Jahrgang 
80 (1977) / N.S. 31
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ewig neu" bieten ebenso Fundiertes wie Nützliches, etwa mit dem Hinweis aufdie eigenartige Sonderstellung derartiger Gebrauchsliteratur, zu der richtiger-weise gesagt wird:

Ein Lehrbuch des Kochens ist dieses Werk daher ebensowenig wie einSpiegel der damaligen Eßgewohnheiten. Beilagen, Gemüse, Salate undEierspeisen wurden erst gar nicht in die Rezeptur aufgenommen, weil ebennur das Besondere, nicht aber das Alltägliche geboten werden sollte.( S. 14.)Und so bringt Herta Neunteufl im Anschluß an 23 Proben von Original-rezepten im Faksimiledruck mit zeitgemäß angepaẞten" Übertragungen( S. 45bis 69) Erläuterndes und Vergleichendes über Küche und Kochen samt einerBeschreibung von Feuerstellen, Kochtechnik und Küchengerät( S. 70 ff.), überPreise und Löhne, Maße und Gewichte( S. 83 ff.) und über den Sprachstil ihrerQuelle( 89 ff.). Schließlich werden neben Einflüssen der internationalen Gastro-nomie auch die ebenso interessanten wie schwierigen Fragen nach der Autor-schaft dieses wie die Verfasserin feststellt- ,, wahrscheinlich ersten gedruck-ten österreichischen Kochbüchleins" diskutiert ¹)( S. 104 ff.).

Für den aufmerksamen Leser fällt dabei allein in volkskundlicher Hinsichterstaunlich viel ab, darunter manches, das man sich vormerken sollte. So etwadie ältere Zeltenbäckerei in der Steiermark( S. 20) oder die Vorstufen" manchertypischer Speisen in Österreich, wie Brandteige, Selchwaren, Faschiertes, Fleisch-füllungen, Faschingskrapfen, Linzer Torte, Traunkirchner Torte oder Kaiser-schmarren( S. 27 und 109), letzterer möglicherweise volksetymologisch umbe-nannt nach einem ursprünglichen, eigentlich älplerischen Schmarren" der,, Koaser" oder Sennen( S. 37). Auch den Vorgänger des sogenannten, unga-rischen Gulasch" bei uns gab es, scheint's, bereits( S. 31), welches freilich dieUngarn selbst bekanntermaßen weder so kennen noch so nennen. Erwähnt wirdweiter die Einführung der Frucht_des ,, Paprika" als spanischen Pfeffer" seitColumbus( 1494)( S. 31) u. a. m. Da gab es also bereits 1686 unsere ,, Frank-furter", doch nannte man sie noch, kälberne Würstl"; und unsere heutigen,, Krainer" hießen damals Rauch- Würst'( S. 34). Weiters zeigt die Verfasserindie einstige große Bedeutung der Suppenkost" auf( S. 35) und gibt u. a. einäußerst wichtiges Verzeichnis der Bezeichnungen für Küchen- und Servier-geräte" ihrer barocken Quelle, wobei das Fehlen der Gabel als Besteckbestand-teil mit Recht herausgestellt wird( S. 77-80). Die Weite des Ausgriffes solcherUntersuchungen verrät das abschließende Literaturverzeichnis für die Mehrzahlder benutzten Quellen.

Nimmt man alles das zusammen, so erscheint hier eine immerhin bedeu-tende Quelle zur Gastronomie des späteren 17. Jahrhunderts nicht nur mit wis-senschaftlichem Ernst und mit Gewissenhaftigkeit behandelt, sondern auch fürdie Volkskunde mit Gewinn und Nutzen erschlossen.

Oskar Moser, Graz

Armgard Schiffer- Ekhart, Am Beispiel Steiermark: GefährdetesKulturgut. Graz, Verlag für Sammler, 1976. Geb. 44 Seiten, 203 Abbil-dungen, öS 240,-.

Im gegenwärtig von vielen Seiten, nicht zuletzt von den Massenmedien her,die wie Bildzeitung und Fernsehen verständlicherweise so sehr auf Schaubares"aus sind, sehr betonten Bewußtmachen zum erhofften Bewußtwerden auch derkulturellen Umwelt" werden mehr und mehr Dinge ins Blickfeld einer bislangwenig interessierten Öffentlichkeit gerückt, die man ehedem ziemlich abschätzig

1 Vgl. dazu auch Herta Neunteufl, Das erste gedruckte Grazer Koch-buch.( Biblos 23/3, Wien 1974, S. 285–297.)

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