Jahrgang 
80 (1977) / N.S. 31
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Stelle aufhängen 27). Die deutlich sekundären Begründungen der Sageinteressieren hier nicht, denn es kann kaum Zweifel darüber bestehen,daß wir in Wirklichkeit mit dieser Kugel ein Analogon dessen vor unshaben, was der religiösen Volkskunde unter dem Terminus Simile wohl-bekannt ist: das stellvertretende Abbild eines Urbildes, in dem durchForm und Material dessen Kraft wirkt. Dieses selbst mußte selbstver-ständlich in den gesegneten Händen des Heiligen verbleiben.

Der Goldene, zehn Scheffel Weizen haltende Apfel, den SultanSüleyman auf die Spitze des Wiener Stephansturmes setzen ließ, istdemnach offenbar nur eine weitere Filiation des Urbildes bzw. seinesSimiles.

Sagenerzähler wollen Wahrheitsberichte geben, und sie tun esgemäß den Prämissen ihrer Weltsicht. Die Setzung des Feldzeichensdes Siegers zuhöchst auf den Zinnen der eroberten Stadt ist alter, inWest und Ost geübter Kriegsbrauch. In der mythisch- magischen Denk-ebene der Sage nimmt diese Handlung dadurch, daß einem ZeichenHeiligkeit und zaubrische Kraft zugeschrieben wird, eine eigene Be-deutung an. Im persischen Nationalepos Schahname etwa kann dieuneinnehmbare Alanenburg nur dadurch bezwungen werden, daß einHeld das heilige Banner Irans in die Feste schmuggelt und nächtlicher-weile auf der Mauerkrone aussteckt 28).

In unserem Fall wird Wien durch das Zeichen des Sultans bereitszaubrisch in das Darül'islâm, die islamische Ökumene, einbezogen.Daß die Handlung so gemeint und von den keines weiteren Wider-stands mehr fähigen oder den eigentlichen Zweck der Forderung desSultans zunächst nicht erkennenden Christen auch so verstandenwurde, zeigt der sogleich nach Wegfall des äußeren Zwanges unter-nommene Versuch König Ferdinands, die Kraft des sultanischen Zei-chens durch Drübersetzen eines eigenen unwirksam zu machen, sowiedie Reaktion Süleymans. Um sein Ziel zu erreichen, hatte er sich desnach Şeriatrecht Nichtmuslimen gegenüber zulässigen Mudârâ- Prin-zips( Grundbedeutung: Verstellung, Täuschung) bedient. Wie ja auchdie Christen später mit einer Kriegslist antworteten.

Sehen wir uns in der Umwelt der offenkundig wichtigsten Trägerder beiden Wiener Kızıl Elma- Sagen um, den Kriegern und ihrenDerwisch- Feldpredigern, so finden wir kein zweites Zeichen, dasihnen so sinnfällig vor Augen stand und damit zur lebendigen Quelleder Sagen- Vorstellungen werden konnte, als die Bekrönungen der Tug-Standarten. Sie bestanden meist aus einer Kugel, über die zu zeiten"nach dem Zeugnis des Johannes Löwenklau ein wachsender Halbmond

27) Seyâhatnâme, wie Anm. 26, S. 125.

28) Jules Moh 1, Le livre des rois, Bd. 1. Paris 1876, S. 149 ff.

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