stilisierten Redouten kamen die schlichten Biedermeier-Feste und schließlich die„ Bittern", der erste Karneval- Verein von 1856.
Damit beginnt die Geschichte des vereinsmäßig gefeierten Fastnachts-brauches, wie er heute von nicht weniger als 52 Karnevals- Gesellschaftengepflegt wird, von denen übrigens so manche ihre eigenen Festschriften haben,eine Literatur für sich, die in Frankfurt wie anderswo sicherlich den Stadt-bibliothekaren, nicht aber den Volkskundlern geläufig war. Die vielen Innova-tionen innerhalb des letzten Jahrhunderts, das Aufnehmen von Anregungen vonallen Seiten her, wie es auch in anderen Fastnachtsstädten zu beobachten istund durch das Fernsehen noch gefördert wird, das ist hier kurz, aber gut fest-gehalten. Fachleute werden aus dem reichen archivierten Stoff sicherlich nochmehr herausholen können.
Man wird also diesem Band und seinen Herausgebern und Fördererndurchaus dankbar sein, weil damit wieder ein Kapitel Stadtvolkskunde kräftigunterstrichen erscheint: Es gibt sie einfach.Leopold Schmidt
Rainer G. Schöller, Der gemeine Hirte. Viehhaltung, Weidewirtschaftund Hirtenwesen vornehmlich des nachmittelalterlichen Umlandes vonNürnberg(= Schriftenreihe der Altnürnbergischen Landschaft, Bd. XVIII).Nürnberg 1973, Verlag Korn und Berg. 470 Seiten mit 13 Abbildungen auf8 Tafeln. DM 35,-.
Es ist schon so, daß in Verkehrung des gemeinen Sprichwortes die gutenBeispiele allmählich die bösen Sitten zu verbessern vermögen. Wenn man soüberblickt, was bei uns in den fünfziger und sechziger Jahren auf dem Gebietder vordem fast unbeachteten Hirtenvolkskunde geleistet wurde, dann nimmt esnicht wunder, daß ein oder zwei Jahrzehnte später manche gute, ja vorzüglicheArbeiten auf dem gleichen Gebiet, aber in anderen Landschaften erstellt wurden.Im Fall des schönen gewichtigen Buches von Schöller steht es natürlich auchso, daß die Lebensleistung von Rudolf Wetzer, die Ausgestaltung des Hers-brucker Hirtenmuseums, für die Nürnberger Landschaft zur maßgebendenAnregung werden mußte.
Schöller hat sein Thema als Germanist und Historiker zunächst in Formeiner Dissertation an der Universität Erlangen vorgelegt, 1968. Er hat dannnoch zäh nachgearbeitet, sein vor allem durch Hirtenbefragung und Archiv-
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