schaftliche Grundlage ist mindestens seit dem 19. Jahrhundert ganz offenbarmaßgebend geworden, ohne sie wäre das heutige Fastnachtstreiben in Südwest-deutschland nicht denkbar. Das haben die frühen Maskenveröffentlichungenkaum schon erwähnt, erst die nach dem Zweiten Weltkrieg einsetzenden For-schungen haben sie mitberücksichtigt und in den Forschungen der TübingerSchule ist daraus ein Spezialunternehmen geworden. Für denjenigen, der indiese Forschung, in ihre Forschungsgeschichte tiefer hineinschauen will, ist die,, Bibliographie für Fasnachtsfreunde" gedacht, die verhältnismäßig umfassend ist.
Der lebhaft und anschaulich geschriebene Text wird von hervorragendenBildern unterstützt. Der Mitherausgeber Frieder Knauss hat nicht weniger als80 davon geschaffen, Kutter selbst 20, die Landesbildstellen von Baden undWürttemberg sind beträchtlich vertreten. Es ist bei der Erstellung des Bandessichtlich aus einer viel größeren Zahl von Aufnahmen ausgewählt worden, manhat für die einzelnen Maskenorte Großaufnahmen und mehrere Detailbildernebeneinanderstellen können, kurz, das Buch befriedigt gerade in dieser Hinsichtalle Wünsche. Daß es auch drucktechnisch vorzüglich gemacht ist, soll dochauch erwähnt werden. Das Buch gehört also zu jenen Erscheinungen im Bereichunseres Faches, wie man sie sich vor wenigen Jahren eigentlich noch nicht vor-stellen konnte. Das Fernsehzeitalter hat den visuell eingestellten Beschaueranspruchsvoll gemacht, aber es gibt Verfasser und Verlage, die nun diesem Ver-langen nachkommen und es auch hervorragend zu befriedigen verstehen. DerFall ist in vieler Hinsicht bemerkenswert: Alles, was auf diesen Gebieten nochvor kurzem geleistet wurde, erscheint daneben bereits veraltet, einschließlich somancher Film- Dokumentationen, die zu sachlich- trocken photographiert undwomöglich mit Schwarz- Weiß- Material aufgenommen wurden, so daß sie künf-tighin nur mehr Archivwert haben werden. Kutters schönes Buch wird nicht dasletzte Zeugnis für diese Entwicklung bleiben. Leopold Schmidt
Sagen aus Niedersachsen. Zwischen Harz, Heide und Meer. Herausgegeben vonUlf Diederichs und Christa Hinze. 320 Seiten mit über 100 Abbil-dungen. Köln 1977, Eugen Diederichs Verlag. DM 29,50.
In der Nachfolge der Brüder Grimm sind auch in den Einzellandschaftendes deutschen Nordens viele oft ganz vorzügliche Sagensammlungen geschaffenworden. Manche davon, beispielsweise die Sagen aus Oldenburg von LudwigStrackerjan( 1867), sind praktisch unersetzt geblieben. Die große Fülle der Auf-zeichnungen aus dem 19. Jahrhundert hat dazu geführt, daß in den letzten Jahr-zehnten mehrfach Neuausgaben versucht wurden. So hat der vorzügliche KennerLutz Mackensen schon 1926 eine Ausgabe„ Niedersächsische Sagen"erscheinen lassen. Und Will- Erich Peuckert hat in den Jahren von 1964 bis1972 sogar eine fünfbändige Ausgabe„ Niedersächsische Sagen" vorgelegt, zuder nur der geplante Registerband nicht mehr erschienen ist.
Aus den alten Originalsammlungen von August Ey, Kuhn und Schwartz,Schambach- Müller usw. hat nun der Verlag Diederichs in Verfolg der altenPläne von Paul Zaunert einen schönen Auswahlband zusammengestellt. Er istnicht nach Sagengruppen oder Motiven ausgewählt, sondern nach den altenEinzellandschaften gegliedert, die heute in dem Bundesland Niedersachsenzusammengefaßt sind. So ist eine sehr lesbare Auswahl entstanden, in der sicher-lich alle wesentlichen Sagen enthalten sind, die noch dazu durch alte Bilder vonLandschaften, Orten, von Personenporträts und Volksbuchbildern wesentlichunterstützt erscheinen. Wer direkt sagenkundlich arbeiten will, muß sich freilichan die alten Originalausgaben halten, die übrigens korrekt zitiert erscheinen.Ein Ortsregister schließt den Band auf. Ein Motivregister wäre keine überflüssigeMehrleistung gewesen.Leopold Schmidt
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