Jahrgang 
80 (1977) / N.S. 31
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Arbeiten Adalbert Klaars nicht gelungen" sei, ernsthaft auf die Volksarchitek-turen aufmerksam zu machen". Um welche Aufmerkung geht es da eigentlich?Ist nicht die Tatsache ein noch peinlicheres Manko, daß es für den Autor einerDarstellung solch gewachsener Lebens- und Wirtschaftsräume" volkskundlicheoder hausbaugeschichtliche Aspekte anscheinend überhaupt nicht gibt. Von bei-den hätte er gut und gewiß tiefergehende Aufschlüsse nicht nur über das Sinn-gefüge der betrachteten Baubestände, sondern wohl auch über deren Herkünfte,historischen Hintergründe und weiteren Beziehungen erfahren. Vermutlich wärendann dem Verfasser auch einige Zweifel gekommen, ob man diese Leistungenbäuerlichen und herrschaftlichen Bauens innerhalb eines derartig ausgeprägtenund von Traditionen geformten Lebensraumes allen Ernstes einfach als NaiveArchitektur" deklarieren wird können.Oskar Moser, GrazHeimatkundliches Jahrbuch des Waldviertler Heimatbundes. Schriftleiter: WalterPongratz. Bd. 1, Krems 1977. 324 Seiten( vervielfältigt). Krems( Nie-derösterreich), Verlag Josef Faber.

Trotz der eher schlichten Aufmachung dieses neuen Jahrbuches und trotzdes wenig glücklichen Titels, der mit zweimal Heimat" einfach nicht durch-überlegt erscheint, soll auf dieses neue Jahrbuch hier hingewiesen werden, undzwar dies vor allem, weil dieser erste Band doch vorwiegend volkskundlicheBeiträge enthält, die zum Teil neues Material bringen oder zu bekannten The-men umfangreiche Ergänzungen beisteuern.

Der ausführlichste Beitrag ist gleichzeitig der Eröffnungsartikel. HelmutFielhauer behandelt Hochzeitsmasken in Niederösterreich", bringt also einwichtiges Kapitel seiner Habilitationsschrift, die sich mit den Masken in Nieder-österreich überhaupt beschäftigt hat. Der Beitrag beruht weitgehend auf Befra-gungen der Gemeindeämter in den letzten Jahren, die doch recht gutes Gegen-wartsmaterial eingebracht haben. Bei aller kritischen Einstellung gegenüber älte-ren Interpretationen ist hier eine stoffreiche, brauchbare Darstellung geschaffenworden. Die freilich nicht sehr glücklich reproduzierten Bildzeugnisse stammenaus den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg.

Werner Galler steuert einen zweiten Beitrag bei, Waldviertler Volks-kultur", der im wesentlichen der Katalog der Ausstellung der Waldviertler Zeich-nungen von Milly Niedenführ im Schloß Greillenstein 1976 ist. Daß dasÖsterreichische Museum für Volkskunde die Zeichnungen von Frau Niedenführzusammen mit einer Belegortekarte schon 1953 ausgestellt hat, wird leider nichterwähnt. Die Karte hängt heute noch deutlich sichtbar beim Eingang in denRaum, Waldviertler Volkskunst" im Schloß Gobelsburg.

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Der sehr umfangreiche Beitrag diesem Leben voll Beschwerden soll einbesseres Jenseits werden. Todesmitteilung/ Sterbebildchen" stammt von HelgaMaria Wolf. Die Verfasserin hat sich anhand der verschiedensten Informa-tionsquellen über die Sterbebildchen informiert. Dabei ist ihr auch das Materialdes Museums der Wiener Städtischen Bestattung zugute gekommen, einer wich-tigen, aber der Allgemeinheit fast unbekannten Spezialsammlung. Die Texte,hauptsächlich Beispiele aus Wien und Niederösterreich, finden sich abgedrucktund gewähren einen Einblick in diese Gebrauchspoesie, die weder von der Lite-ratur noch von der Volksliedforschung berücksichtigt wird. Anschauliche Bild-beilagen ergänzen die stoffreiche Arbeit.

Von den weiteren Beiträgen des Bandes sind noch die Arbeiten von ErichKaessmayer, Das Sammeln als Faktor bäuerlicher Wirtschaft der Gegen-wart. Gezeigt an Feldforschungsergebnissen aus Schagges, Bezirk Gmünd", undvon Othmar K. M. Zaubek, Der Heimatkundler und Lehrer als Sammler,Gestalter und Erforscher von Sagen" genannt. Die Beiträge stehen ungefähr aufder Höhe von Seminararbeiten, sollen aber als Versuche der Verdichtung unse-rer Kenntnisse durchaus anerkannt werden.Leopold Schmidt

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