Atlas zur Geschichte des steirischen Bauerntums. Wissenschaftliche Leitung:Fritz Posch, kartographische Bearbeitung: Manfred Straka, Redak-tion: Gerhard Pferschy.(= Veröffentlichungen des SteiermärkischenLandesarchivs, Bd. 8), Graz, Akademische Druck- und Verlagsanstalt, 1976.Ganzleinen, 35 x 25 cm, 28 Seiten und 55( gefaltete) Kartenblätter mit über150 Einzelkarten.
Unter den Großausstellungen des Landes Steiermark, jeweils vom Landes-museum Joanneum, vom Steiermärkischen Landesarchiv und der Landesbiblio-thek getragen, war ,, Der steirische Bauer" 1966 die bisher größte und wohl auchbreitenwirksamste. War bereits der Katalog mit der Vielzahl seiner Kurzreferateund den graphisch noch sehr einfachen Karten eine wissenschaftliche Leistungvon bleibendem Wert, so erscheint der Entschluß der Steiermärkischen Landes-regierung vom 16. März 1970 nur folgerichtig, die Mühsal der dort bereits auf-gewendeten Arbeit als Frucht in einem Atlaswerk zur Geschichte jenes stei-rischen Bauerntums reifen zu lassen, das noch nach der Mitte des 19. Jahrhun-derts 85 Prozent der Gesamtbevölkerung jenes Herzogtums und Kronlandes dar-stellte, von dem erst 1919 gut ein Drittel an den neugeschaffenen SHS- Staatabgetreten hatte werden müssen. Bis vor 100 Jahren war also die Historie diesesLandes im wesentlichen eine Geschichte seiner Bauern, die sie als Bewohnereines oftmals leidgeprüften Landes der Grenzmark zu erleiden hatte. DiesesLandesschicksal im Spiegel bäuerlicher Siedlung, Wirtschafts- und Sozialverhält-nisse, bis 1848 geprägt von Grundherrschaft und Untertanenpflicht, zusammenmit sehr vielen Formen der Lebensbewältigung und mit besonderem Blick aufdie Realien der bäuerlichen Wirtschaftserfordernisse jeweils unabhängig vomKatalog von 1966, aber stark auf ihn bezogen darzustellen, gelang einer Gruppevon 39 namentlich( S. 13 f.) genannten wissenschaftlichen Bearbeitern, die fastdurchwegs selber Landeskinder sind. Der Atlas bietet in sich geschlossene Auf-sätze, jeweils knapp formuliert im Hinblick auf die anschaulichen Karten, umdie sich OSTR. Prof. Manfred Straka als erfahrener Kartograph und selbergründlicher Kenner der Landesgeschichte mit jenem Erfolg bemüht, der von derweithin bekannten Farbdruckleistung der Akademischen Druck- und Verlags-anstalt in Graz gekrönt erscheint.
Das Atlaswerk beginnt mit der Historikerdarstellung( HR. Prof. FritzPosch) des Werdens der Steiermark als Siedlungsraum, Landesindividualitätin der Prägung durch mannigfache Sub- und Adstrate: die dünne slawischeSiedlerschicht zu Ende des 6. Jahrhunderts, erkennbar aus Namen, Siedlungs-und Flurformen; die in der Awarenbedrohung erfolgte Zuwendung der Alpen-slawen nach der Mitte des 8. Jahrhunderts an das Bairische als Stamm undSchutzhoheit, nachmals nach dem Sturze Tassilos 788 ans Fränkische als Reichmit seiner besonderen Grafschaftsverwaltung samt ihren in Etappen sichtbarwerdenden Folgen der Christianisierung wie der deutschen Kolonisierung undihrer Rodungsleistung. Dies alles einschließlich der Rückschläge( Ungarneinfälle,Niederwerfung des Ljudewit- Aufstandes der Karantanerslawen 822; Rückgewin-nung der Oststeiermark von den Ungarn erst 1043 usw.) ersieht man deutlichaus der Einführungskarte( F. Posch). Sie ist übrigens( von Skizzen auf denTeilkarten über die Bauernaufstände, Nr. 23, oder der Weinbaugebiete, Nr. 29,30, abgesehen) die einzige, die die historische Steiermark noch in ihrer Gesamt-heit und größten Ausdehnung einschließlich des Sanngaues der Cillier Grafenbis zum Erbfall an die Habsburger unter Friedrich III. zeigt, indes ansonstennur der heutige Umfang des Bundeslandes den Darstellungsraum abgibt bzw.häufig der Vermerk gegeben wird„ Untersteiermark nicht bearbeitet". Die rund150 Einzelkarten, durchwegs in vorzüglichen Farben, behandeln Siedlung undHauslandschaften, Flurformen, ihre regional schon früh erfaßbaren Namen,
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