Jahrgang 
80 (1977) / N.S. 31
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irgendwelche Schlüsse gezogen, die über die Kleinlandschaft und deren Gegen-wart hinausführen. Die abgebildeten Flugblattlieddrucke dokumentieren eigent-lich mehr die Bestände der Sammlung Hottenroth, als daß sie mit dem Liedgutin eine echte Verbindung gebracht würden. Es handelt sich also doch eher umeinen stoffreichen Versuch als um eine fertige Leistung.

Leopold Schmidt

Ernst Englisch Gerhard Jaritz, Das tägliche Leben im spät-mittelalterlichen Niederösterreich(= WissenschaftlicheSchriftenreihe Niederösterreich, Bd. 19, 20, 21). St. Pölten 1976, VerlagNiederösterreichisches Pressehaus. 96 Seiten, 58 Abbildungen.

Die Volkskunde des Mittelalters" ist, mit Ausnahme ihrer Sparte,, Religiöse Volkskunde", noch immer ein wahres Stiefkind unseres Faches. Beiso manchen Ausstellungen wird sie zitiert, wird manchmal sogar zu kommen-tierenden Katalog- Beiträgen herangezoegn, aber darüber hinaus wagt sich dochniemand.

Da ist es gut, immer einmal darauf hinzuweisen, daß sich die zur Kenntnis-nahme notwendigen Belege allmählich vermehren. Die Österreichische Akademieder Wissenschaften hat in ihrem Institut für mittelalterliche Realienkunde inKrems ein vorzügliches Instrument geschaffen, dessen sich auch die Vertreterder Volkskunde allmählich bedienen sollten. In diesem Sinn ist es durchaus zubegrüßen, daß hie und da bereits eine mehr oder minder vorläufige Auswertungder in Krems gespeicherten Bildschätze erfolgt. Ein solcher erfolgreicher Ver-such liegt beispielsweise mit diesem Büchlein vor, das die Bildzeugnisse zum,, täglichen Leben" für Niederösterreich auszuwerten sucht. Es werden zunächstdie Lebensbedingungen dargestellt, also das Verhältnis des hier siedelnden Men-schen zur Natur, zur Zeit, zur gesellschaftlichen Ordnung. Dann wird der Lebenslauf" erfaßt, vom Wochenbett bis zum Begräbnis, und schließlich die,, Lebensausgestaltung", von Haus und Möbel über die Kleidung bis zu Gerätund Gefäß. Manches Bild, manches Zeugnis habe ich in Ausstellungen undKommentaren schon verwendet, aber man kann solche durch Sach- und Bild-zeugnisse unterstrichene Ergebnisse nicht oft genug wiederholen. Die schlichte,saubere Arbeit mit den instruktiven Abbildungen und den guten Literaturangabenkann nur sehr empfohlen werden.Leopold Schmidt

Herta Neunteufel, Kochkunst im Barock. Aus der Welt der steirischenKüche um 1686. Graz- Wien, Leykam- Verlag( 1976). 120 Seiten mit Fak-simile- Proben und mehreren Abbildungen.

Zu den durchaus wertvollen Entdeckungen barocker Gebrauchsschriftengehören nicht nur Liederdrucke und Schauspieltexte, Periochen oder Theater-zettel, Jagdbücher und Kostümdrucke, sondern auch Koch- und Arzneibücher.Über sie ist uns nicht zuletzt durch die Volkskunde mancher tiefere Einblick indas Leben der Zeit mit seinen Gesellschafts- und Sittenliedern, seinem Spiel-wesen oder seinen Kleidersitten vermittelt worden. Ganz in diese Richtung zieltdas vorliegende Büchlein von Herta Neunteufl, das sich kritisch überlegend undin ,, kapitelweisen Kommentaren" mit dem 1686 bei Widmanstetters Erben inGraz gedruckten Anonymus: Ein Koch- und Artzney- Buch" befaßt.

Die Aufschließung derartiger Druckerzeugnisse setzt zweifellos einiges anFach- und Sachkenntnis voraus. Beiden wird die Verfasserin, die aus der SchuleViktor Gerambs und Karl Polheims kommt, sicherlich gerecht, zumal ihre beson-dere Neigung sichtlich dem an sich schwierigen und anspruchsvollen Sonder-gebiet des Nahrungswesens und der Kochkultur gehört. Schon die einführendenAbschnitte über Graz und die Zeit um 1686" sowie über Alte Kochbücher-

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