Jahrgang 
80 (1977) / N.S. 31
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Matronenstein- Sammlung. Dazu immer wieder Spezialuntersuchungen zum Spät-mittelalter wie Das Beten der sieben Fußfälle im Rheinland", aber auch zurunmittelbaren Halbvergangenheit und Gegenwart wie bei den Lichterumzügenund Jahresfeuern von 1900 bis 1934". Daß so manche Atlasfrage Zender zueiner eigenen Untersuchung veranlassen mußte, ist fast selbstverständlich. Dasgilt schon für die ausführliche Studie über Die kulturelle Stellung Westfalensnach den Sammlungen des Atlas der deutschen Volkskunde" wie auch für, DieFrauen machen im Februar das Wetter", wie man sich da einigermaßen verdutztbelehren lassen kann. Aber darauf hat doch tatsächlich schon Axel Olrik 1910hingewiesen, selbstverständlich für Dänemark. Da werden die für Zender sobezeichnenden forschungsgeschichtlichen Zusammenhänge ganz deutlich, diebesonders in die rheinische Altertumskunde und in die Arbeit des RheinischenWörterbuches hineinreichen.

Wenn man diese Abhandlungen Zenders nochmals liest, die man vielleichtals glücklicher Sonderdruck- Besitzer einst schon kennenlernen durfte, danndrängt sich doch noch einmal auf, daß wir es hier mit dem Glücksfall einergroßen landschaftlich bedingten Bereicherung unseres Faches zu tun haben.Diese ernsthaften, so vielfach durch Karten unterstützten Untersuchungen blei-ben eine dauernde Anreicherung aller anderen Studien in diesem Bereich.Leopold Schmidt

Zur Kultur und Geschichte des Odenwaldes. Festgabe für Gotthilde Güter-bock. Herausgegeben im Auftrag des Breuberg- Bundes von WinfriedWackerfuẞ, Peter Assion und Rolf Reutter. Breuberg- Neu-stadt 1976. 235 Seiten mit zahlreichen Abbildungen auf Tafeln.

Vor wenigen Jahren, 1971, hat Peter Assion die Festschrift für HeinerHeimberger Ländliche Kulturformen im deutschen Südwesten" heraus-gegeben und damit einen verdienstvollen, volkskundlich eingestellten Heimat-forscher geehrt. Hier liegt nun mit der Festschrift für Gotthilde Güterbockeine ähnliche Festschrift vor. Auch diese heimatkundlich eingestellte Kennerinihrer Heimatlandschaft, des Hinteren Odenwaldes, hat es durchaus verdient, zuihrem 70. Geburtstag auf diese Weise geehrt zu werden, und der Band ist wie-derum im Sinn einer landschaftlichen Volkskunde sehr inhaltsreich ausgefallen.Für den Beurteiler aus Österreich erweist es sich übrigens, daß die Beiträge weiteher im Sinn der bayerischen Volkskunstforschung eingestellt sind, als etwa aufdie Art, in der bei uns seit langem solche Landschaften ins Auge gefaßt werden:Mit keinem Wort findet sich die Tatsache erwähnt, daß Josef Pommer, derNeubegründer der Volksliedsammlung in Österreich, die Volkslieder des mittenin diesem Gebiet liegenden Ortes Oberschefflenz 1902 gesammelt und veröffent-licht hat. Oberschefflenz ist hier( S. 184 f.) nur als Töpferort gewürdigt.

Aus der reichen Fülle von Beiträgen seien hier nur die in engerem Sinnvolkskundlichen herausgegriffen. Der Steinkreuzforscher Friedrich K. Azzolaund seine Mitarbeiter Heinz Bormuth und Fritz Schäfer beschäftigensich mit Dolch, Schwert und Spieß als Steinkreuzzeichen im Hinteren Oden-wald". Werner Haas hat ,, Steinerne Stege und ihre Steige im südlichen Oden-wald" ausfindig gemacht, wichtig als Materialien zur zwischendörflichen Kom-munikation in älterer Zeit". Dem Bereich der Zeichen gehört der Beitrag vonHeinz Reitz Müllerzeichen im Odenwald" an, der als ein Beitrag zurVolkskunde des Müllers und der Mühle" dargeboten wird. Eine Gruppe wei-terer Beiträge eröffnet die Studie von Robert Hensle über Backtraditionenim oberen Erftal". Es handelt sich um Studien sowohl zum Bauernbackofen wiezur Landbäckerei und den Gebildbroten. Daran schließt sinnvoll der Überblicküber Die Backmodelsammlung im Weinheimer Heimatmuseum" von Heinz

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