Jahrgang 
80 (1977) / N.S. 31
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Schmitt an, der einen Katalog mit 39 Nummern bietet, die auch abgebildetsind. Als direktes Gegenstück erweist sich die Studie von Werner Kieserüber ,, Lebküchnerei in Walldürn", welche den Gang der Lebzelterei vom Hand-werks- zum Industriebetrieb an diesem wichtigen Wallfahrtsort darstellt. Zu denHafnern führt die umfangreiche Arbeit von Peter Assion zurück, die sicheingehend mit den Letzten Hafnern am Ostrand des Odenwaldes" beschäftigt.Max Walter und Gotthilde Güterbock haben gerade dafür schon viel vorgearbei-tet. Gute Bilder zeigen die Persönlichkeiten dieser, letzten" Hafner in Buchenund Umgebung. Eine wertvolle Bestandsaufnahme der Neidköpfe des Oden-waldes" bietet Winfried Wackerfuß, der eine erstaunlich große Zahl sol-cher ,, Schreckfratzen und Spottfiguren zwischen Neckar, Rhein, Main und Mud"feststellen konnte. Nicht weniger als 170 kleine, aber deutliche Photos dokumen-tieren diesen Bestand von Mascarons.- Von den übrigen Beiträgen des Bandessollen vielleicht noch die handwerks- und gewerbegeschichtlichen Studienerwähnt werden: Brigitte Köhler befaßt sich mit der Strumpfwirkerei in süd-hessischen Waldenser- Kolonien und Rolf Reutter schreibt über die Geschichteder Ziegelproduktion im Rhein- Main- Neckar- Gebiet.

Man sieht, aus der Vielzahl der Beiträge ergibt sich schon ein gewissesBild vom traditionellen Leben im Hinteren Odenwald, sie ergeben durchwegseine Bereicherung des bisherigen Wissens um dieses recht stadtferne Gebiet ander Grenze von Baden, Bayern und Württemberg. Die alten kirchlichen undbesitzgeschichtlichen Verbindungen zu Mainz schimmern vielfach noch durch,aber auch andere Beziehungen, durch manche reichsunmittelbare Fürsten-geschlechter unterstützt, haben hier lange nachgewirkt. Wie in manchen ähn-lichen Fällen kann man auch diese wertvolle Festschrift also als eine Mahnungauffassen, nicht zu früh und zu voreilig vereinfachen zu wollen, keine allgemei-neren Schlüsse aus einem doch sehr differenzierten Material zu ziehen.Leopold Schmidt

Wilhelm Kutter, Schwäbisch- alemannische Fasnacht. UnterMitarbeit von Frieder Knauss. Querformat, 219 Seiten mit zahlreichenfarbigen Abbildungen. Künzelsau 1976, Sigloch Service Edition.

Wilhelm Kutter krönt mit diesem Werk seine jahrzehntelangen Bemühun-gen um den Fastnachtsbrauch in Südwestdeutschland. Die Einleitung versuchtalles zu überblicken, was zur Geschichte und Gestaltwerdung der Fastnachts-masken gehört, von den antiken Parallelformen bis zu dem Museum im Narren-schopf" in Bad Dürkheim. Termine, Anlässe, brauchtümliche Bindungen, Mas-kennamen, Fasnetstage, das wird alles kurz abgehandelt, um den Grund für dieHauptkapitel zu legen. Im Kapitel Masken, Larven, Schemen" werden dieNamen und Gestaltungen der geschnitzten Masken selbst durchbesprochen. Unter Blätzle, Hansel, Hex und Bär" finden sich die für Südwestdeutschland sobezeichnenden Maskengewänder behandelt. Unter Das Drum und Dran" erfah-ren wir vieles über Narrenkolben, Saubloder, Streckschere und was alles zumFastnachtsgerät gehört. Es wird kaum etwas geben, was hier nicht enthalten undnicht auch abgebildet wäre. Dann folgt die landschaftliche Darstellung: derOberrhein, vom Dreiländereck bis in die Ortenau; der Schwarzwald selbst; dieNeckar- Alb; die Baar; das Donau- Gebiet; Oberschwaben Allgäu; Bodensee

Linzgau; Hegau und Hegau Bodensee, womit der Kreis geschlossen wäre,denn den Abschluß bildet der Hochrhein". Für die weniger Landeskundigendürfte die Topographisch- organisatorische Übersicht" sehr willkommen sein.Sie ist als Anhang formuliert, mit Angabe der jeweiligen Narrenzünfte. Das istfür jeden Außenstehenden noch immer die große Überraschung: Alle diese Mas-kengebiete, Maskenorte haben ihre eigene Fastnachtsvereinigung. Diese gesell-

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