dazu die Mundarträume des Landes. Sie zeichnen und kommentieren die Ver-breitung und die historische Schichtung der Gewohnheiten des Kauf- und desErbrechtes, der unglaublich verschieden gelagerten Robotleistungen, der Graf-schaften und der Landgerichte, der Verbreitung der Brandwirtschaft( H. Früh-wald), der Sonderformen der Ackerwirtschaft nach den Einzelfrüchten( Wei-zen, Mais um 1787 und wieder 1969), der Schwaighöfe, Almen, der vorherr-schenden Rinderrassen wie der allgemeinen Viehbestände und der„ privilegiertenViehmärkte" des 19. Jahrhunderts. Breiten Raum nehmen die gerätekundlichenKarten( nach Hanns Koren und von Sepp. Walter u. a.) ein( K 37 ff.):Joch und Jar, Egge, Sichel und Sense, Heurechen, Dreschflegel, Fruchtfolge.Dazu treten Skizzen über Gemeinschaftsarbeiten, wie Brecheln und Spinnen,über das bäuerliche Transportwesen mit Weinfuhren und anderen Frachten, überStraßen und Eisenbahnen um 1860, über Zugkräfte als Tiere und als Maschinenmit Querschnitten von 1542, 1820, 1948, 1972. Besondere Kartenbilder( S. 43)ergeben die Kost- und Speiselandschaften( Anni Gamerith), die Trachten-übersichten( G. Holaubek- Lawatsch). Zum Abschluß das, was dasspätmittelalterliche„ Landplagenbild" am Grazer Dom vor seiner Verrestaurie-rung so eindrucksvoll gewiesen hatte: die Leiden des steirischen Bauern unterden Türken( 1480, 1529, 1532), den Ungarn( 1418, 1605, 1683), den Kuruzzen( 1704 1707), zu den Naturkatastrophen mit Hagelschlag und Heuschreckenfraẞsowie den Pestnöten( 1348/49, 1478-1482, 1541, 1634, 1680/81, 1713-1716)mit den entsprechenden Eintragungen der Pestvotivkirchen und-kapellen undder besonderen Pestwallfahrten. Den Abschluß des großartig reichen Werkes,für das verständlicherweise der jeweils vorhandene, nicht immer befriedigendvorgeleistete Forschungsstand maßgeblich sein konnte, so daß es im einzelnenimmer Hypothesen und Kontroversen geben wird, bilden die Karten zur Ent-wicklung der ländlichen Volksbildung: Pfarr- und Magistratsschulen, Landwirt-schaftsschulen, Agrikultursozietät( 1764-1787), Landwirtschaftsgesellschaft( 1822,1869), die Organisationen von Landeskammer für Land- und Forstwirtschaft,Landjugend, Molkerei- und Lagerhausgenossenschaften, Raiffeisenkassen usw.Sie runden ein Bild, das Geschichte, Schicksale und Gegenwart des steirischenBauerntums eindrucksvoll wiedergibt.
Leopold Kretzenbacher
Eduard Skudnigg, Bildstöcke und Totenleuchten in Kärnten.3. ergänzte und erweiterte Auflage(= Kärntner Heimatleben, Bd. 22) ,.Klagenfurt, Verlag des Landesmuseums für Kärnten 1977. 295 Seiten mit98 Abbildungen und 52 Zeichnungen im Text.
Vor zehn Jahren ist dieses wertvolle Buch, das Handbuch der Bildstöckeim Lande Kärnten, in erster Auflage erschienen und vor fünf Jahren in zweiter.Daß nunmehr die dritte ergänzte und erweiterte Auflage vorliegt, ist doch einerfreuliches Zeichen für das lebendige Interesse an diesem Gegenstand. Freilicherfreuen sich heute dank auch der Arbeitsgemeinschaft für Bildstockforschungim Verein für Volkskunde diese alten Zeugnisse der Volksfrömmigkeit einerwesentlich größeren Aufmerksamkeit als in früheren Jahren. Daraus hat sich jaauch ergeben, daß Skudnigg in vielen Fällen berichten kann, daß von ihm einst-mals in bedauernswertem Zustand vorgefundene Bildstöcke denkmalpflegerischbetreut, in manchen Fällen vernünftig versetzt, in anderen zumindest glücklichrestauriert werden konnten. Das Buch bedeutet also auch einen Beitrag zur stän-digen Kontrolle dieser offenbar in vieler Hinsicht gefährdeten Denkmäler, dieman sich doch aus unserer Kulturlandschaft kaum wegzudenken vermag.Leopold Schmidt
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