Bd. 30) von 1937 beweist. Es ist übrigens dem Verfasser des vorliegenden Ban-des auch unbekannt geblieben.
Ebermut Rudolph, protestantischer Pfarrer in Kempten, hat aberselbst ganz offenbar die Begabung, zu solchen Heilern Zutritt zu erlangen, mitihnen reden zu können, und zwar so weit, daß sie ihm über kurz oder langsogar ihre sonst geheimgehaltenen Sprüche mitteilen. Er legt übrigens auf dieSprüche selbst weniger Wert als alle seine Vorgänger, die doch meist noch vonder germanistischen Spruchforschung ausgingen. Rudolph, der sich in unsererZeitschrift( ÖZV XXIX/ 78, 1975, S. 221 ff.) mit den Blutstillern in Tirol beschäf-tigt hat, konnte mit etwa 300 derartigen Persönlichkeiten, fast durchwegs aufdem flachen Lande, Kontakt aufnehmen. Die in den Jahren zwischen 1971 und1975 durchgeführten Erhebungen hat er in seiner Dissertation„ Die Übernahmetherapeutischer Fähigkeiten bei deutschsprachigen Spruch- und Gebetsheilern"verarbeitet, die er bei Leopold Kretzenbacher in München einreichte. Die Arbeitbildet nunmehr im wesentlichen das umfangreiche Kapitel„ Der Erwerb thera-peutischer Fähigkeiten" des vorliegenden Buches. Aufbauend auf diesem haupt-sächlich in Bayerisch- Schwaben, aber auch in anderen deutschen Landschaftenund nicht zuletzt in Österreich, vor allem in Vorarlberg, erarbeiteten Grund-lagen versucht Rudolph nunmehr eine Gesamtdarstellung des Phänomens, indemer sich mit den bisherigen Arbeiten darüber, sei es von medizinischer, von volks-kundlicher, von psychologischer oder auch von theologischer Seite her, aus-einandersetzt.
Er steht den Erscheinungen dieses mittelalterlich anmutenden Segen-sprechens nicht kritisch aufklärerisch gegenüber, sondern eher einfühlend, miteiner gewissen Sympathie des Geltenlassens, auch wenn es sich der normalenTerminologie nach um„ parapsychologische Phänomene" handelt. Gerade mitdieser Literatur, also etwa Hans Bender,„ Unser sechster Sinn", oder Kurt Koch,,, Seelsorge und Okkultismus", beschäftigt er sich eher mit positiver Wertung,wogegen er den Kriminalisten Herbert Schäfer( ,, Der Okkulttäter") doch mehrablehnt. Seine Einstellung erinnert also in mancher Hinsicht doch auch an dievon Rudolf Kriss, der ja auch den hier wieder viel zitierten Erwin Lieck( ,, DasWunder in der Heilkunde") sehr schätzte.
Die oft sehr umständlichen Ausführungen darüber lassen vielleicht über-sehen, daß die positiven Aufzeichnungen, die persönlich gehaltenen Berichteüber seine Gewährsleute das Buch von Rudolph doch fachlich bedeutsam erschei-nen lassen. Eine philosophische oder theologische Wertung der Phänomene istnicht die Aufgabe der Volkskunde. Eher wäre schon eine historische und geo-graphische Aufarbeitung des Materials möglich und zu bedenken, und das vorallem, weil sich die volkskundliche Interpretation ja nicht auf das Zitieren derälteren Ansichten von Gustav Jungbauer und anderer beschränken dürfte, son-dern die Einbindung des Auftretens und Wissens dieser Gesundbeter in ihrerjeweiligen Gesamt- Volkskultur untersuchen müßte. Es gibt bei Rudolph manch-mal einen Hinweis darauf, etwa in der Kurzbeschreibung der Häuser dieserLeute, der Inneneinrichtung und des Wandschmuckes ihrer Behandlungsräumeusw. Aber hier wäre zweifellos tiefer zu schürfen. Ein Register der Orte undder Personen sowie ein Initienverzeichnis der vielen gebrachten Sprüche wäreübrigens für die rasche Benützung des Buches willkommen gewesen.Leopold Schmidt
Lorenz Westenrieder, Beschreibung des Wurm- oder Starenberger Sees und derumliegenden Schlösser usw. samt einer Landkarte. München 1784. Neu-druck mit Nachwort von Günter Goepfert. 164 und XI Seiten. Mün-chen 1977, Süddeutscher Verlag.
Hans Moser hat vor etwa einem Vierteljahrhundert die maßgebendeArbeit„ Lorenz Westenrieder und die Volkskunde"( Bayerisches Jahrbuch für
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