Dietmar Assmann, Hl. Florian bitte für uns. Heilige und Selige inÖsterreich und Südtirol. Innsbruck- Wien- München 1977. Tyrolia- Ver-lag. 168 Seiten mit 16 Farbtafeln und mehreren Abbildungen im Text.S 160,-.
Literatur über Heilige und Heiligenverehrung gibt es eigentlich recht viel.Eine Zusammenstellung der für Österreich wirkenden läßt sich im Hinblick aufdie jeweilige örtliche Verehrung, auf die Erhebung zu Landespatronen usw. wohleinigermaßen rechtfertigen. Unter diesem Gesichtspunkt hat Assmann, der sichin Tirol wie in Oberösterreich schon vielfach mit Heiligen und ihren Kultstättenbeschäftigt hat, eine Übersicht geschaffen, die gewissermaßen historisch vorgeht.Sie beginnt mit den ersten bekannten Märtyrern, also vor allem dem hl. Florian,und führt bis zu den Landes- und Diözesanpatronen. Für manche gibt es nurMitteilungen über ihre Geschichte und ihre kirchliche Verehrung. Bei anderenlassen sich Züge der volksmäßigen Verehrung feststellen. Einige historische Per-sönlichkeiten, beispielsweise„ Papsttreue Bischöfe während des Investiturstreites"sind mit aufgenommen, obwohl es sich ja eigentlich um keine Heiligen handelt.In manchen Fällen ist der Hinweis auf ihre Besonderheit, also beispielsweise beiden heiligen Einsiedlern, wichtig, da sich so manche Legendenzüge besser ver-stehen lassen. Bei manchen aufgenommenen Persönlichkeiten weiß man wirklichnicht, wie sie zu der Ehre kommen. Der bedeutende Augustiner- ChorherrGerhoch von Reichersberg ist doch wohl nie verehrt worden( S. 110 f.).
In Anbetracht der Tatsache, daß das sehr hübsch gestaltete Buch von einemgeschulten Volkskundler geschrieben wurde, wird man doch etwas verwundertsein, daß bei den meisten Heiligen, die schon gelegentlich vom Standpunkt derVolkskunde aus behandelt wurden, gerade diese Literatur überhaupt nicht heran-gezogen wurde, und dementsprechend auch die Interpretation ihrer Legendeoder ihrer Attribute ohne volkskundliche Aspekte erfolgt. Das gilt also beispiels-weise für den hl. Briccius( S. 40) ebenso wie für den hl. Eusebius von Rankweil( S. 65). Gleiches gilt auch für die Sichelheilige Notburga( S. 115 ff.). Und zuden Ritualmord- Legenden( S. 119 ff.) hätte man sich wohl noch eine kritischereEinstellung gewünscht. Das Buch ist ja sonst verdienstvoll gearbeitet, so daßman einige Mängel oder Eigenheiten doch nur ungern feststellt. Dazu gehörtvielleicht auch der Satz( S. 54) über den hl. Ingenuin, der„ wie schon der Namesagt, deutscher Abstammung" sei. Wie ein um 605 gestorbener Mann in Süd-tirol mit einem gut romanischen Namen ein Deutscher gewesen sein soll, istwohl nicht ganz klar. Es wäre vielleicht besser gewesen, wenn Assmann zusätz-lich darauf hingewiesen hätte, daß der merkwürdige und schwer auszusprechendeName von den Baiern zu„ Jenewein" umgeformt wurde: Diesen Namen hatdann übrigens noch der in Bayern viel genannte Wildschütz Jenewein getragen,dessen Sagen, Legenden und Volksschauspiele freilich mit dem Heiligen vonSäben- Brixen nichts zu tun haben.Leopold Schmidt
Gisela Burde- Schneidewind unter Mitarbeit von Christiane Agricola( Hg.),Historische Volkssagen aus dem 13. bis 19. Jahrhun-dert( Deutsche Sagen demokratischen Charakters, Bd. 4)(= Akademieder Wissenschaften der DDR. Zentralinstitut für Geschichte. Veröffent-lichungen zur Volkskunde und Kulturgeschichte, Bd. 60). Berlin 1977, Aka-demie- Verlag. 265 Seiten. DM 11,50.
Es wäre vermutlich nicht unbedingt notwendig, auf diese Auswahlsamm-lung einzugehen, die sich mit ganz unverhohlener politischer Tendenz auf dieälteren, meist schlechten landschaftlichen Sagensammlungen stützt und aus ihnenSagen herauszulesen versucht, die irgendeinen sozialgeschichtlichen Zug aufwei-sen. Aber der Band enthält beträchtliche Beiträge aus Österreich, und so mußhier wenigstens kurz darauf hingewiesen werden. Was nämlich Vernaleken oder
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