Jahrgang 
80 (1977) / N.S. 31
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Johannes Künzig und Waltraut Werner- Künzig, Legendenlieder. EinRepertorium unserer Tonaufnahmen. Herausgegeben in Zusammenarbeitmit Gottfried Habenicht. 170 Seiten mit Melodien und Abbildungen.Freiburg im Breisgau 1977, Volkskunde- Tonarchiv des Instituts für ost-deutsche Volkskunde.

Zum 80. Geburtstag von Johannes Künzig ist die dritte( unveränderte) Auf-lage seines längst berühmt gewordenen Schallplatten- Werkes Ehe sie verklin-gen...." erschienen, und nunmehr dieses neue Repertorium". Es handelt sichum die Fortsetzung des mit dem Balladen- Repertorium 1975 angefangenen Wer-kes, das man sich durchaus auch noch durch andere Bände fortgeführt vorstellenkann.Hier liegen nun an die 40 Lieder vor, die Künzig und Waltraut Werner-Künzig in vielen Jahren auf Tonband aufgenommen haben und größtenteils demBereich des erzählenden Legendenliedes des 17. Jahrhunderts angehören. Alledie viele Jahre hindurch recht rätselhaft anmutenden Lieder von Mariens Traum,von Kosmas und Damian, von Maria, welche den Sohn des Räubers heilt, vonder Erlösung der Armen Seele und den Himmlischen Freuden, sie waren nicht,wie man längst dachte, verklungen, sondern haben in der Gottschee oder beiden Wolgadeutschen weitergelebt und konnten von lebenden Sängern aufgenom-men werden. Was im innerdeutschen Bereich durch das jüngere geistliche Liedvollständig verdrängt worden war, lebte also dort weiter, ließ sich sogar manch-mal in recht vielen Varianten wiederfinden, wodurch die gesamte Legendenlied-forschung eine neue, bedeutende Grundlage erhielt. Das Repertorium ist wiejenes über die Balladen handfest und gründlich angelegt, eine Basis für dieganze weitere Forschung. Daß man bei den altertümlichen Liedern jeweils dieSänger, lebende Menschen in ihrer einfachen Alltagsumgebung unserer Jahr-zehnte im Lichtbild sehen kann, wird sich vielleicht als einprägsamste Bezeugungim Gedächtnis erhalten.Leopold Schmidt

Dietz- Rüdiger Moser, Die Tannhäuser- Legende. Eine Studie überIntentionalität und Rezeption katechetischer Volkserzählungen zum Buẞ-Sakrament(= Fabula Supplement- Serie, Reihe B, Bd. 4). Berlin 1977, Ver-lag Walter de Gruyter. 157 Seiten. DM 68,.

Der schmale, teure Band ist wie alle neueren Abhandlungen des Verfas-sers eine äußerst anregende Studien- Reihe, mit der man sich auf den Gebietender Sagen wie der Liedforschung wird auseinandersetzen müssen. Der KurtRanke gewidmete Band ist in fünf Kapitel gegliedert, die auch der wohlmei-nende Leser wohl als verkehrt angeordnet empfinden muß: Zuerst hätte dochV, Die Tannhäuser- Legende und die Gestalt des Sängers, dann etwa IV, Der,, Venusberg" und dann eventuell I- III in der bisherigen Folge gehört. So wirdman in das Gebiet Tannhäuser- Legende und die Bußpraxis der Kirche" hinein-geworfen, mit sehr viel theologischer Literatur, deren Wichtigkeit für das vor-liegende Problem vermutlich doch nicht so bedeutend ist, wie der Verfassermeint. Kernstück ist II Büßer- Erzählungen in der europäischen Volksüberliefe-rung", wo die Lied- Erzählungen vom bußfertigen Sünder und die sonst als Mär-chen eingestuften Geschichten von den Zwei Erzsündern" und vom RäuberMadej" die Hauptrolle spielen. Man überlege dabei schon, daß die Zwei Erz-sünder" und der Räuber Madej so gut wie ausschließlich auf dem Territoriumder orthodoxen Kirche vorkommen, wogegen der, Tannhäuser" im wesentlichennur deutsch ist, also dem mittelalterlich- katholischen Bereich angehört. Hier istwohl auch die aus dem Orient Glossar ::: zum Glossareintrag  Orient stammende III, Waldbüßer- Episode der Legendevon Johannes Chrysostomus" bekannt gewesen. Aber was Dietz- Rüdiger Moserüber das mögliche Abfolgeverhältnis der beiden Geschichten zu sagen weiß,klingt mir nicht überzeugend.

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