Jahrgang 
80 (1977) / N.S. 31
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und Redensarten eingeht. Sachkundlich ist besonders der Artikel Pett" zu nen-nen, der zum Bett an sich sehr viel an Komposita, Sachbelegen, Redensartenusw. zu nennen weiß. Fixfertige Nachschreiber könnten daraus ein ganzesTaschenbuch machen. Hoffentlich wird fachlich aber doch eher der Artikel unddamit das ganze Mundartwörterbuch gewürdigt werden.

Leopold Schmidt

Jahrbuch für ostdeutsche Volkskunde. Im Auftrag der Kommission für ost-deutsche Volkskunde in der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde e. V.Herausgegeben von Erhard Riemann. Bd. 19, 1976. Marburg, N. G.Elwert Verlag. 356 Seiten mit mehreren Karten.

Das verdienstvolle Jahrbuch hat nach dem 18. Band einen Register-band erhalten, eine ungemein nützliche Nachschlagehilfe, auch wenn man,, 18" ja als eine eher ungewöhnliche Rundzahl wird ansprechen dürfen.

Der zugleich ausgelieferte Bd. 19 nun ist wohl als eine Art von Festschriftgedacht, nämlich für den Märchensammler Alfred Cammann, der am7. Juli 1909 geboren wurde. Rolf Wilhelm Brednich widmet ihm eine freund-liche Werkübersicht mit einer Bibliographie. Cammann selbst holt aus seinengroßen Aufzeichnungsbeständen und berichtet nach den Mitteilungen von AugustRukatuk über Die Kinderwelt von Csávoly in der Batschka" und dannnoch über seine, Feldforschung im Beresaner Gebiet zwischen den beiden Welt-kriegen". Es handelt sich um einen Ort im Vorfeld von Odessa, nach den ver-öffentlichten Aufzeichnungen von H. Bachmann, die Joseph Schnurrin Stuttgart 1974 herausgegeben hat und die vermutlich der volkskundlichenForschung nicht sehr bekannt geworden sind. Was da an menschlichen Tragödienunserer Zeit drinsteckt, ist erschütternd. Im weiteren gibt Cammann, der ebeneinen besonderen Überblick über dieses ganze Gebiet und seine Gewährsleutehat, einen Nachtrag" zu seinem Aufsatz ,, Eine deutsche Märchenerzählerin ausder Ukraine" unter dem Titel Neues aus Berestowo". Der Ort war wieder eineSiedlung im Donezgebiet, es handelte sich um eine ganze deutsche Siedlungs-gruppe. Die ehemaligen Bauern dort sind Fabrikarbeiter geworden.

Von anderen Arbeiten in diesem Band ist besonders der Beitrag ,, DreiVolksschauspiele aus Siebenbürgen" von Richard Wolfram zu erwähnen,der hier Aufzeichnungen aus dem Jahr 1937 veröffentlicht. Er erwähnt darinauch das Urzeln- Laufen in Agnetheln, von dem dann ein ganzer Beitrag vonRotraut Sutter und Hans Wächter handelt. Mit volksschauspielnahenDingen beschäftigt sich auch der Beitrag Die donauschwäbischen Schulmeister-spiele" von Rudolf Hartmann. Dem Volkslied ist dagegen der Beitrag vonHelga Thiel, Arbeitslieder aus dem Frainer Ländchen in Südmähren",gewidmet, der sich wieder auf die Aufzeichnungen des in Wien wohnhaftenSammlers Alexander Fleischer stützt. Mit Bedauern wird man den Aufsatz,, Bewirtungs- und Beherbergungswesen in den Sudetenländern" zur Kenntnisnehmen, da dessen fleißige Verfasserin, Hertha Wolf- Beranek, soebengestorben ist. Sie hat in ihrer Art der Atlasbefragung und kartenmäßigen Aus-wertung auch hier noch einmal gezeigt, wieviel aus dem Material auch heutenoch herausgeholt werden kann. Ihr großes Werk wird hoffentlich von ihrenMitarbeitern fortgesetzt werden. Aus den Sudetenländern stammen die Beiträgevon Hans- Wolfgang Steffek über Vögel und Vogelfang in den Sudeten-ländern, aus Ost- und Westpreußen die Beiträge von Erhard Riemann überVolksheilmittel gegen die Flechte und von Ulrich Tolksdorf über denGebrauch von Tabak und Schnupftabak. Zu den Nahrungsforschungen vonTolksdorf stellen sich diesmal die Aufzeichnungen von Eugen Bonomi über,, Essen und Trinken in Budaörs und Solymar bei Budapest".

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