Jahrgang 
80 (1977) / N.S. 31
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Ludwig Steub, Drei Sommer in Tirol. Neudruck. Mit einem Vorwortvon Josef Pfennigmann. Bd. I 275, Bd. II 266, Bd. III 310 Seiten.Bavarica Reprint im Süddeutschen Verlag, München 1977.

Wer sich mit der Volkskunde von Tirol beschäftigt oder mit der Geschichteder Volkskunde in Süddeutschland und Österreich, kennt seinen Steub und hatihn für die verschiedensten Zwecke schon benützt. Was der juristisch gebildeteJournalist einstmals vor 130 Jahren zum ersten Mal, vor 100 Jahren zum zweitenMal herausgegeben hat, ist erstaunlich leserlich geblieben, obwohl viele Einzel-heiten seit langem anders zu beurteilen sind, als dies der betont liberale Münch-ner Steub getan hat. Aber seine Feuilletons haben eben den Vorteil, leserlich zusein, und das späterhin als volkskundlich Erfaßte noch kräftig in historische undsprachgeschichtliche Erkenntnisse zu verpacken. Das schadet dem Leser auchheute noch nicht, wenn er sich auch in diesen Dingen besonders kritisch wapp-nen muß.

Die knappe Einleitung von Josef Pfennigmann gibt die notwendigen bio-graphischen und bibliographischen Hinweise, mehr freilich nicht. Unsereinerfragt sich bei einem solchen Neudruck- ,, Reprint" heißt doch wohl gar nichtsanderes?-ob der Verlag nicht angesichts der nicht allzuhohen Kosten derHerstellung nicht doch ein übriges tun könnte: Wie wäre es denn etwa miteinem Ergänzungsband, der einen knappen, aber kritischen Kommentar und vorallem ein mehrteiliges Register bringen könnte? Wie soll man die vielen Orts-und Personennamen sonst festhalten und wer mag denn die Sachbezeichnungen,die Mundartausdrücke im raschen Lesen richtig beurteilen? Man setze doch inder Redaktion der verdienstvollen Bavaria Reprints"- welch eine wunderlichelatein- englische Kombination!- einen jungen, volkskundlich geschulten Tiroleran und lasse sich diesen Steub und auch so manchen anderen vergangenen undzukünftigen Band sachkundig durchkommentieren und durchregistrieren; jederLeser wird dafür dankbar sein.Leopold Schmidt

Erich Egg, Schützen

Scheiben

Schätze. Katalog zur Aus-stellung des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum Innsbruck, 3. Juni bis2. Oktober 1977, 52 Seiten Text mit 8 Abbildungen, 48 Bildtafeln.Werner Galler, Schützengilden und Bürgerkorps. Katalog zurAusstellung der Volkskundlichen Sammlung des. Landesmuseums,Wien, 3. September 1976 bis 27. März 1977( verlängert bis Herbst 1977),24 Seiten, 11 Abbildungen.

Die intensiven Arbeiten zum großen Tiroler Schützenbuch von E. Egg undW. Pfaundler haben nun auch einen musealen Niederschlag gefunden. Das istüberaus zu begrüßen, da bei einer Ausstellung mit Hilfe von Objekten ein viellebendigerer Eindruck vom Schützenwesen vermittelt werden kann. Deutlicherals das geschriebene Wort künden nämlich die gezeigten Ladschreiben, dieAnsichten von Schießständen, die Innsbrucker Schützenordnung von 1540 unddie Scheibenstutzen samt dem nötigen Zubehör von der einstigen Schützenherr-lichkeit Tirols, die, wie die Schützenscheiben beweisen, die mit den Schützen-bechern und Pokalen im Mittelpunkt der Ausstellung stehen, bis in die Gegen-wart reicht. Anhand der kulturellen Zeugnisse wird das Wesen der Schützen-gesellschaften bewußt. Das macht die Ausstellung so wertvoll. Sie bringt näm-lich-diktiert durch die vorhandenen Objekte gewissermaßen eine Korrekturdes großen Schützenbuches, denn nun wird das Schützenwesen nicht im Zusam-menhang mit der Landesverteidigung, sondern als sportliche und volkskundlicheErscheinung gezeigt. Man hat den Begriff vom Tiroler Schützen bisher immer

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