als für Heimatkundler" und andere„ Romantiker" behandelt, dabei aber dochschon verdächtig eifrig„ gesammelt" und unter die mit steigendem Verkaufserlösangebotenen„ Antiques" eingereiht hatte. Nur gut, daß dieses Zurschaustellenauch dessen, mit dem sich schon die Brüder Grimm in der ihnen nachgesagten,, Andacht zum Unbedeutenden" so sehr abgegeben hatten, heute im Überschwangder Nostalgie- Welle wenigstens in vielen Fällen mit ernster Sorge und mit fach-lichem Können als Finder, Lichtbildner und Aussteller geschieht wie hier„ AmBeispiel Steiermark" durch die Leiterin des Bild- und Tonarchivs am Steier-märkischen Landesmuseum Joanneum mit namhafter Förderung des zuständigenLandesrates Prof. Kurt Jungwirth. Er hatte eine Wanderausstellung in der Steier-mark zu diesem Thema in die Wege geleitet und nun dieses nette Buch ein-begleitet als etwas gegen die Verdrossenheit" des Wohlstandsbürgers, auf daßes ,, Augen zum Schauen, Köpfe zum Denken und Menschen Freude bringen"möge. Das vermag dieses wie so viele Bücher aus dem Grazer,, Verlag fürSammler". Man denke bloß an den vorangegangenen Wurf des( nicht nur Bil-der-) Buches von Hasso Hohmann, Giebelluckn und Stadlgitter. KunstvolleZiegelgitter an Wirtschaftsgebäuden der Steiermark. Graz 1975. Den als„ Gefähr-detes Kulturgut" bezeichneten Spuren beider Bücher geht nun bewußt ein FS-Team des ORF nach( Kleine Zeitung, Graz, Nr. vom 3. April 1977, Beilage).
In der kritisch überlegenden Einleitung( S. 7-36) verneint Frau A. Schiffer-Ekhart die Frage, ob es eine Verschmelzung von Kultur und Technik" gibt.„ Wohl aber so glauben wir gäbe es eine echte Koexistenz, wobei frei-lich eine Sinnesänderung vorausgehen müßte..."( S. 8.) Aber sind„ Kultur" und„ Technik" denn wirklich Gegensätze? So einfach sind die Formeln und daherauch die Lösungsmöglichkeiten nicht. Wie sehr und wie lange schon darumgerungen wird, vermerkt auch die Verfasserin sehr sorgfältig. Man wird ihrzustimmen, daß allein das bloße Nachdenken, das Streben nach einem dyna-mischen, nicht nur statischen und allzusehr dem Traditionalismus verhafteten,, Kultur"-Begreifen heilsam sein und helfen wird. Dem aber dient dieses netteBuch liebenswert in der abbildenden und zum Teil beschreibenden, auch zeitlichdokumentierenden Erfassung von sehr viel„ gefährdetem Kulturgut". So manchesist schon während der Drucklegung für immer verschwunden! Ein Bildthemen-kreis zwischen Siedlung und Ortsbild, Hausformen, Raumbezug im Inneren, mitSchutzwehr der Stadt, mit Pranger, Maut und Wetterturm, mit Bauten undGeräten von Industrie, Handwerk, Handel und Gewerbe, mit dem Bauernhausim Besonderen der Großwirtschaft, der Kleinhäusler, der Ackerbürger und derWinzerkeuschen, mit Möbel und Kleingerät. Dazu mit dem weitgespanntenBereich des Sakralen zwischen Kirchenbau, Altarbild, Wegkreuz, Grabstein undFahne.
Es wäre wünschenswert( und technisch gewiß möglich) gewesen, den Bil-dern unmittelbar eine Kurzbeschriftung beizugeben, zumal solches an einzelnenalten( offenkundig Platten-) Bildern schon so war( S. 7, 10, 95). Auch scheutman sich vereinzelt, das Dargestellte als„ Kulturgut” zu empfinden, wie etwaden ,, Windfang" von 1816 der ehemaligen Schule zu St. Margarethen an derRaab( S. 12). Der war wohl auch damals schon die modische Entgleisung eineseinzelnen. Aber wer wollte für sich Geschmackssicherheit beanspruchen? ZumGlück ist nicht verbindlich normiert, was„ steirisch" und was„ Kulturgut” ist.Hat doch P. K. Rosegger im Irrglauben, das„ Schweizer Haus" sei der Inbegriffalles„ Alpinen" im Bauen, eines als Schule in die( damals noch unverbaute)Waldheimat zu Alpl gestiftet...
Im ganzen ein gut ausgestattetes, liebenswert zum Nachdenken stimmendes,ohne Aufdringlichkeit„, belehrendes" Buch! Leopold Kretzenbacher
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